Karlsruhe (pm/tk) – Wegen der stockenden Tarifverhandlungen ruft die Gewerkschaft ver.di am morgigen Freitag, 25. September, zu einem ganztägigen Warnstreik bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) auf. Im AVG-Netz rund um Karlsruhe und Heilbronn kann es deshalb zu Einschränkungen und Fahrtausfällen kommen. Wie groß die Auswirkungen sein werden, ist derzeit noch unklar.
Ver.di hat die Beschäftigten der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft für Freitag zu einem ganztägigen Warnstreik im gesamten von der AVG betriebenen Liniennetz aufgerufen.
Nach Angaben der AVG lässt sich derzeit noch nicht verlässlich abschätzen, in welchem Umfang der Stadtbahnbetrieb betroffen sein wird. Fahrgäste müssen sich deshalb auf mögliche Ausfälle und Einschränkungen einstellen.
Nicht betroffen sind die Beschäftigten der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK). Das gilt auch für die Linie S2.
Da sich der Warnstreik gegen die AVG richtet, können theoretisch zahlreiche Stadtbahnlinien in der Region betroffen sein. Welche Fahrten tatsächlich ausfallen, steht allerdings noch nicht fest.
Dazu gehören:
Die S2 zwischen Rheinstetten, Karlsruhe und Blankenloch ist dagegen vom Warnstreikaufruf nicht betroffen, da die Beschäftigten der Verkehrsbetriebe Karlsruhe nicht zum Streik aufgerufen sind.
Wer am Freitag mit einer AVG-Linie unterwegs sein möchte, sollte sich unmittelbar vor Fahrtantritt informieren, ob die gewünschte Verbindung fährt.
Aktuelle Informationen zu möglichen Ausfällen gibt es in der elektronischen Fahrplanauskunft der AVG, in der KVV.regiomove-App sowie über die digitalen Auskunftsmedien.
Grund für den Warnstreik sind die laufenden Verhandlungen zum bundesweiten Eisenbahntarifvertrag (ETV). Bei der AVG sind rund 1.000 Beschäftigte von der Tarifrunde betroffen.
Der ETV gilt bundesweit für Beschäftigte von mehr als 30 Verkehrsunternehmen. Insgesamt betrifft die Tarifrunde knapp 6.000 Beschäftigte.
Warnstreiks hatte es in dieser Tarifrunde bereits in den vergangenen beiden Wochen bei der SWEG gegeben.
Beim ersten Verhandlungstermin am 13. August wurde nach Angaben der Gewerkschaft von Arbeitgeberseite kein Angebot vorgelegt. Auch die zweite Runde am 31. August endete ohne Einigung.
Ver.di fordert eine Erhöhung der Monatsentgelte um 6,5 Prozent, für Auszubildende zusätzlich 100 Euro monatlich sowie eine jährliche Sonderzahlung von 650 Euro ausschließlich für ver.di-Mitglieder. Die geforderte Laufzeit beträgt zwölf Monate.
Das Angebot der Arbeitgeber sieht laut Gewerkschaft bei einer Laufzeit von 28 Monaten eine Einmalzahlung von 270 Euro vor. Die Entgelte sollen demnach zum 1. Dezember 2026 um 2,8 Prozent und zum 1. Januar 2028 um weitere 2,2 Prozent steigen.
Neben den Entgelten wird auch über den Manteltarifvertrag gestritten. Ver.di kritisiert insbesondere geplante Veränderungen beim Kündigungsschutz für langjährig Beschäftigte.
Frederike DeCoite von ver.di Baden-Württemberg erklärt: „Seit der letzten Gehaltserhöhung sind die Tankkosten für ihr Auto, das die Fahrerinnen und Fahrer brauchen, um pünktlich zur ersten Schicht zu kommen und nach Mitternacht wieder nach Hause, regelrecht explodiert. Die Beschäftigten brauchen jetzt zügig eine angemessene Steigerung ihrer Einkommen. Was viele besonders verbittert, ist das Ziel der Arbeitgeber, den besonderen Kündigungsschutz für langjährig Beschäftigte abzuschaffen. Wer über Jahrzehnte diese verantwortungsvolle und belastende Arbeit, meist im anstrengenden Schichtdienst, Tag für Tag leistet, hat auch einen besonderen Schutz verdient.“
Ver.di-Verhandlungsführer Andreas Schackert kritisierte das bisherige Arbeitgeberangebot mit den Worten: „Statt Wertschätzung bekommen die Beschäftigten Verzögerungen, Kürzungen und Verschlechterungen serviert“.
Die nächste Verhandlungsrunde zwischen ver.di und dem Arbeitgeberverband Deutscher Eisenbahnen ist für den 5. Oktober geplant.