Weniger Vögel im Garten: NABU macht sich Sorgen um die Spatzen

27. Mai 2026 , 06:08 Uhr

Baden-Württemberg (pm/dk) – Die neue „Stunde der Gartenvögel“ zeigt ein gemischtes Bild für Baden-Württemberg: Während der NABU bei den Finken vorsichtig aufatmet, bereiten die Spatzen weiter Sorgen. Vor allem in den Städten werden weniger Haussperlinge gezählt.

Mehr als 97.000 Vögel im Südwesten gemeldet

Bei der 22. „Stunde der Gartenvögel“ haben in Baden-Württemberg 5.300 Vogelfreundinnen und Vogelfreunde mitgemacht. Sie meldeten vom 8. bis 19. Mai mehr als 97.000 Vögel aus 3.600 Gärten.

Im Vergleich zum Vorjahr haben weniger Menschen an der Mitmachaktion teilgenommen. Auch die Zahl der Vogelsichtungen ging zurück.

„Im dritten Jahr in Folge wurden mit durchschnittlich nur 26,9 weniger als 30 Vögel je Garten gezählt“, sagt Dr. Stefan Bosch, Fachbeauftragter des NABU Baden-Württemberg für Vögel.

Diese Vögel wurden am häufigsten gezählt

Unter den Top 10 der meistgezählten Vogelarten in Baden-Württemberg waren:

Haussperling, Amsel, Kohlmeise, Star, Blaumeise, Elster, Feldsperling, Mauersegler, Rabenkrähe und Mehlschwalbe.

Auf Platz eins liegt weiter der Haussperling, der vielen besser als Spatz bekannt ist. Landesweit wurden 4,5 Haussperlinge pro Garten gezählt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das aber ein Minus von sieben Prozent.

Spatzen fehlen Nistplätze und Insekten

Der Rückgang bei den Spatzen ist laut NABU schon seit Jahren zu beobachten. Auch bundesweit zeigt sich ein Minus von neun Prozent.

„Diese typische Stadtvogelart brütet immer weniger in den Ballungsräumen“, so Stefan Bosch.

Besonders schlecht fielen die Ergebnisse demnach in Heilbronn und Stuttgart aus. Inzwischen gebe es mehr Spatzen im Schwarzwald als in Großstädten. Eine positive Ausnahme ist Freiburg: Dort wurden sechs Spatzen pro Garten gezählt, der beste Wert in Baden-Württemberg.

Dem Haussperling fehlen laut NABU, wie anderen Gebäudebrütern auch, Nistplätze und Insektennahrung für die Aufzucht der Jungen.

Aufatmen bei den Finken

Bei den Finken gibt es dagegen vorsichtig bessere Nachrichten. Die aktuellen Ergebnisse zeigen laut NABU keinen Hinweis auf eine neue Infektionswelle durch Trichomonaden.

Die häufigste Finkenart in Siedlungen in Baden-Württemberg ist der Buchfink. Er kam auf 0,5 Vögel pro Garten. Besonders im Alb-Donau-Kreis und am Bodensee legte er zu.

Bundesweit wurde beim Buchfinken im Vergleich zum Vorjahr sogar ein Plus von 14 Prozent bei den Sichtungen gezählt.

Der Grünfink bleibt dagegen auf niedrigem Niveau. Die besten Werte in Baden-Württemberg gab es in den Landkreisen Sigmaringen, Biberach und im Enzkreis. Bundesweit hat sich die Zahl gemeldeter Grünfinken seit 2023 nahezu halbiert.

Mauersegler weniger gezählt, Alpensegler legt zu

Auch bei den Mauerseglern gab es einen deutlichen Rückgang. Trotz guter Wetterbedingungen für Segler gingen die Zahlen nach einem Plus im Vorjahr wieder zurück.

Hochburgen der Mauersegler in Baden-Württemberg sind Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und Pforzheim.

Erfreulich ist für den NABU dagegen die Entwicklung beim Alpensegler. „Diese Art breitet sich nordwärts aus, hohe Zahlen erreicht Baden-Württemberg als einziges Bundesland mit Vorkommen in Südbaden, Karlsruhe und Stuttgart“, sagt Bosch.

Bundesweit fast 56.000 Menschen dabei

Deutschlandweit haben fast 56.000 Menschen bei der diesjährigen Vogelzählung mitgemacht. Aus mehr als 38.000 Gärten wurden weit über eine Million Vögel gemeldet.

Die „Stunde der Gartenvögel“ ist eine Mitmachaktion des NABU und seines bayerischen Partners LBV, dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz.

Die nächste Vogelzählung ist die „Stunde der Wintervögel“ vom 8. bis 10. Januar 2027.

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