Toter Winkel bei Sichtflug - Untersuchung zu tödlichem Unfall beendet

09. November 2021 , 08:12 Uhr

Oberhausen-Rheinhausen (dpa/lk) – Schlechte Sichtverhältnisse ausgerechnet während eines sogenannten Sichtflugs und ein missglücktes Ausweichmanöver sind der Grund für den Zusammenstoß eines Kleinflugzeugs mit einem Hubschrauber, bei dem 2018 in Oberhausen-Rheinhausen vier Menschen starben. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in einem kürzlich veröffentlichten Untersuchungsbericht zu dem Unfall, bei dem zwei Bayern und zwei Schweizer ums Leben kamen.

Kleinflugzeug im Sichtflug

Ende Januar 2018 waren der Hubschrauber und das Motorflugzeug während Ausbildungsflügen beim Anflug des Flugplatzes Speyer kollidiert. Sie stürzten bei Oberhausen-Rheinhausen ab. „Zeugen gaben an, dass sie einen Feuerball am Himmel und Flugzeugteile, die zu Boden fielen, gesehen haben“, heißt es im BFU-Bericht. Die Gefahr von Annäherungen und Kollisionen beim Sichtflug bezeichnen die Fachleute als jahrzehntealte Problematik. Beim Sichtflug gelte das Prinzip „Sehen und Ausweichen“. „Folglich ist die Beobachtung des Luftraums eine der wichtigsten Aufgaben der Piloten“, schreiben die Experten. „Dies gilt insbesondere für den Flugbetrieb im Nahbereich eines Flugplatzes und in der Platzrunde mit erhöhter Verkehrsdichte.“

Luftraum nicht beobachtet

Doch die Hubschrauberbesatzung sei im Training gewesen, die Piper wiederum war im Rahmen der Ausbildung zum Berufspiloten gestartet. In beiden hätten zwar auch sehr erfahrene Piloten gesessen, die aber als Fluglehrer sicherlich durch das Schulen von Inhalten, Beobachten der Schüler und eventuelles Korrigieren „geistig gebunden und zumindest zeitweise von der Luftraumbeobachtung abgelenkt“ gewesen seien. Ebenso waren beide Schüler zeitweise von der Luftraumbeobachtung abgelenkt.

Ausweichmanöver misslingt

Zudem entstünden etwa durch Rahmen und Sonnenblenden tote Winkel. So hätten die Männer im Helikopter das Flugzeug allenfalls von vorne als schmale Silhouette sehen können. „Aus Sicht der Hubschrauberbesatzung befand es sich im Sinkflug oberhalb des Horizontes, mit geringem farblichem Kontrast zur fast geschlossenen Bewölkung.“ Zeugenbeobachtungen und Spuren am Flugzeugwrack zufolge hatte die Besatzung der Piper im letzten Moment versucht die Kollision zu vermeiden, heißt es im Abschlussbericht. „Trotz der vergleichsweise geringen Annäherungsgeschwindigkeit beider Luftfahrzeuge zueinander, misslang das Ausweichmanöver. Dies zeigt, wie plötzlich und völlig unerwartet der Hubschrauber vor ihnen in Sicht gekommen sein muss.“

Kette von unglücklichen Ereignissen

Letztlich kommen die Gutachter zu dem Schluss, dass „eine Kette von unglücklichen Ereignissen, Gegebenheiten und Einschränkungen (…) zur Annäherung und letztendlich zur Kollision“ führte. In dem Hubschrauber saßen nach früheren Angaben der Ermittler ein 46 Jahre alter Pilot sowie ein 27 Jahre alter Pilot, die beide aus Bayern kamen. Das Kleinflugzeug war mit einem 61 Jahre alten Piloten und seinem 48 Jahre alten Flugschüler aus der Schweiz besetzt.

https://www.die-neue-welle.de/blaulicht/absturz-bei-philippsburg-flugzeug-mit-hubschrauber-kollidiert

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