Junge aus Mühlacker nach Panama entführt - Vater gesteht unter Tränen

27. September 2022 , 05:29 Uhr

Pforzheim (dpa) – Vor dem Amtsgericht Pforzheim hat der Prozess um eine Kindesentführung begonnen. Ein Vater soll seinen damals zehnjährigen Sohn nach Panama verschleppt haben. Der Fall sorgte Anfang des Jahres für bundesweite Schlagzeilen. Zum Prozessauftakt heute hat der Vater die Entführung als Verzweiflungstat bezeichnet und die Vorwürfe eingeräumt. Es tue ihm leid für seinen Sohn, zu dem er nun keinen Kontakt mehr habe, sagte er mit brüchiger Stimme und unter Tränen vor dem Pforzheimer Amtsgericht. Ein Urteil könnte schon heute fallen.

Zu Weihnachten verschleppt

Dem 50-Jährigen wird vorgeworfen, den inzwischen elf Jahre alten Jungen nach einem Weihnachtsurlaub bei sich in Nordrhein-Westfalen nicht zu seiner in Mühlacker lebenden Mutter zurückgebracht zu haben. Stattdessen habe er ihn kurz vor dem Jahreswechsel erst nach Belgien, dann nach Amsterdam und schließlich nach Panama gebracht, sagte der Mann. Es habe immer wieder Streit um Umgang gegeben. «Ich wollte ihn beschützen.»

Mutter wartet vergeblich

«Es war die Hölle», sagte die in Mühlacker (Enzkreis) lebende Mutter des Jungen kurz vor Beginn des Prozesses. Sie hatte Anfang Januar vergeblich am vereinbarten Treffpunkt auf ihren Sohn gewartet. «Unser Leben wird nie wieder so sein, wie es war.» Auch sie sei zweimal in Panama gewesen, um nach ihrem Sohn zu suchen. Als der Junge nicht wie ausgemacht am Treffpunkt beim Kölner Hauptbahnhof erschien, wurden Bundeskriminalamt und Interpol eingeschaltet und der Mann mit internationalem Haftbefehl gesucht. Anfang Februar wurde er in Panama festgenommen und danach nach Deutschland ausgeliefert. Das Kind ist wieder in Obhut der Mutter.

Urteil erwartet

Die Anklage lautet auf Entziehung Minderjähriger. Nach Worten eines Gerichtssprechers sind neben der Mutter noch ein psychologischer Sachverständiger und vier weitere Zeugen geladen. Ein Urteil könnte den Angaben zufolge noch am selben Tag fallen. Das hänge aber vom Verlauf der Verhandlung ab, wie es weiter hieß. Vorsorglich sei ein Ersatztermin auf den 18. Oktober bestimmt worden.

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