Stuttgart (dpa/tk) – Die frühere Kanzlerin soll Baden-Württembergs höchste Auszeichnung erhalten – und das für ein nicht unumstrittenes Politikfeld.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zeichnet die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag (18.00 Uhr) mit der Staufermedaille in Gold aus. Damit erhält die 71-Jährige nicht nur den höchsten Orden des Landes Baden-Württemberg – obwohl sie in einem anderen politischen Lager angehört. Merkel erhält ihn explizit für «ihren herausragenden politischen Einsatz während der Corona-Pandemie», wie das Staatsministerium mitteilte.
Auch sonst ist die Wertschätzung Kretschmanns für die Ex-Kanzlerin seit Langem bekannt. Merkel hatte ihn erst im Mai in der Villa Reitzenstein besucht. «Ein besonderer Austausch, geprägt von gegenseitigem Respekt und langjähriger Vertrautheit», sagte der langjährige Ministerpräsident danach. Kretschmann konnte und kann mit Merkel deutlich besser als mit ihrem Nachfolger, Ex-Kanzler Olaf Scholz. In der Flüchtlingskrise erklärte der heute 77-Jährige öffentlich, dass er für Merkel bete.
Kretschmann hatte die «große Leistung» Merkels als Kanzlerin bereits kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit als historisch gelobt: «Wir werden über die Jahre von 2005 bis 2021 einmal als Ära Merkel reden – ähnlich wie bei den Kanzlerschaften von Konrad Adenauer und Helmut Kohl». Mit Blick auf die großen Krisen in ihrer Kanzlerschaft schrieb der Gründe, der selbst als wertkonservativ gilt, damals: «Sie hat das Land als Lotsin erfolgreich durch die Untiefen der Zeit gesteuert. Das allein ist eine große Leistung, mit der sie eine Ära geprägt hat».