Karlsruhe (pm/dk) – Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup wehrt sich gegen die Kritik des Bundes der Steuerzahler an den geplanten World Games 2029. Im Schwarzbuch 2026 wird die Veranstaltung wegen der hohen öffentlichen Kosten und der angespannten Haushaltslage der Stadt kritisch bewertet. Mentrup hält diese Darstellung für zu einseitig und verweist auf langfristige Effekte für Karlsruhe.
Die geplanten World Games 2029 in Karlsruhe sind einer der baden-württembergischen Fälle im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler.
Der Verband kritisiert, dass Karlsruhe trotz angespannter Finanzlage ein internationales Sportgroßereignis ausrichtet. Nach seinen Angaben sollen für die World Games insgesamt knapp 111 Millionen Euro an Steuermitteln bereitgestellt werden. Die Gesamtkosten beziffert der Verband auf rund 120 Millionen Euro.
Mehr als 4.000 Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt sollen in rund 30 nicht-olympischen Sportarten antreten.
Oberbürgermeister Frank Mentrup weist den Vorwurf der „Steuerverschwendung“ zurück. Er betont, dass die Kritik an dem Großereignis auch in Karlsruhe selbst Teil der politischen Diskussion gewesen sei.
„Dennoch hat sich der Gemeinderat nach intensiver Befassung und Debatte zweimal positiv für die World Games entschieden.“
Den Begriff der „Steuerverschwendung“ bezeichnet Mentrup als „anmaßend“ und wirft dem Steuerzahlerbund vor, die Abwägungen hinter der Entscheidung nicht ausreichend zu berücksichtigen.
Ein wichtiger Punkt in Mentrups Argumentation ist die Finanzierung des städtischen Anteils.
„Da der Anteil der Stadt für das Budget der World Games über den Investitionshaushalt finanziert wird, steht er z.B. in Konkurrenz mit der Sanierung eines mittelgroßen Schulgebäudes, nicht aber mit einer Einschränkung der laufenden Ausgaben z.B. für den Betrieb der sozialen oder kulturellen Infrastruktur, für Personal oder städtische Dienstleistungen.“
Damit widerspricht er der Vorstellung, dass die World Games unmittelbar zulasten des laufenden Betriebs anderer städtischer Angebote gehen.
Mentrup verweist außerdem auf die aus seiner Sicht langfristigen Effekte eines solchen Großereignisses. Neben der internationalen Aufmerksamkeit für Karlsruhe nennt er insbesondere eine mögliche identitätsstiftende Wirkung für Stadt und Region.
Dabei zieht er Parallelen zu früheren Großereignissen: „Neben dem 10-tägigen Sportevent mit internationaler Strahlkraft für Karlsruhe, Baden-Württemberg und Deutschland überzeugte den Gemeinderat die Chance auf eine hohe identitätsstiftende Wirkung dieses Events auf die Gesellschaft in Stadt und Region, wie es sich schon nach den World Games 1989 und dem 300. Stadtgeburtstag 2015 in großer Nachhaltigkeit gezeigt hat.“
Nach Angaben des Oberbürgermeisters gibt es bereits Anfragen an die Stadt für weitere Sportveranstaltungen, Konferenzen und Investitionen in Sportanlagen.
Darin sieht Mentrup ein Zeichen dafür, dass die World Games auch wirtschaftliche Effekte für Hotellerie, Gastronomie und Infrastruktur auslösen könnten.
Die Kritik des Steuerzahlerbunds, positive Effekte würden vor allem während der Veranstaltung entstehen und anschließend schnell verpuffen, hält Mentrup deshalb für nicht überzeugend.