Das West-Nil-Virus wird laut Robert Koch-Institut (RKI) hauptsächlich von Stechmücken zwischen wildlebenden Vögeln übertragen. Die Mücken können aber auch Menschen und andere Säugetiere infizieren. Etwa 20 Prozent der Menschen, die sich mit dem West-Nil-Virus anstecken, entwickeln West-Nil-Fieber – eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Nur etwa jede 100. infizierte Person erkrankt schwer. Das West-Nil-Fieber heilt in der Regel komplikationslos aus, schreibt das RKI. Nur bei schwer erkrankten Patienten seien Spätfolgen relativ häufig.
Das Ministerium betont: «Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet im alltäglichen Kontakt nicht statt.» Demnach wurde das Virus bereits 2024 in Vögeln und Pferden in Baden-Württemberg festgestellt. «Es ist nicht überraschend, dass das West-Nil-Virus nun erstmals auch bei Menschen in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde», sagte Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne) laut der Mitteilung. «Nach aktueller Bewertung des Landesgesundheitsamts besteht derzeit aber kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung.»
Das Ministerium machte zunächst keine Angaben zu den beiden infizierten Personen, weder zu Alter und Geschlecht noch zum gesundheitlichen Zustand. Daher ist nicht klar, ob sie schwerer erkrankt sind oder nicht.
Lokal erworbene West-Nil-Infektionen sind in Deutschland laut Ministerium seit 2019 bekannt. Sie seien zunächst überwiegend in ostdeutschen Bundesländern festgestellt worden, hieß es weiter. In diesem Jahr wurden demnach bis zum 7. Oktober vier Fälle dokumentiert: zwei in Berlin und jeweils einer in Sachsen und Rheinland-Pfalz.
Eine spezifische antivirale Behandlung oder eine für Menschen zugelassene Impfung steht derzeit laut Ministerium nicht zur Verfügung. Der beste Schutz ist damit der Schutz vor Mückenstichen während der Stechmückensaison generell. «Dazu eignen sich beispielsweise Mückenschutzmittel, lange, helle und weite Kleidung sowie Mückenschutzgitter an Fenstern und Türen», empfiehlt das Landesgesundheitsamt laut Ministerium.
Zudem sollten mögliche Brutstätten von Stechmücken im eigenen Garten oder auf dem Balkon vermieden werden. Dazu gehört etwa das Umdrehen von Untersetzern und Übertöpfen im Garten, damit sich dort kein Regenwasser sammelt – Brutstätten für Stechmücken.
Ärztinnen und Ärzte sollten laut Ministerium während der Stechmückensaison bei unklarem Fieber oder neurologischen Erkrankungen eine mögliche West-Nil-Infektion in Betracht ziehen. Bei entsprechendem Verdacht sollten geeignete Laboruntersuchungen veranlasst werden.
Das West-Nil-Virus stammt laut Friedrich-Loeffler-Institut ursprünglich aus Afrika. Es wurde demnach erstmals 1937 im West-Nil-Distrikt in Uganda festgestellt. In Europa sei es erstmals Anfang der 1960er Jahre in Frankreich aufgetreten.