Strobl: "Mehr Druck auf Hartz-IV-Empfänger ausüben"

02. September 2022 , 08:23 Uhr

Fördern und Fordern – so sollten Arbeitslose wieder Jobs bekommen. Nun werden die Hartz-IV-Sanktionen vorerst aber ausgesetzt. Ein schwerer Fehler, sagt Innenminister Strobl. Viele Arbeitslose müssten mehr unter Druck gesetzt werden. Damit liegt er falsch, sagen andere.

„Es müssen Kürzungen angedroht werden“

Statt der weitgehenden Aufhebung der Hartz-IV-Sanktionen müssen arbeitsunwillige Arbeitslose aus Sicht des CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl stärker unter Druck gesetzt werden, damit sie Jobangebote annehmen. Es müssten vielmehr Kürzungen angedroht und durchgesetzt werden, wenn wiederholt angebotene Stellen nicht besetzt würden. Die jüngste Änderung der Sanktionspraxis für Hartz-IV-Empfänger durch die Berliner Ampel-Koalition sei ein «schwerer Fehler» gewesen, sagte Strobl.

„Nicht sofort, nicht unmenschlich“

Der CDU-Politiker räumte ein, dass sich viele Hartz-IV-Empfänger bemühten, Arbeit zu finden. Aber wer sich nicht bemühe, Termine nicht wahrnehme oder sich nicht für Fortbildung interessiere, dem müssten Leistungen gekürzt werden, forderte Strobl, der auch baden-württembergischer Innenminister ist. «Nicht sofort, nicht unmenschlich, aber in einem sorgfältig ausdifferenzierten, abgewogenen System.»

Diakonie widerspricht Strobl

Die Diakonie Württemberg widersprach dem CDU-Landeschef. «Unsere Erfahrung ist, dass arbeitslose Menschen in den meisten Fällen auch arbeiten wollen, dass sie unter ihrer Situation leiden», sagte die Diakonie-Vorsitzende Annette Noller. Grund für das derzeit geltende einjährige Moratorium ist das für 2023 geplante Bürgergeld anstelle des heutigen Hartz-IV-Systems, das auch mit einer Neuregelung bei den Sanktionen verbunden sein soll. Zudem muss der Gesetzgeber eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2019 umsetzen.

Bürgergeld kommt 2023

Ausgesetzt wird für ein Jahr die Möglichkeit, das Arbeitslosengeld II bei einer Pflichtverletzung um 30 Prozent zu mindern. Das gilt etwa, wenn eine zumutbare Arbeit nicht angenommen wird. Bei wiederholten Meldeversäumnisse oder Terminverletzungen drohen allerdings auch künftig Leistungskürzungen von bis zu 10 Prozent des Regelsatzes. Wenn im nächsten Jahr das neue Bürgergeld kommt, sollen wieder Kürzungen um 30 Prozent möglich sein.

Anzeige
Bürgergeld Hartz IV Hartz-IV-Sanktionen Thomas Strobl

Das könnte Dich auch interessieren

03.09.2026 Autofahrer prallt in Karlsruhe-Hagsfeld gegen Betonlaterne Karlsruhe (svs/ER24) - Ein schwer beschädigtes Auto, Trümmer auf der Straße und eine kaputte Betonlaterne: In Karlsruhe-Hagsfeld hat ein Verkehrsunfall am Mittwochabend für ein größeres Schadensbild gesorgt. Verletzt wurde dabei zum Glück niemand. 02.09.2026 Brückensturz in Karlsruhe-Durlach: Polizei sucht bei „Aktenzeichen XY“ nach Hinweisen Karlsruhe (pol/svs) - Mehr als eineinhalb Jahre nach dem schweren Brückensturz  eines damals 15-Jährigen in Karlsruhe-Durlach sucht die Polizei weiter nach Antworten und geht daher in die noch breitere Öffentlichkeit. Der Fall wird am Mittwoch, 9. September 2026, in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... Ungelöst“ vorgestellt. 02.09.2026 KSC verstärkt die Defensive: Héliton wechselt nach Karlsruhe Karlsruhe (pm/svs) - Kurz vor dem Ende der Sommertransferperiode legt der Karlsruher SC noch einmal nach. Der 30 Jahre alte Innenverteidiger Héliton wechselt aus der türkischen Süper Lig von Göztepe SK in den BBBank Wildpark. Beim KSC läuft der Brasilianer künftig mit der Rückennummer 4 auf. 01.09.2026 Hunde-Schwimmen in Karlsruhe: Zum Jubiläum gibt’s Speed-Dating mit Tierheim-Hunden Karlsruhe (pm/dk) - Normalerweise haben Vierbeiner im Freibad nichts verloren – doch am Samstag, 5. September 2026, wird im Rheinstrandbad Rappenwört wieder eine Ausnahme gemacht. Zum zehnten Hunde-Schwimmen dürfen Hunde das Wellenbecken erobern. Zum Jubiläum gibt es außerdem ein besonderes Angebot mit Hunden aus dem Tierheim Karlsruhe.