Baden-Württemberg (dpa/tk) – Niedrigwasser sorgt aktuell für Probleme. Doch das soll in Zukunft häufiger vorkommen. Was kann Natur und Schifffahrt helfen?
Genau darin sieht die BfG einen wichtigen Ansatz. Denn: Den Experten zufolge ändert sich die gesamte Wasserressource, die Deutschland pro Jahr zur Verfügung steht, kaum – sie könnte sogar leicht zunehmen. Im Winter regnet es im Schnitt mehr, als im Sommer verdunstet.
Wasser könne in technischen Speichern eingelagert und damit «zeitlich umverlagert» werden, so der Experte. Das ginge zum Beispiel mit Stauseen. Das sei auch deshalb wichtig, weil andere Wasserspeicher, wie beispielsweise Eis und Schnee, aufgrund der steigenden Lufttemperaturen langfristig kleiner werden beziehungsweise ganz verloren gehen könnten.
Möglich seien aber auch natürliche Lösungen, etwa mehr Wasser im Boden zu halten. Wie sogenannte «Schwammlandschaften» konkret wirken können, ist nach Angaben der BfG noch Gegenstand von Forschungsarbeiten.
Auen, Seitenarme und andere natürliche Flächen können nach Ansicht des Naturschutzbunds Nabu eine wichtige Rolle spielen. «Intakte Ökosysteme wirken wie ein Schwamm. Sie halten Wasser zurück und geben es in Trockenzeiten langsam wieder ab», erklärt Nabu-Pressesprecher Jérôme Lombard.
Dafür sollten Flüsse wieder mehr Raum bekommen, Flussläufe renaturiert werden, Auen erneut angebunden und Moore geschützt werden. «Das macht Flüsse und Landschaften widerstandsfähiger gegenüber den Folgen der Klimakrise», so Lombard.
Der Nabu sieht in der aktuellen Krise auch einen Zusammenhang mit früheren Eingriffen. Flüsse seien über Jahrzehnte vor allem als Verkehrswege betrachtet und technisch für den Wasserabfluss und die Schifffahrt optimiert worden. Gleichzeitig seien Moore entwässert, Böden versiegelt und natürliche Wasserspeicher zerstört worden.
Für die Schifffahrt: rechnerisch ja. Gegen das Niedrigwasser selbst: wohl kaum.
Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) fordert unter anderem eine Verbesserung der Fahrrinne am Mittelrhein. Diese sei bereits nach dem Niedrigwasserjahr 2018 in einem Aktionsplan von Bund, Schifffahrt und Industrie festgehalten worden.
Zwischen St. Goar und Budenheim sollte die Fahrrinne demnach um 20 Zentimeter optimiert werden. Der Abschnitt gilt nach Angaben des Verbandes als Engpass für die Schifffahrt. Das könnte bei niedrigen Wasserständen einen konkreten Vorteil bringen: Nach Angaben des BDB könnten Binnenschiffe dort rund 200 bis 250 Tonnen mehr Ladung aufnehmen. Die Planungen liefen, im Bau sei die Verbesserung aber noch nicht.
Aus Sicht des Nabus sind Naturschutz und Schifffahrt keine Gegensätze. Auch die Wirtschaft sei auf stabile und funktionsfähige Flüsse angewiesen. «Der Klimawandel zeigt aber, dass wir die natürlichen Grenzen unserer Gewässer stärker berücksichtigen müssen», sagt der Sprecher.
Seit dem Niedrigwasserjahr 2018 sind nach Angaben des BDB mehr niedrigwasseroptimierte Schiffe unterwegs. Sie haben weniger Tiefgang und können deshalb auch bei niedrigeren Wasserständen fahren.
Der BDB fordert, den Umbau von Schiffen weiter zu fördern. Ein entsprechendes Förderprogramm des Bundesverkehrsministeriums müsse erhalten bleiben. Der Verband kritisiert geplante Kürzungen der dafür vorgesehenen Mittel ab 2027.