Karlsruhe (pm/tk) – Mehrere Gewässer mit außergewöhnlich niedrigen Wasserständen. Das Informationszentraum des Landes schlägt Alarm.
Nach aktuellen Daten des Niedrigwasser-Informationszentrums (NIZ) der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) weisen inzwischen 34 Prozent der Messstellen extrem niedrige und weitere 43 Prozent sehr niedrige Wasserstände auf. Damit hat sich das Niedrigwasser auf das gesamte Land ausgeweitet. Besonders betroffen sind der Süden und Osten Baden-Württembergs.
Auch für die kommenden Tage stellen die Wettervorhersagen keine flächendeckenden, langanhaltenden Niederschläge in Aussicht. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes besteht zudem eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch der Juli insgesamt trocken ausfällt.
„Die Zahl der von Trockenheit besonders stark betroffenen Gewässer steigt. Die aktuelle Niedrigwasserlage ist das Ergebnis mehrerer niederschlagsarmer Monate, insbesondere im Südosten Baden-Württembergs. Bereits im Mai und Juni fiel deutlich weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Ohne flächendeckende, lang anhaltende Niederschläge müssen wir damit rechnen, dass sich die Situation in den kommenden Wochen weiter verschärft. Das Niedrigwasser-Informationszentrum der LUBW beobachtet die Entwicklung deshalb kontinuierlich“, fasst Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW, die derzeitige Lage zusammen.
Nicht nur an den kleineren Flüssen, sondern auch in großen Gewässern zeigen sich die Auswirkungen der Trockenheit deutlich.
Der Bodensee liegt 76 Zentimeter unter seinem jahreszeitlich üblichen Wasserstand. An einem 5. Juli wurde seit Beginn der Messungen nur einmal ein niedrigerer Wasserstand registriert. Die Vorhersagen gehen von einem weiteren Rückgang in den kommenden Tagen aus.
Am Oberrhein wird ab Dienstag, 7. Juli, Niedrigwasser erwartet. Der bisherige Rekordniedrigwert des Abflusses für einen 5. Juli im Auswertezeitraum 1991 bis 2025 wurde bereits unterschritten. An der baden-württembergischen Donau wurde für einen 5. Juli ein neuer historischer Niedrigstwert des Abflusses gemessen. Die Donau befindet sich jetzt in Niedrigwasserstufe 2 (extrem niedrig). Auch der Neckar weist weiterhin sehr niedrige Abflüsse (Niedrigwasserstufe 1) auf.
Neben den niedrigen Wasserständen werden landesweit überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen gemessen. Sie liegen weiterhin über dem jahreszeitlich üblichen Niveau. Bis Mitte der Woche werden sie voraussichtlich etwas sinken, anschließend jedoch wieder ansteigen.
„Die Sauerstoffgehalte in Rhein, Donau und Neckar befinden sich noch in einem zufriedenstellenden Bereich. Kritische Sauerstoffkonzentrationen werden an keiner Messstation erreicht. Die Situation wird jedoch fortlaufend überwacht“, so Maurer.
Gemäß Modellrechnungen der LUBW beträgt die Bodenfeuchte landesweit im Schnitt nur noch rund 27 Prozent der nutzbaren Feldkapazität. Dies verursacht Trockenstress für die Vegetation. Gleichzeitig ist die klimatische Wasserbilanz des laufenden hydrologischen Jahres so niedrig wie nie zuvor seit Beginn der Auswertungen im Jahr 1991.
Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden, die im statistischen Mittel nur etwa alle 50 Jahre auftritt.
Das Niedrigwasser-Informationszentrum (NIZ) der LUBW informiert fortlaufend über die aktuelle Entwicklung der Wasserstände, der Wasserqualität und des Wasserhaushalts in Baden-Württemberg. In landesweiten Niedrigwassersituationen wird der Lagebericht jeweils montags, mittwochs und freitags aktualisiert.
Die ausführlichen Lageberichte des Niedrigwasser-Informationszentrums sind abrufbar unter: https://niz.baden-wuerttemberg.de/