Trotz Fortschritts bleiben Lücken im Mobilfunknetz bestehen

12. Oktober 2025 , 09:00 Uhr

Mobilfunkturm abgerissen – Funklochproblem

Bad Wildbad (Kreis Calw) erlebte kürzlich ein böses Erwachen. Weil ein Mobilfunkturm abgerissen wurde, fiel die ganze Stadt quasi kollektiv ins Funkloch. Höhere Gewalt natürlich – aber wie steht es eigentlich um Funklöcher im Südwesten?

Kaum noch Funklöcher im Südwesten?

Die Zahl der Funklöcher ist im Land weiter gesunken. Nach Worten des Innenministeriums gibt es nur noch in 0,21 Prozent der Fläche im Südwesten kein Netz (Stand Mitte 2025). Das entspreche einem Rückgang von 62 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021.

Regionale Ausfälle gibt es aber weiterhin. Das hatte Mitte Juli auch eine bundesweite Messwoche auf Initiative von Bund, Ländern und Kommunen ergeben. Demnach schnitten Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im Vergleich zu anderen Bundesländern am schlechtesten ab.

Bei dieser Aktion ging es allerdings um Daten, die Handynutzer auf einer Funkloch-App eingegeben hatten. «Hierbei handelt es sich um die tatsächlich erfasste Nutzererfahrung und umfasst keine offiziellen Daten zur Versorgung», so das Innenministerium. So war es zum Beispiel möglich, dass ein Nutzer ein Funkloch meldete – obwohl er mit einem anderen Mobilfunkanbieter keines erlebt hätte. Lokale Lücken seien durch die Messwoche aber gut sichtbar geworden.

Wo sind die Lücken?

Sie werden von Bürgern vor allem im ländlichen Raum sowie unterwegs im Auto oder im Zug häufig wahrgenommen, so die Ministeriumssprecherin. Außerdem störten topographische Gegebenheiten wie Täler, Berge oder Waldgebiete Funksignale zum Teil erheblich. In Fahrzeugen und Zügen komme es häufiger zu Unterbrechungen, da Handys während der Fahrt permanent zwischen Funkzellen wechseln und Karosserien oder Fenster den Empfang zusätzlich dämpfen.

Zudem gibt es laut Ministerium Unterschiede in der Netzabdeckung durch die Mobilfunknetzbetreiber. «Im ländlichen Raum ist die gleichzeitige Versorgung durch alle Anbieter geringer.» Neben sogenannten «weißen Flecken», in denen überhaupt keine breitbandige Versorgung mit schnellem Internet besteht, treten deshalb auch «graue Flecken» auf: In diesen Gebieten bietet zwar ein Anbieter eine breitbandige Netzabdeckung, die anderen jedoch nicht. Nutzer der anderen Anbieter haben dort ein Funkloch.

Wer ist zuständig für das Schließen von Funklöchern?

Der Ausbau der Mobilfunknetze obliegt im Wesentlichen den Mobilfunknetzbetreibern – als da sind: Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1. Das hängt mit den durch die Bundesnetzagentur vergebenen Frequenzen zusammen. Wer eine Frequenz ergattert, muss die Versorgung der Bevölkerung mit einem Netz entsprechend sicherstellen, sagt die Ministeriumssprecherin.

Woran hängt es immer noch?

Zum Beispiel daran, dass Mobilfunktürme nicht einfach überall errichtet werden können. In Naturschutzgebieten ist es in der Regel nicht möglich. Auf Gebäuden dafür eine Genehmigung zu bekommen, wird nach Worten eines Vodafone-Sprechers auch immer schwieriger. Bergige Regionen wie im Schwarzwald sind als Standort oft nicht geeignet. Auch ist nicht jeder Bürger glücklich, wenn ein Mobilfunkmast in Sichtweite des eigenen Hauses aufgestellt werden soll. In Stuttgart zum Beispiel hat Vodafone nach Worten des Sprechers schon Litfaßsäulen zu Mobilfunkmasten umgerüstet.

Wie sieht es mit Funklöchern in Tunneln aus?

Im Südwesten sind 21 Autotunnel nicht ausreichend versorgt – zumindest nicht mit der erforderlichen Datenrate von 100 beziehungsweise 50 Megabit, sagt eine Sprecherin der Bundesnetzagentur. Gleiches gilt für einige Bahntunnel. Dies bedeute aber nicht zwangsläufig, dass in den Tunneln sogenannte Funklöcher vorlägen. Zudem könne es auch dann zu Gesprächsabbrüchen kommen, wenn Tunnel ausreichend ausgestattet sind. Das liege zum Beispiel auch an der Zahl der Nutzer. Sind es zu viele, kann man sich nicht einwählen.

In Tunneln funktionieren zudem herkömmliche Mobilfunkantennen nicht sehr gut. Denn die Luftmassen, die beim Durchfahren von Lastwagen, Autos oder Zügen entstehen, vibrieren und stören den Empfang. Abhilfe schaffen beispielsweise kegelförmigen Antennen, wie sie Vodafone vor einigen Monaten in den Tunnelröhren des rund 1.400 Meter langen Arlinger Tunnels bei Pforzheim in Betrieb nahm. Insgesamt sei die Versorgung von Tunneln in jedem Bundesland herausfordernd, sagt der Vodafone-Sprecher.

Ist Hilfe sichergestellt in Tunneln, auch wenn Telefonieren mit dem Handy nicht klappt?

Ja, das ist gesetzlich klar festgelegt, sagt die Bundesnetzagentur. In allen Tunneln ab 400 Meter Länge müssen alle 150 Meter Notrufstationen installiert sein. Sie funktionieren unabhängig von Mobilfunknetzen: Über ein eigenes Kommunikationssystem sind sie mit der jeweiligen Rettungsleitstelle verbunden.

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