Region (pm/dk) – Während im Fernsehen gerade wieder Kandidatinnen und Kandidaten im Dschungelcamp vor laufender Kamera vor „ekligen Essensprüfungen“ zurückschrecken, sieht die Realität ganz anders aus. Insekten stehen längst nicht mehr nur für Mutproben, sondern immer häufiger für leckere, gesunde und umweltfreundliche Lebensmittel. Ein Unternehmen arbeitet genau daran, dieses Image zu verändern.
Florian Berendt, Agraringenieur und Gründer der Firma entosus, stellt seit mehreren Jahren Lebensmittel aus Insekten her. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Grillen, genauer gesagt auf Heimchen.
„Wir selber züchten vor allem bei uns selbst Grillen, also Heimchen, die Acheta domesticus, und stellen daraus verschiedenste Lebensmittel her“, erklärt Berendt. Das Sortiment ist inzwischen breit: Über 30 verschiedene Produkte bietet entosus an. Dazu gehören Riegel und Shakes für Sportler, aber auch Fleischersatzprodukte wie Grillen-Hack, Chili con Grilli, Grillognese oder sogar eine Streichwurst, die „im Prinzip vergleichbar mit einer Leberwurst im Glas“ ist.
Weltweit werden rund 2000 Insektenarten als Lebensmittel genutzt – aber eben nicht alle.
„Man kann nicht jedes Insekt essen, weil es gibt ja auch schon welche, die giftig sind“, sagt Berendt. Von wilden Insekten rät er dringend ab, da diese Parasiten oder Krankheiten übertragen können.
Bei entosus stammen die Tiere ausschließlich aus kontrollierter Zucht. Getötet werden sie durch Einfrieren. „Das ist nachgewiesen die schonendste Art und Weise, weil Insekten wechselwarme Tiere sind“, erklärt der Gründer. Anschließend werden sie blanchiert und je nach Produkt weiterverarbeitet.
Wer jetzt an ganze, zappelnde Tiere denkt, liegt nur teilweise richtig.
„Wir haben verschiedenste Sachen im Angebot“, sagt Berendt. Neben ganzen getrockneten Insekten, etwa mit Chili oder Knoblauch gewürzt, werden viele Produkte stark verarbeitet. Für Riegel oder Shakes werden die Insekten getrocknet und zu Mehl vermahlen, für Streichwürste gekocht und püriert.
Eine der häufigsten Fragen: Schmeckt das überhaupt?
Berendt bleibt ehrlich: „Wenn man mich jetzt fragt, wie eine Grille schmeckt, dann würde ich sagen: schmeckt nach Grille.“ Der Geschmack sei leicht nussig und umami, je nach Zubereitung erinnere er manche an Kürbiskerne, Nüsse oder sogar Shrimps.
Besonders angetan ist er von Heuschrecken: „Die haben einen sehr grasigen Geschmack. Die schmecken so ein bisschen wie frisch gemähtes Heu riecht.“
Neben dem Geschmack sprechen vor allem gesundheitliche und ökologische Vorteile für Insekten.
„Insekten enthalten alle essentiellen Aminosäuren“, erklärt Berendt. Sie sind laktosefrei, reich an Vitamin B12, B2, Magnesium und Calcium und damit ein hochwertiges Protein – vergleichbar mit Fleisch.
Auch fürs Klima sind sie deutlich besser als Rind, Schwein und Co.:
„Im Vergleich zu Rindfleisch brauchen sie 15.000-mal weniger Wasser, achtmal weniger Futter“, so Berendt. Beim Treibhausgas-Ausstoß entstehe gerade einmal rund ein Prozent im Vergleich zu einem Kilo Rindfleisch.
Sind Insekten also die Zukunft – auch für Vegetarier? Das sieht Berendt differenziert.
Für Menschen, die aus Umweltgründen auf Fleisch verzichten, könne es eine Alternative sein. Für überzeugte Veganer hingegen nicht.
„Wenn man sagt, man will nicht, dass ein Tier für einen stirbt, dann ist es definitiv nichts“, sagt er offen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Insekten kein zentrales Nervensystem haben und vermutlich weniger schmerzempfindlich sind als Säugetiere.
Ein Gerücht hält sich hartnäckig: Insekten würden heimlich unter Lebensmittel gemischt.
„Das ist nicht so“, stellt Berendt klar. Insekten müssten immer klar gekennzeichnet werden – mit deutschem und lateinischem Namen sowie der Verarbeitungsform. „Es macht für uns keinen Sinn, sie irgendwo unterzumischen, weil sie ein sehr hochwertiges, hochpreisiges Produkt sind“, sagt er.
Was im Dschungelcamp noch als Mutprobe verkauft wird, könnte in Zukunft ganz selbstverständlich auf unseren Tellern landen. Insekten brauchen wenig Platz, schonen das Klima, liefern wertvolle Nährstoffe – und schmecken besser, als viele denken.
Ihr schlechtes Image? Das haben sie offenbar nicht verdient.