Klinikumschef Geißler: "Brauchen allgemeine statt einrichtungsbezogene Impfpflicht"

21. Januar 2022 , 17:10 Uhr

Karlsruhe (lk) – Omikron ist auf dem Vormarsch – auch im Städtischen Klinikum in Karlsruhe. Die Corona-Infektionszahlen steigen rasant an, die Lage auf den Intensivstationen ist zwar unter Kontrolle, allerdings sind nun die Normalstationen deutlich stärker gefordert. Klinikumschef Michael Geißler mahnt, dass die Impfquote weiterhin deutlich zu niedrig ist.

Impfquote ist weiterhin zu niedrig

Derzeit liegt die Impfquote bei einfach Geimpften bei ungefähr 75 Prozent, bei doppelt Geimpften sogar nur bei 73 Prozent. Die Booster-Quote liegt bei unter 50 Prozent. Zu wenig, sagt der Chef des Städtischen Klinikums Karlsruhe, Michael Geißler. „Das steigt leider nur langsam an. Die Impfquote in Deutschland ist zu niedrig und nur mit Appellen kommen wir hier nicht voran. Eine Impfpflicht wäre das richtige Instrument. Weil wir wissen, dass nur die Dreifach-Impfung einen Schutz bewirkt. Die Zweifachimpfung ist bei Omikron gleichzusetzen mit einer Nicht-Impfung!“ Eine Booster-Impfung sei die einzige Möglichkeit, um sich gegen schwere Verläufe zu schützen. Omikron hat deutschlandweit inzwischen einen Anteil von über 80 Prozent.

Keine Impfung zu 100 Prozent sicher

Im Städtischen Klinikum Karlsruhe liegen aktuell 25 Covid-Patienten auf den Normalstationen, auf den Intensivstationen liegen sechs Patienten. Von den Intensivpatienten seien 28 Prozent vollständig geimpft gewesen, die restlichen 72 Prozent ungeimpft. „Das war zu erwarten. Und wenn wir nun zunehmend einen höheren Anteil an Geimpften auf den Intensivstationen haben, dann heißt das nicht, dass die Impfung nicht wirkt. Sondern wir haben aufgrund der hohen Fallzahlen und durch den höheren Anteil an Geimpften logischerweise statistisch immer mehr Impfdurchbrüche. Aber keine Impfung ist hundertprozentig sicher.“

Höhepunkt der Welle in zwei bis drei Wochen

Doch trotz der massiv steigenden Infektionszahlen, ist die Zahl der Intensivfälle im Land gesunken. „Das ist eine erfreuliche Nachricht. Aber ich traue dem Frieden noch nicht.“ Denn die Prognose bis Anfang Februar steige dramatisch an. „Das muss nicht so eintreten. Ich bin da auch skeptisch. “ Aber auch das Abwasser-Monitoring der Stadt Karlsruhe weise auf einen Anstieg der Fallzahlen in den kommenden zwei bis drei Wochen hin. „Wir werden wahrscheinlich nächste Woche die Intensivstationen wieder in die Pandemiestufe 2 zurückführen.“ Somit könnten wieder mehr Nicht-Covid-Patienten auf den Intensivstationen behandelt werden.

Allgemeine statt einrichtungsbezogene Impfpflicht

Beim Personal im Städtischen Klinikum Karlsruhe fallen aktuell 169 Mitarbeiter wegen Krankheit, Quarantäne oder Beschäftigungsverbot aus. Von einer Corona-Impfpflicht für alle Mitarbeiter im Gesundheits- und Pflegebereich, die bereits ab März greift, ist Geißler allerdings nicht erfreut: „Wir brauchen eigentlich eine komplette Impfpflicht in der Bevölkerung, um Ruhe in die Pandemie zu bekommen. Allerdings macht eine nur einrichtungsbezogene Impfpflicht mehr Probleme, als dass sie nutzt. Das sieht in Pflege- und Altersheimen anders aus. Aber wir haben so straffe Hygienekonzepte und Teststrategien, dass wir überhaupt kein Risiko einer Patientengefährdung sehen. Jeder Mitarbeiter der geht, ist bei der angespannten Personallage ein Verlust, den wir nur schlecht kompensieren können.“

Wann und ob die allgemeine Corona-Impfpflicht kommen wird steht noch in den Sternen – angedacht ist aber die Pflicht ab April oder Mai einzuführen.

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