Verfassungsschutz darf AfD beobachten - Landeschef nennt das "absurd"

13. November 2024 , 11:37 Uhr
Mannheim (dpa/tk) – Der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg darf den AfD-Landesverband als Verdachtsfall einstufen und beobachten. Das hat der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim entschieden und die Beschwerde der AfD zurückgewiesen. Die Entscheidung ist unanfechtbar.

AfD seit 2022 Verdachtsfall

Das Landesamt für Verfassungsschutz hatte den AfD-Landesverband im Juli 2022 als rechtsextremistischen Verdachtsfall zum Beobachtungsobjekt erhoben und dies per Pressemitteilung publik gemacht. Die AfD erhob Klage gegen die Beobachtung und die öffentliche Bekanntgabe, die das Verwaltungsgericht Stuttgart zurückwies. Dieses Urteil bestätigte nun der VGH.

«Die Voraussetzungen für die Einstufung als Verdachtsfall und damit als Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes liegen vor», schreibt der VGH in der Begründung der Entscheidung. Weil Mitglieder der AfD für «einen ethnischen Volksbegriff» einträten, gebe es tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen. Zudem sieht das Gericht Anhaltspunkte für eine Diskriminierung deutscher Staatsangehöriger mit Migrationshintergrund sowie für die Herabwürdigung von Muslimen.

Landeschef nennt Urteil «absurd»

Der Landeschef der Südwest-AfD kritisierte die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs scharf. Die Feststellung des Gerichts, dass die AfD einen ausgrenzenden ethnischen Volksbegriff vertrete, sei «nur noch absurd», sagte Markus Frohnmaier der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Die AfD ist so wenig ausgrenzend, dass sie einen Parteivorsitzenden mit rumänischen Wurzeln gewählt hat», so Frohnmaier, der in Rumänien geboren wurde.

«Die AfD möchte keine rechtliche Ungleichbehandlung von Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund», sagte der Landeschef. Er und viele andere Parteifunktionäre hätten selbst eine Migrationsgeschichte. «Insofern ist es mehr als fragwürdig, dass hier vom Gericht tendenziöse Behauptungen des Verfassungsschutzes unkritisch übernommen werden», kritisierte Frohnmaier.

Die Einstufung als sogenannter rechtsextremistischer Verdachtsfall bedeutet, dass die Geheimdienstler die AfD genauer unter die Lupe nehmen dürfen, unter strengen Voraussetzungen Mitglieder observieren, Telefone überwachen, Informanten anwerben.

Ähnliches Urteil auch auf Bundesebene

Mit der Beobachtung wollen die Verfassungsschützer herausfinden, ob sich der Extremismus-Verdacht erhärtet und die Partei möglicherweise als extremistisch einzustufen ist. Das ist etwa beim Landesverband in Thüringen der Fall. An dessen Spitze steht mit dem Co-Landesvorsitzenden Björn Höcke der prominenteste Vertreter der Rechtsaußen-Strömung der Partei. Die Landesverbände der AfD werden von den jeweiligen Landesbehörden ganz unterschiedlich beurteilt.

Auf Bundesebene ist die Partei ebenfalls als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft. Mit einer Klage gegen die Einstufung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz war die AfD Mitte Mai vor dem nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht in Münster gescheitert. Der Rechtsstreit geht noch weiter.

Anzeige
AfD Baden-Württemberg Mannheim Markus Frohnmaier Verdachtsfall Verfassungsschutz Verwaltungsgerichtshof

Das könnte Dich auch interessieren

09.03.2026 Der Fahrplan - So geht es nach der Wahl im Südwesten weiter Stuttgart (dpa/tk) - Baden-Württemberg hat gewählt. Nun muss aus den neuen Verhältnissen im Landtag eine stabile Regierung gebaut werden. Bis es so weit ist, dauert es aber noch einige Zeit. Wie sieht der Fahrplan aus vom Wahlabend zur Bildung einer neuen Regierung?  18.02.2026 Wahlkampf im Fernduell - Politischer Aschermittwoch der Parteien im Südwesten Baden-Württemberg (dpa/tk) - Bier, Brezeln und verbale Backpfeifen: Welche Botschaften setzen die Kandidaten beim politischen Aschermittwoch kurz vor der Wahl? 14.12.2025 Diese Änderungen bringt der neue Bahnfahrplan im Südwesten Stuttgart (dpa/nr) - Schnellere Verbindungen nach Berlin, dichtere Takte nach Mannheim – aber auch gestrichene Halte und Ausfälle: Was der neue Bahnfahrplan für Baden-Württemberg bringt. 02.10.2025 Gericht verhandelt über Musterklagen zu Corona-Soforthilfen Mannheim (dpa/tk) - Das Land zahlte während der Pandemie Milliarden Euro an Unternehmer, um diese zu unterstützen. Doch später wurden Viele aufgefordert, das Geld zurückzuzahlen. Hunderte klagten dagegen.