Zecken - Überlebenskünstler mit Risikofaktor

21. April 2026 , 04:13 Uhr
Zecken sind nicht nur lästige Blutsauger, ihr Stich kann uns auch krank machen. Jetzt im Frühjahr sind sie besonders aktiv. Beim Picknick im Park, bei der Gartenarbeit oder beim Waldspaziergang kann man sich schnell eine Zecke einfangen. Wie Ihr euch davor schützen könnt und sonst noch über die kleinen Spinnentiere wissen solltet:

Gibt es eine Zecken-Hauptsaison?

Zecken sind wegen der Klimaerwärmung inzwischen nahezu ganzjährig aktiv. «Man muss den Großteil des Jahres über Obacht geben. Solange kein Schnee liegt, muss man eigentlich mit Zecken rechnen», sagt der Zecken-Experte Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Wenn die Temperaturen nachts nicht mehr unter null Grad und tagsüber über 5 bis 7 Grad liegen, seien Zecken aktiv.

Die häufigste Zeckenart in Deutschland ist nach Angaben der Parasitologin Ute Mackenstedt von der an der Universität Hohenheim in Stuttgart der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Diese Zeckenart sei auch diejenige, die hauptsächlich Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose auf den Menschen übertrage. «Die zweithäufigste Zeckenart ist die Auwaldzecke, die manchmal mit den FSME-Viren infiziert ist, aber den Menschen viel seltener befällt.»

«Die Hauptsaison beginnt eigentlich jetzt, wo es wärmer wird und die Luftfeuchtigkeit noch relativ hoch ist», betont Dobler. Im Hochsommer sei der Holzbock dagegen deutlich weniger aktiv. «Die Untersuchungen seit vielen Jahren zeigen, dass wir im Juli und August 5 Prozent, maximal 10 Prozent der Aktivität haben, die wir im Mai und Juni sehen.»

Stechen nur die erwachsenen Zecken?

Zecken brauchen laut Dobler in allen Entwicklungsstadien – also als Larven, Nymphen und erwachsene Tiere – Blut, um zu überleben. «Grundsätzlich können auch die Larven Menschen stechen, das ist aber eher selten», sagt Dobler. Normalerweise übertragen diese ihm zufolge keine Krankheitserreger. «Die überwiegende Zahl der Infektionen wird durch Nymphen und adulte Tiere verursacht.»

Von den erwachsenen Zecken wiederum stechen nur die Weibchen, die das Blut für die Entwicklung der Eier brauchen, sagt Dobler. Diese seien ungefähr einen halben Zentimeter groß und an ihrer rotbräunlichen Färbung zu erkennen. Die Männchen seien dagegen kleiner und komplett schwarz. Die Nymphen seien mit unter einem Millimeter noch einmal deutlich kleiner.

Wieso gelten Zecken als Überlebenskünstler?

«Bernsteinfunde deuten an, dass es die Zecken bereits seit über 300 Millionen Jahre gibt und sie bereits Blut an Dinosauriern gesaugt haben», sagt Mackenstedt. Zecken können extrem lange hungern. Der erwachsene Holzbock komme zum Beispiel ein bis zwei Jahre ohne Blutmahlzeit aus. «Viele Arten halten auch extreme Temperaturen aus.»

Zecken nehmen nach Angaben des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Borreliose-Erreger oder FSME-Viren auf, wenn sie an infizierten Wirten wie kleinen Nagetieren oder Vögeln Blut saugen. Die Erreger siedeln sich in der Zecke an und können bei einem Stich auf den Menschen übertragen werden.

So äußert sich Borreliose

Bei Borreliose verlaufen die meisten Infektionen unbemerkt. Wenn Symptome auftreten, sind diese je nach befallener Körperregion – Haut, Gelenke, Nervensystem, Herz – vielfältig und selten eindeutig. Typisch ist die sogenannte Wanderröte, ein roter Ring, der sich meist um die Einstichstelle bildet und ausbreitet. Auch eine Schwellung und rötlich-violette Verfärbung der Haut können auf Borreliose hinweisen. Die Krankheit wird von Bakterien ausgelöst. Gegen diese gibt es keine Impfung. Borreliose kann aber insbesondere im Frühstadium mit Antibiotika behandelt werden.

So äußert sich FSME

FSME ist viel seltener als Borreliose. Eine Erkrankung beginnt oft mit grippeartigen Symptomen und kann einen schweren Verlauf nehmen – etwa Entzündungen des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks, wie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) informiert. In etwa einem Prozent der Fälle endet eine Erkrankung tödlich. FSME wird von Viren verursacht. Gegen die Erkrankung kann man sich impfen lassen.

Todesfälle und schwere Verläufe

2024 starben 24 Menschen an den Folgen eines Zeckenstichs, wie es in einer aktuellen Mitteilung des Statistischen Bundesamtes heißt. 15 Menschen hatten Borreliose, 9 FSME.

Im Krankenhaus behandelt werden mussten wegen Borreliose rund 4.830 Menschen. Das sei weniger als im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2024, in denen es im Schnitt knapp 6.270 waren. Wegen FSME wurden 2024 knapp 850 Menschen im Krankenhaus behandelt – deutlich mehr als im Schnitt der Jahre 2004 bis 2024 mit durchschnittlich 490 Betroffenen.

Die FSME-Impfung

Laut BIÖG ist eine Impfung zum Start der Zeckensaison sinnvoll. Bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung bestehe bei den meisten Geimpften ein Schutz, der für die laufende Saison ausreichend sei. Empfohlen wird die Impfung Menschen, die in einem FSME-Risikogebiet leben und Zecken potenziell ausgesetzt sind oder in ein entsprechendes Gebiet reisen, auch außerhalb Deutschlands. Außerdem gilt die Empfehlung für bestimmte berufliche Gruppen, etwa aus der Forst- oder Landwirtschaft.

Das sind die Risikogebiete

Vor allem Baden-Württemberg, Bayern, das südliche Hessen, das südöstliche Thüringen, Sachsen und das südöstliche Brandenburg sind FSME-Risikogebiete. Hinzu kommen einzelne Kreise in fünf weiteren Bundesländern, die betroffen sind. Nach Angaben des BIÖG wächst die Zahl der Risikogebiete weiter. Dieses Jahr sind ein Gebiet in Sachsen und eines in Sachsen-Anhalt hinzugekommen.

Wie sollte man sich schützen?

Dobler empfiehlt lange, helle Kleidung, auf der man die Zecken gut sieht. Außerdem sollte man die Hosenbeine in die Strümpfe stecken. Auch zeckenabweisende Mittel auf Kleidung und unbedeckter Haut können laut dem LGL schützen.

Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte man sich unbedingt intensiv absuchen, betont Dobler. «Die Zecken stechen nicht sofort, sondern krabbeln meistens zwei bis vier Stunden auf dem Körper und suchen sich eine geeignete Stelle.» Außerdem dauere es eine Zeit, bis sich die Zecken mit ihren Mundwerkzeugen durch die Haut gearbeitet und darin mit ihrem Stachel festgesetzt hätten.

Wer eine Zecke bei sich entdeckt, sollte diese so schnell wie möglich entfernen, denn das kann eine Übertragung der Borreliose-Erreger verhindern. Diese befänden sich im Magen der Zecke und verwandelten sich, wenn die Zecke Blut sauge, sagt Dobler. Deshalb würden diese erst nach etwa 24 Stunden übertragen.

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