Regulierung 2021: Wann kommen Roulette & Blackjack zurück?

23. April 2021 , 11:37 Uhr

Deutschland gönnt sich 2021 endlich ein neues Glücksspielrecht. Ab dem Sommer werden sich Anbieter von Online Casinos ganz legal um eine Lizenz bemühen können, wenn sie sich an bestimmte Regeln halten. Den Spielerschutz wollen die Länder (in Deutschland ist die Glücksspiel-Regulierung Sache der Bundesländer) über alles stellen. Seit Oktober 2020 greift bereits eine entsprechende Duldungsphase. Mit deren Beginn sind aus vielen Internet Spielotheken einige der beliebten Casinoklassiker für deutsche Spieler verschwunden. Boni wie Freispiele ohne Einzahlung gibt es noch. Roulette, Blackjack oder Baccarat werden dagegen nicht mehr unterstützt. Viele Casino Fans fragen sich zurecht, wann diese beliebten Casino Games endlich wieder in den Online Spielbanken auftauchen.

Duldungsphase fokussiert sich auf Slots

Die neuen Regelungen zum Online Glücksspiel treten ab Juli 2021 in Kraft. Vielen Casino Fans, die in der Vergangenheit Angebote mit einer Lizenz des europäischen Inselstaates Malta benutzt haben, werden bereits Veränderungen aufgefallen sein. Diese zielen nicht nur darauf ab, sich für die Vergabe der neuen Lizenzen in Position zu bringen. Seitens der Bundesländer hat es noch 2020 eine Einigung zum Start einer Duldungsphase für Online Spielotheken gegeben. Mit der Einhaltung gewisser Regeln sehen die Behörden von einer Verfolgung der Angebote im Internet ab.

Begonnen hat diese Phase Mitte Oktober des letzten Jahres. Vorausgegangen war dem Beginn dieser Phase die Ausarbeitung von klaren Regeln. Nur wer als Anbieter alle Punkte im Angebot umsetzt, fällt unter die Duldungsregel. Unter anderem sind Casinoanbieter gezwungen, einen Panik-Button einzubauen. Sobald dieser betätigt wird, erfolgt automatisch eine Spielsperre von 24 Stunden. Eine weitere Voraussetzung: Jedem Spieler muss durch die Internet Spielothek eine kurze Übersicht zu den gemachten Einsätzen, Verlusten und Gewinnen angezeigt werden. Außerdem begrenzen die Regelungen Einsätze. Eine Runde an den Online Slots darf nicht mehr als 1 Euro kosten.

Wirklich deutlich spürbar sind allerdings die Rahmenbedingungen bei den klassischen Casinospielen. Roulette, Blackjack und Baccarat sind vorerst komplett von der Bildfläche verschwunden. Internet Casinos haben diese Spiele sowohl basierend auf Zufallsgeneratoren als auch im Live Casino vom „Netz“ nehmen müssen. Hierfür sollen noch spezielle Regularien erarbeitet werden. Bisher liegt der Fokus auf den Automatenspielen.

Deutschlands langer Weg im Glücksspielrecht

Wozu dieser ganze Aufwand? Deutschland hat beim Thema Online Glücksspiel eine echte Berg- und Talfahrt hinter sich. Bis Ende der 1990er Jahre war das bestehende Glücksspielrecht ausreichend. Ab Anfang der 2000er Jahre entwickelte sich eine wachsende Gambling Szene. Unter anderem die Isle of Man und Malta verpassten sich rechtzeitig eine liberale Gesetzgebung in Bezug auf Glücksspiel. Basierend auf diesen Rahmenbedingungen (und dem moderaten Steuerrecht) entstanden so die ersten Hotspots für Online Glücksspiel.

Der Startschuss zu einer rasanten Entwicklung fiel mit dem Beitritt Maltas zur EU. Hintergrund: In der Union gilt das Konzept der Dienstleistungsfreiheit als ein Grundpfeiler. In einem EU-Mitgliedstaat zugelassenen Unternehmen kann das Erbringen von Dienstleistungen in anderen Mitgliedstaaten nicht einfach so verweigert werden. Es gelten dafür Hürden. Und auf genau diese Rahmenbedingungen beriefen sich die Online Casinos immer wieder, wenn es um Spieler aus Deutschland ging.

2008 trat dann der Glücksspielstaatsvertrag in seiner ersten Fassung in Kraft. Dass die Gültigkeit bis 2011 beschränkt war, sorgte in der Folge für Probleme. Die Bundesländer konnten sich bis 2020 nicht auf eine Neufassung einigen, welche alle Interessen unter einen Hut brachte. Besonders zwei Ereignisse beeinflussten das Tauziehen. Einerseits entschied der EuGH, dass die ursprünglichen Formulierungen zu Sportwetten nicht EU-Rechts-konform waren. Auf der anderen Seite ging Schleswig-Holstein einen Sonderweg – an dem sowohl der 1. als auch der 2. Änderungsstaatsvertrag scheiterten. Erst in einem dritten Anlauf war ein Konsens zu erzielen. Der 3. Glücksspieländerungsstaatsvertrag ist bis Juni 2021 befristet. Auf die darüber hinausgehenden Regeln haben sich die Länder allerdings bereits geeinigt. Damit deutet sich für Deutschland das Ende einer jahrelangen Hängepartie an.

Wie geht es nach der Duldungsphase weiter?

Mit dem Auslaufen des 3. Glücksspieländerungsstaatsvertrag beginnt in Deutschland eine neue Zeitrechnung – zumindest, was das Thema Online Glücksspiel betrifft. Bisher sind lediglich Sportwetten legal und mit einer entsprechenden Lizenz möglich. Allerdings hat es auch dafür eine ganze Reihe juristischer Auseinandersetzungen gebraucht. Ab Juli 2021 werden zum ersten Mal auch Online Casinos legal eine Lizenz erhalten. Diese Legalisierung bricht mit der bisherigen „Tradition“, Online Gambling komplett eine Absage zu erteilen und es für illegal zu erklären. Bevor Deutschland diese vergibt, muss jeder Anbieter einen Katalog unterschiedlicher Regeln erfüllen. Hier steht der Spielerschutz an erster Stelle. Für Anbieter und Casino Fans wird sich eine ganze Reihe Änderungen ergeben:

Ein weiterer Aspekt ist die Gründung einer Behörde. Diese wird ähnlich der Malta Gaming Authority eine Kontrollfunktion ausüben. Aber: Deren Befugnisse könnten recht weit gehen. Es sieht so aus, dass die Spielregulation Einblick in das Verhalten registrierter Nutzer bekommen wird. Internet Spielotheken werden umfassende Datensätze ihrer Kunden mit einem Wohnsitz in Deutschland bereitstellen müssen.

Aussichten, mit denen sich nicht jeder Casino Fan wird anfreunden können. Ist das Ausweichen auf Alternativen eine Option? Dass Online Spielbanken im Inland lizenziert sind, hat Vorteile. Erstens führt so der Weg aus der Grauzone. Zweitens sind die Anbieter rechtlich viel schneller greifbar. Wer sich ab Juli 2021 dafür entscheidet, im Ausland zu spielen, gibt nicht nur diese Vorzüge auf. Es handelt sich dann einfach um illegales Glücksspiel. Und dieses ist nach dem Strafgesetzbuch (StGB) nicht nur für den Veranstalter strafbar. Auch die Teilnahme wird als Straftatbestand gewertet – nur, dass der Spieler in Deutschland viel eher greifbar ist.

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