VW unter Druck: Warum die Autokrise auch Baden-Württemberg trifft

31. August 2026 , 13:37 Uhr

Baden-Württemberg (dpa/dk) – Zehntausende Jobs stehen auf dem Spiel, mehrere Werke haben noch keine langfristige Perspektive und auch bei den Zulieferern werden massiv Stellen abgebaut: Die angespannte Lage bei Volkswagen ist längst mehr als ein Problem rund um Wolfsburg. Auch Baden-Württemberg bekommt den Druck in der deutschen Autoindustrie zu spüren – unter anderem beim Audi-Werk in Neckarsulm sowie bei den Zulieferern Bosch und ZF.

Audi-Werk in Neckarsulm auf dem Prüfstand

Volkswagen arbeitet derzeit an einem neuen „Zielbild 2030“. Der bereits laufende Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 reicht dem Vorstand um Konzernchef Oliver Blume nicht aus.

Im Zuge der weiteren Sparpläne wird auch um vier Standorte gebangt. Neben Emden, Zwickau und Hannover gehört dazu das Audi-Werk in Neckarsulm. Für diese Werke gebe es für die 2030er Jahre bislang noch keine „wettbewerbsfähige Belegung“.

Werksschließungen bezeichnet Blume als letzte Option, die er gerne vermeiden wolle. Für die betroffenen Standorte sollen in den kommenden Monaten Perspektiven entwickelt werden.

„Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen“, sagt Blume.

Damit hängt ein Teil der weiteren VW-Planungen unmittelbar auch an einem Standort in Baden-Württemberg.

Weitere Stellen sollen wegfallen

Noch ist offen, wie groß der zusätzliche Stellenabbau bei Volkswagen tatsächlich ausfallen wird. Eine im Zusammenhang mit dem „Zielbild 2030“ genannte Zahl von weiteren 50.000 Arbeitsplätzen bezeichnet Blume nicht als konkrete Zielgröße.

Sie sei vielmehr eine „theoretische Rechengröße“, die sich aus den Kosten ableite.

Weitere Einsparungen sollen insbesondere Bereiche außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion treffen. Dazu gehören Konzernstellen, zentrale Funktionen, Entwicklung und Vertrieb. Auch im Management soll gespart werden. Dort soll laut Blume ein Viertel der Stellen abgebaut werden.

Der Konzernchef macht deutlich, wie angespannt er die Situation einschätzt: „Die Lage ist mehr als kritisch.“

Volkswagen mache zwar weiterhin Gewinn, verdiene aber zu wenig, um daraus die Zukunft des Unternehmens finanzieren zu können.

Bosch und ZF bauen tausende Stellen ab

Dass die Probleme nicht nur Volkswagen betreffen, zeigt der Blick auf die gesamte Branche – und damit auch auf weitere Unternehmen aus Baden-Württemberg.

Besonders stark fällt der Stellenabbau derzeit bei den Zulieferern aus. Bosch will weltweit bis zu 22.000 Stellen im Zuliefererbereich streichen. Bei ZF sollen in Deutschland 14.000 Stellen wegfallen.

Damit treffen die Einschnitte zwei große Zulieferer aus Baden-Württemberg.

Insgesamt waren zum Ende des ersten Halbjahres 2026 noch 691.500 Menschen in der deutschen Autobranche beschäftigt. Das waren 42.300 weniger als ein Jahr zuvor und so wenige wie noch nie seit Beginn der vergleichbaren Zahlenreihe des Statistischen Bundesamts im Jahr 2005.

Blume spricht von Krise der gesamten Autoindustrie

Volkswagen sieht die Probleme deshalb nicht als reine Krise des eigenen Konzerns.

„Es ist keine VW-Krise, sondern eine Krise der gesamten Automobilbranche“, sagt Blume.

Auch andere Hersteller bauen Stellen ab. Mercedes-Benz hat bereits tausende Jobs gestrichen, BMW hat den Abbau von rund 8.000 Arbeitsplätzen weltweit angekündigt.

Als Herausforderungen nennt Blume unter anderem US-Zölle, den Einbruch des chinesischen Marktes mit starkem Preisverfall, geopolitische Konflikte, einen härteren Wettbewerb in Europa und starke Regulierung.

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, sieht zudem Probleme am Standort Deutschland. Als Investitionshemmnisse nennt sie hohe Kosten für Arbeit und Energie, langwierige Verfahren, Bürokratie und eine marode Infrastruktur.

Entscheidungen über weiteren Sparkurs stehen noch aus

Wie genau es bei Volkswagen weitergeht, ist noch offen. Nach Medienberichten soll sich der Aufsichtsrat am Freitag mit den Plänen beschäftigen. Eine endgültige Entscheidung über das Sparpaket wird allerdings noch nicht erwartet.

Blume hatte angekündigt, die Pläne bis zum Jahresende festzurren zu wollen.

Für Baden-Württemberg bleibt dabei vor allem die Zukunft des Audi-Werks in Neckarsulm im Blick. Gleichzeitig zeigen die angekündigten Stellenstreichungen bei Bosch und ZF, wie stark der Druck inzwischen auch bei den Zulieferern angekommen ist.

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