Per Ausnahmegenehmigung hat das Ministerium wenigen Spezialisten erlaubt, den Rüden mit der Bezeichnung GW2672m zu erschießen. Er ist einer von derzeit nur vier Wölfen, die in Baden-Württemberg als sesshaft gelten.
Das Tier habe untypisches Verhalten gezeigt und sich mehrfach Menschen und Hunden genähert, erklärte ein Ministeriumssprecher. Zudem habe ein Wolfstourismus begonnen. Menschen hätten versucht, den Wolf gezielt anzulocken – auch um Fotos machen zu können. Darum sei die Entscheidung zum Schutz der Gesundheit von Menschen getroffen worden.
Das Ministerium erklärt das mit der sogenannten Ranzzeit, also der Phase der Fortpflanzungsbereitschaft. Diese gehe bis März, erklärte der Sprecher. In dieser Zeit nähere sich der Wolf Hunden und Menschen bis auf wenige Meter. In der Ausnahmegenehmigung ist von dringendem Handlungsbedarf wegen einer konkreten Gefährdung die Rede. Sie ist zunächst bis 10. März befristet.
Der Landesjagdverband hinterfragte in einer Mitteilung unter der Überschrift «Wolfsabschuss in Wahlkampfzeiten?», ob «die politische Entscheidung der Umweltministerin Thekla Walker auf einer rein fachlich fundierten Wissensbasis anerkannter Wildbiologen beruht». FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke wurde deutlicher und verwies darauf, dass sich Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir für den Abschuss von Problemwölfen ausgesprochen hatte. «Der Wolf GW2672 wird so als Opferlamm für Özdemirs Wahlkampf in die Geschichte eingehen.»
Deren Landtagsabgeordneter und Wolfs-Experte Markus Rösler sagte, der Zeitraum sei allein durch die Paarungszeit begründet und habe nichts mit dem Wahlkampf zu tun. Von Januar bis März seien Rüden hinter Fähen – also Weibchen – her. Und dieser Wolf verfolge leider auch Hunde. Mit denen solle er sich aber nicht vermehren. «Das ist ein harter Fakt. Bei einer Paarung von Wolf und Hund entstehende Hybridwölfe müssten sowieso abgeschossen werden», sagte der Grünen-Politiker. Dass nicht vergangenes Jahr schon eingegriffen wurde, erklärte Rösler damit, dass das Verhalten von GW2672m zunächst beobachtet wurde. «Jetzt ist er Wiederholungstäter.»
Beim Landesbauernverband waren Özdemir und CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel vergangenes Jahr aneinandergeraten als es um den Umgang mit Wolf, Biber und Co. ging. «Da hilft Schrot und Blei», sagte Hagel, der selbst Jäger ist. Özdemir entgegnete, er habe sich als Bundeslandwirtschaftsminister in Brüssel dafür eingesetzt, dass der Schutzstatus des Wolfes gesenkt wurde. «Ich halte Versprechen, die die Schwarzen geben», sagte er.
Auf politischer Ebene wird im Landtag über Änderungen des Jagdrechts in Baden-Württemberg debattiert. Dass Umweltministerin Walker genau einen Tag vor der Beratung den Wolf zum Abschuss freigegeben hat, ist aus Rülkes Sicht kein Zufall.
Der Kadaver muss laut der Ausnahmegenehmigung geborgen und unverzüglich der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt BW übergeben werden. Diese prüfe, ob es sich bei dem getöteten Tier zweifelsfrei um GW2672m handelt.
Zumindest gibt es im Internet eine Petition. Auf der Seite www.change.org werden unter der Überschrift «Kein Abschuss von Wolf GW2672m im Schwarzwald!» Stimmen gesammelt.
Laut Ministerium ja, aber ohne Erfolg. Als Fangmethoden stehen dem Sprecher zufolge Kastenfallen, Fußfallen und Narkosegewehre zur Verfügung. Nach mehreren erfolglosen Einsätzen von Kasten- und Fußfallen habe der Wolf etwa in Situationen, in denen er Hunden folgte, betäubt werden sollen. «Alle Methoden führten 2024/2025 nicht zum Erfolg einer Besenderung und Wiederaussetzung des Tieres.» Dann hätte man das Tier orten und gezielt aus der Nähe von Menschen vertreiben können – damit es lernt, diese zu meiden.