Karlsruhe (pm/dk) – Das Badische Landesmuseum im Karlsruher Schloss schließt seine Tore nach dieser Woche – und bleibt voraussichtlich rund zehn Jahre zu. Grund ist eine Generalsanierung, die weit mehr ist als ein „Neuanstrich“. Im Interview erklärt Dagmar Menzenbach, Leiterin des Amts Karlsruhe von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, was passiert, warum es so lange dauert – und was sich Besucherinnen und Besucher nach der Wiedereröffnung freuen können. Zum Abschied lädt das Museum am 28. September zudem zu einer außergewöhnlichen Auktion.
Die Liste ist lang – und sie betrifft vor allem das Unsichtbare im Gebäude: veraltete Technik, eine fehlende Klimaanlage, fehlende Barrierefreiheit und statische Reserven.
Also wir müssen die Mängel beheben, mit denen das Museum schon sehr, sehr lange zurechtkommen muss und das auch wirklich sehr duldsam tut. Aber die Mängel sind verschiedenster Art, sie sind vor allem technischer Art, die gesamte technische Infrastruktur muss erneuert werden. Von der Elektroversorgung bis zur Wasserversorgung, die Heizung und auch das Klima, Luftfeuchte usw. muss komplett hergestellt werden nach den Belangen des Museums. Die meisten Exponate hier sind unzumutbaren Bedingungen ausgesetzt,
so Menzenbach.
Neben der Technik geht es um zeitgemäße Museumsfunktionen: mehr Raum für Vermittlung, Veranstaltungen und digitale Formate – und um Energieeffizienz. „Natürlich sind wir dann nach Landesvorgaben damit befasst, sämtliche energetischen Verbesserungen umzusetzen, die möglich sind“
Die denkmalgeschützten Überreste aus dem 18. Jahrhundert – etwa Haupttreppenhaus, Gartensaal und Thronsaal – bleiben unangetastet. Zugleich wird die Eingangssituation neu organisiert: barrierefreier Durchgang auf der Mittelachse vom Schlossgarten zum Schlossplatz, ein aufgeräumter Foyer- und Kassenbereich, mehr Übersicht und Aufenthaltsqualität (u. a. Café, Aufzüge, geöffnete Decke für bessere Orientierung).
Viele fragen: Muss das wirklich ein Jahrzehnt sein? Ja – denn die Bauzeit ist nur ein Teil des Gesamtprojekts. Zunächst müssen hunderttausende Objekte gesichert, verpackt und verlagert werden. 2026 steht für das „Umsortieren“ und die Interimslogistik; 2027 folgen vorbereitende Maßnahmen im Haus. Die eigentliche Bauphase beginnt 2028 und ist auf sechs Jahre angelegt. Anschließend braucht das Museum Zeit für Rückumzug, Einrichtung und die Inbetriebnahme – inklusive neuer Ausstellungskonzepte.
Mehr Geld würde das nicht beschleunigen. Menzenbach sagt klar: „Nein, nein, könnte es nicht.“ Und erläutert, warum schnelle „Hochhaus-Wunder“ aus dem Ausland kein Maßstab sind: lange Planungs- und Abstimmungsphasen, EU-weit geregelte Vergaben, sehr hohe technische und gesetzliche Standards – und ein Sanierungsanteil, der buchstäblich im Verborgenen liegt. „Wir werden dieses Gebäude in weiten Teilen ertüchtigen müssen. Das sind Dinge, die man nicht sieht. Das ist die Tragwerksertüchtigung… Dafür werden auch unterirdische Erweiterungen notwendig. Also die Dinge, die gar nicht so sichtbar sind.“
Komplett „verschwinden“ wird das Landesmuseum nicht: Teile der Sammlung bleiben im Museum am Markt und in der Majolika präsent; es gibt Kooperationen (ab 2026 u. a. in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden) und die Dependance im Schloss Bruchsal. Im Oktober soll außerdem ein Blog folgen, in dem das Landesmuseum regelmäßig Einblicke in das Schloss gibt.
Zum Abschied aus dem Schloss veranstaltet das Badische Landesmuseum eine öffentliche Auktion von Ausstattungs- und Deko-Elementen, die die Ausstellungen über Jahre geprägt haben – Unikate, teils speziell für Karlsruhe angefertigt.
Los geht es am Sonntag, 28. September, um 18:00 Uhr im Gartensaa. Wer mitbieten möchte, sollte sich bestenfalls vorab per Mail bis 25. September an auktion@landesmuseum.de melden, ansonsten am Auktionstag ab 15 Uhr vor Ort (mit Personalausweis).
Römische Liege (Kline) – nach antiken Vorbildern (Mahdia-Wrack), liebevoll mit Pferdeköpfen verziert. Startgebot: 1.000 €.
Großer Olivenbaum (echt/künstlich kombiniert) aus der Mykene-Schau, ca. 3 m hoch. Startgebot: 500 €.
Designer-Drehstühle aus „Ich, Karl Wilhelm“ (Turmzimmer), 600 € pro Paar.
Holz-Latrine (Mittelalter-Abteilung; natürlich nur demonstrativ genutzt): ab 50 €.
Lebensechte Karl-Wilhelm-Figur (Thermoplast/Silikon, Glasaugen, handgestochene Wimpern, Perücke aus Büffelhaar): ab 3.500 €.
Außerdem: rustikales Holzfass („Römer am Oberrhein“), Biedermeier-Kostüme, dekorative Wandbehänge, massive Steinsockel, Modell einer ägyptischen Feluke u. v. m.