Karlsruhe (dk) - Wie steht es um die finanzielle Situation der Menschen in Karlsruhe und der Region? Aktuelle Zahlen von Creditreform zeigen: Die Überschuldung ist mitten in der Gesellschaft angekommen – allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen Stadtteilen und Landkreisen. Daniel Bär von Creditreform Karlsruhe Reutlingen ordnet die Entwicklungen ein.
Als überschuldet gelten Menschen ab 18 Jahren, die dauerhaft nicht mehr in der Lage sind, ihre laufenden Rechnungen und finanziellen Verpflichtungen mit ihrem Einkommen zu begleichen. Daniel Bär erklärt: Überschuldete Menschen seien Personen, „die dauerhaft mit ihrem Einkommen ihre Rechnungen oder ihre Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Das heißt, sie laufen jeden Monat ins Minus. Egal, was sie machen.“
Innerhalb der Stadt Karlsruhe gibt es große Unterschiede. Besonders auffällig ist weiterhin der Stadtteil Oberreut. Dort liegt die Quote der überschuldeten Personen bei 12,93 Prozent. Ebenfalls überdurchschnittlich betroffen ist die Innenstadt Ost.
Deutlich besser sieht es in anderen Stadtteilen aus. Die wenigsten überschuldeten Personen finden sich laut Creditreform in den Bergdörfern wie Palmbach und Wettersbach sowie in Rüppurr.
Ein wichtiger Punkt bei der Einordnung der Zahlen ist der Unterschied zwischen Prozentwerten und absoluten Zahlen. Während Oberreut prozentual die höchste Überschuldungsquote hat, sieht das Bild bei den absoluten Zahlen anders aus.
Daniel Bär sagt dazu: „Zahlenmäßig sind im Stadtteil Durlach die meisten Menschen überschuldet, mit fast 2000 Menschen.“ Prozentual liege Durlach mit 7,19 Prozent jedoch sogar unter dem Karlsruher Durchschnitt. Das habe vor allem mit der Größe des Stadtteils zu tun.
Im bundesweiten Vergleich steht Karlsruhe vergleichsweise solide da. Deutschlandweit liegt die durchschnittliche Überschuldungsquote bei 8,1 Prozent, Karlsruhe kommt auf 7,6 Prozent.In einer Auswertung von rund 400 Stadt- und Landkreisen landet Karlsruhe auf Platz 217. Damit liegt die Stadt laut Bär „knapp in der zweiten Hälfte“ der Rangliste.
Deutlich schlechter sieht die Lage in Pforzheim aus. Mit einer Überschuldungsquote von 11,72 Prozent belegt die Stadt Platz 368 von 400 und liegt damit im unteren Drittel bundesweit. Pforzheim zählt damit zu den am stärksten betroffenen Städten.
Besser steht dagegen der Landkreis Karlsruhe da: Mit 6,3 Prozent liegt er auf Platz 105 und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.
Weitere Werte aus der Region:
Calw: 7,5 Prozent
Rastatt: 6,6 Prozent
Ob Männer oder Frauen häufiger überschuldet sind, lasse sich nicht pauschal sagen. Das hänge stark vom jeweiligen Stadtteil oder Wohngebiet ab. In einzelnen Bereichen seien Frauen stärker betroffen, in anderen wiederum Männer.
Beim Alter zeigen sich jedoch gewisse Tendenzen. Laut Bär ist Überschuldung längst kein Randphänomen mehr: Sie betreffe inzwischen auch Familien und Menschen mit früher gutem oder sogar überdurchschnittlichem Einkommen.
Auffällig seien vor allem zwei Altersgruppen:
30- bis 39-Jährige, die laut Bär oft konsumorientiert und internetaffin seien, Stichwort Raten- und Onlinekäufe.
Menschen ab 60, bei denen die Renteneinkünfte teilweise nicht mehr ausreichen, um steigende Lebenshaltungskosten zu decken.
Als Hauptursachen für Überschuldung gelten die sogenannten „Big Six“. Daniel Bär nennt sie in dieser Reihenfolge:
Erkrankung, Sucht und Unfall
Arbeitslosigkeit
Unwirtschaftliche Haushaltsführung
Trennung, Scheidung oder Tod
Längerfristiges Niedrigeinkommen
Gescheiterte Selbstständigkeit und sonstige Auslöser
Wer merkt, dass sich finanzielle Probleme anbahnen, sollte frühzeitig handeln. Daniel Bär betont die Bedeutung von Prävention und rät, Angebote der Schuldnerberatung sowie sozialer Beratungsstellen zu nutzen. Ebenso wichtig sei der offene Umgang mit Gläubigern. Transparenz, Ehrlichkeit und Offenheit seien entscheidend – und vor allem, sich nicht der Kommunikation zu entziehen.