Karlsruhe/Baden-Baden (pm/dk) – Fahrgäste im Südwesten müssen sich am kommenden Montag auf massive Einschränkungen im Nahverkehr einstellen. Es wird mal wieder gestreikt – welche Busse und Bahnen in Karlsruhe, Baden-Baden und der Region nicht fahren, erfahrt ihr hier.
Der Warnstreik ist Teil bundesweiter Arbeitsniederlegungen. In den betroffenen Verkehrsunternehmen wird es am Montag voraussichtlich den ganzen Tag keinen Fahrdienst geben. Betroffen sind unter anderem Karlsruhe und Baden-Baden, aber auch Stuttgart, Heilbronn, Freiburg, Esslingen und Konstanz. Hintergrund ist der Tarifkonflikt zwischen ver.di und dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) für rund 6.700 Beschäftigte in sieben kommunalen Nahverkehrsbetrieben. Die Tarifverhandlungen waren am 20. Januar ohne Angebot vertagt worden.
Welche Linien konkret ausfallen, haben die VBK mitgeteilt: Wie schon bei Warnstreiks in der Vergangenheit fahren am Montag in und um Karlsruhe keine Trambahnen der Linien 1 bis 5, 8, 17, 18 sowie die Linie S2 und die Nightliner.
Als Alternative können Fahrgäste im Stadtgebiet auf die Stadtbahnen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) ausweichen – also alle Bahnen mit einem „S“ (S1, S11, S12, S31, S32, S4, S5, S51, S52, S6, S7, S71, S8 und S81). Diese verkehren im Raum Karlsruhe regulär, da das Schwesterunternehmen der VBK nicht bestreikt wird. Einschränkungen gibt es lediglich im Raum Heilbronn.
Einige Buslinien von Subunternehmern der VBK sollen zudem mit einem reduzierten Angebot unterwegs sein.
Bei Buslinien besteht ein Notkonzept, bei dem die Linien 30, 31, 44, 47, 62, 73, 107, KIT-Shuttle und verschiedene Einsatzwagen mindestens teilweise bedient werden.
Einige Buslinien von Subunternehmern (SWEG, Cramer und Lauk) verkehren im Stadtgebiet mit einem
eingeschränkten Angebot.
• Linie 30: Im 30-Minuten-Takt von 05:15 Uhr bis 20:00 Uhr sowie im 20/40-Minuten-Takt von 20:00 Uhr bis 01:00 Uhr. Die Stadtbahnen der AVG sind am Durlacher Tor erreichbar. Fahrten zwischen Elbinger Straße West und Europäische Schule entfallen.
• Linie 31: Im 30-Minuten-Takt von 05:30 Uhr bis 20:30 Uhr. Am Durlach Bahnhof besteht Anschluss an den Regionalverkehr sowie an die AVG-Stadtbahnen.
• Linie 39 (KIT): Alle Fahrten zwischen KIT-Campus Süd und KIT-Campus Nord werden planmäßig durchgeführt.
• Linie 44: Nur zwischen Zündhütle und Hohenwettersbach/Bergwald im 20-Minuten-Takt von 04:30 Uhr bis 01:15 Uhr. Am Zündhütle besteht Anschluss an die Linie 47.
• Linie 47: Im 20-Minuten-Takt von 04:30 Uhr bis 21:00 Uhr sowie im 20/40-Minuten-Takt von 21:00 Uhr bis 01:15 Uhr. Am Zündhütle besteht Anschluss an die Linie 44 und am Hauptbahnhof können Fahrgäste in alle Fern- und Regionalzüge, in AVG-Stadtbahnen sowie in die Buslinien 10 und 47 umsteigen.
• Linie 62: Im 30-Minuten-Takt von 05:00 Uhr bis 01:00 Uhr. Am Entenfang bestehen Umsteigemöglichkeiten zu den AVG-Stadtbahnen sowie zur Buslinie 13. Am Hauptbahnhof sind die Fern- und Regionalzüge, die AVG-Stadtbahnen sowie die Buslinien 10 und 47 erreichbar.
• Linie 73: Im 30-Minuten-Takt von 05:30 Uhr bis 01:15 Uhr. Am Europaplatz können Fahrgäste auf die AVG-Stadtbahnen umsteigen.
• Linie 88: Alle Fahrten des Werksverkehrs zum/vom KIT-Campus Nord werden planmäßig durchgeführt. Hierzu zählt auch die Fahrt der Linie 27 ab Rudolf-Link-Straße (ab 06:55 Uhr) zum Durlach Bahnhof.
• Linie 107: Alle Fahrten zwischen Durlach Bahnhof über Zündhütle bis Ettlingen Stadt werden
planmäßig durchgeführt
Auch die Verkehrsgesellschaft Baden-Baden wird ganztägig bestreikt. Auf den Buslinien 201, 204, 205, 206, 207, 208, 211, 212, 213, 214, 216 und 218 muss daher ab Betriebsbeginn bis Betriebsende der Verkehr eingestellt werden. Ebenso bleiben an diesem Tag die MerkurBergbahn und das Kundenzentrum am Augustaplatz geschlossen.
Die Linien 203, 215 (außer Schulfahrten – im Fahrplan mit „S“ gekennzeichnet) und die Fahrten 201E werden bedient. Die Regionalbuslinien 244, X44, X45, 262, 292 sind ebenfalls nicht vom Streik betroffen. Das Anruflinientaxi und MyShuttle fahren in Baden-Baden planmäßig.
Ver.di-Verhandlungsführer Jan Bleckert macht klar, warum die Gewerkschaft nun den Druck erhöht:
„Wir akzeptieren, dass die Finanzausstattung der Kommunen diese Tarifrunde mit beeinflusst. Wir akzeptieren nicht, dass die kommunalen Arbeitgeber die Beschäftigten mit der ständigen Androhung von Leistungskürzungen und Preiserhöhungen für Fahrgäste erpressen wollen.“
Der Warnstreik solle ein klares Signal setzen, dass Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen nicht hingenommen werden.
Verhandelt wird nicht über das Grundgehalt, sondern über den Manteltarifvertrag und damit über die Arbeitsbedingungen. Ver.di fordert unter anderem höhere Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Samstagsarbeit, höhere Überstundenzuschläge sowie Zulagen entsprechend der individuellen Entgeltstufe.
Aktuell liegt der Stundenlohn für Überstunden ohne Zuschläge sogar unter dem regulären Stundenlohn. Aus Sicht der Gewerkschaft ist Mehrarbeit damit für die Arbeitgeber günstiger als zusätzliches Personal.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 9. Februar angesetzt.
Die Auseinandersetzung betrifft nicht nur Baden-Württemberg. In allen 16 Bundesländern laufen derzeit Tarifrunden zu den Arbeitsbedingungen im kommunalen Nahverkehr. Bundesweit geht es um knapp 150 kommunale Verkehrsunternehmen. Um neue Regelungen verhandeln zu können, wurden in fast allen Ländern die bisherigen Tarifverträge gekündigt.
Für Fahrgäste heißt das: Auch in den kommenden Wochen sind weitere Streiks nicht ausgeschlossen.