Karlsruhe (pm/ms) – Der Luchs ist zurück in Deutschland – aber seine Bestände sind noch klein und weit voneinander entfernt. Damit die größte heimische Katze langfristig eine Zukunft hat, starten der WWF Deutschland und der Zoo Karlsruhe jetzt eine neue Kooperation.
Der WWF Deutschland und der Zoo Karlsruhe haben am 29. Mai gemeinsam das „Team Luchs Karlsruhe“ gegründet. Ziel der Kooperation ist es, die Luchsbestände in Baden-Württemberg gezielt zu unterstützen und besser mit anderen Vorkommen in Europa zu vernetzen.
Gleichzeitig soll die Bekämpfung von Wildtierkriminalität verbessert werden – dazu zählen auch illegale Tötungen von Luchsen.
Der Luchs wurde im 19. Jahrhundert in Deutschland ausgerottet. Inzwischen kehrt er langsam zurück. Laut WWF leben aktuell knapp 200 wiederangesiedelte Luchse im Harz, in Ostbayern und im Pfälzer Wald.
Die Bestände sind aber klein und voneinander getrennt. Genau das ist ein Problem für den Artenschutz.
„Der Luchs, unsere größte heimische Katze, wurde im 19. Jahrhundert in Deutschland ausgerottet. Heute kehrt er langsam zurück. Doch die Population ist nach wie vor klein und fragmentiert“, sagt Dr. Sybille Klenzendorf, Programmleitung Wildtiere Deutschland und Europa beim WWF.
Damit Luchse langfristig überleben können, braucht es laut WWF sogenannte Trittsteinpopulationen und Wanderkorridore.
„Luchse brauchen Trittsteinpopulationen und Wanderkorridore – sonst kann es zu Inzucht kommen und die Population ist langfristig nicht überlebensfähig.“
Der Zoo Karlsruhe übernimmt im Rahmen der Kooperation die Zucht von Luchsnachwuchs. Er ist Teil des europäischen Erhaltungszuchtprogramms für den Karpatenluchs.
Dafür stehen zwei moderne, naturnahe und weitläufige Anlagen zur Verfügung. Wenn Jungtiere nach wissenschaftlichen Kriterien für eine Auswilderung ausgewählt werden, kommen sie für mehrere Monate in eine große Anlage im Tierpark Oberwald. Dort werden sie fernab der Besucherinnen und Besucher auf ein Leben in der Natur vorbereitet.
Auch bei der Fütterung soll es möglichst naturnah zugehen.
„Dafür kommen vor allem Rehe in Betracht, die zwar tot, aber als ganzer Körper den Tieren zur Fütterung gereicht werden“, erklärt Zootierarzt Dr. Marco Roller.
Dafür arbeitet der Zoo mit der lokalen und regionalen Jägerschaft zusammen. Gemeldet wird unter anderem Wild, das im Straßenverkehr umgekommen ist.
Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt betont:
„Jeder ausgewilderte Luchs ist ein Gewinn für die biologische Vielfalt in Deutschland und wir sehen es als unsere Aufgabe, unseren Beitrag dazu zu leisten.“
Die Kooperation unterstützt außerdem das Projekt wildLIFEcrime. Es setzt sich gegen Wildtierkriminalität ein. Besonders bei kleinen Beständen kann schon der Verlust einzelner Tiere schwere Folgen haben.
„Gerade bei kleinen Beständen kann der Verlust einzelner Tiere gravierende Folgen haben“, sagt Klenzendorf.
Zum Projekt gehören unter anderem ein Meldeportal für Wildtierdelikte, ein besserer Datenaustausch, Fallanalysen, forensische Untersuchungen und der Austausch mit Polizeibehörden und Fachleuten.
Zwischen 2012 und 2023 wurden in Deutschland zwölf Fälle illegal getöteter Luchse bestätigt. Aufgeklärt wurde bislang keiner.
Zum Projekt wildLIFEcrime gehören insgesamt 13 Partner aus Deutschland und Österreich. Dazu zählen neben dem WWF Deutschland unter anderem die Universität Bremen, Polizeibehörden aus Bayern, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung und das österreichische Bundeskriminalamt.
WWF und Zoo Karlsruhe betonen: Erfolgreicher Artenschutz brauche starke Partnerschaften. Wissenschaft, Naturschutz, Politik, Zivilgesellschaft und engagierte Bürgerinnen und Bürger müssten zusammenarbeiten. Luchse seien wichtig für gesunde Wildtierbestände und stellen keine Gefahr für Menschen dar.
Alle, die den Schutz der Luchse unterstützen möchten, können Mitglied im „Team Luchs Karlsruhe“ werden. Möglich ist das mit einem monatlichen Beitrag von neun Euro.
Weitere Informationen gibt es unter: wwf.de/team-luchs