Region (dk) – 110 oder 112 – zwei Nummern, die im Ernstfall entscheidend sein können. Am Tag des Notrufs steht genau das im Mittelpunkt: die Arbeit der Leitstellen und die Bedeutung eines schnellen Anrufs. Anlässlich des Aktionstags erklärt Günther Quernhorst, Polizeiführer vom Dienst im Polizeipräsidium Karlsruhe, worauf es beim Notruf ankommt – und warum man im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig anrufen sollte.
Grundsätzlich gilt: 110 für die Polizei, 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst. Quernhorst erklärt:
„Die 110 ist immer grundsätzlich dann zuständig, wenn es um Straftaten geht oder Ordnungsstörungen. Bei Feuer oder medizinischen Notfällen [ist] die integrierte Leitstelle vom Rettungsdienst Feuerwehr zuständig.“
Wer unsicher ist, muss sich keine Sorgen machen. „Sie dürfen sich jederzeit an uns oder die 112 wenden. Wir entscheiden dann schon, wo sie richtig sind“, so Quernhorst. Die Leitstellen entscheiden dann, ob Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst gebraucht werden – oder ob mehrere Kräfte gleichzeitig alarmiert werden.
Für kleinere Anliegen wie Ruhestörungen oder Verkehrsbehinderungen empfiehlt die Polizei, direkt das zuständige Revier zu kontaktieren. Quernhorst sagt:
„Wenn es kleinere Ordnungsstörungen sind, wie Ruhestörung oder eine Verkehrsbehinderung, dürfen Sie sich gerne an das zuständige Revier wenden. Trotzdem gelte: Wer unsicher ist, darf anrufen – entschieden werde dann in der Leitstelle.
Beim Notruf werden bestimmte Informationen besonders wichtig. Quernhorst erklärt das Vorgehen so:
„Das Wichtigste für uns […] ist immer: Wo ist der Notfallort?“
Danach folgen Fragen wie: Was ist passiert?, Wie viele Betroffene gibt es?, Welche Verletzungen liegen vor? und Wer meldet den Notfall? Wichtig sei außerdem:
„Am Schluss immer wichtig: Warten kurz auf Rückfragen.“ Währenddessen laufe der Einsatz bereits im Hintergrund an.
Gerade im Wald oder auf der Autobahn wissen Anrufer oft nicht genau, wo sie sind. Das sei kein Problem, sagt Quernhorst. Die Einsatzkräfte seien geschult und könnten helfen, den Standort zu bestimmen.
„Es gibt viele Möglichkeiten, die Örtlichkeit rauszubekommen“, erklärt er – etwa über Rettungstafeln, Navigations-Apps oder Koordinaten.
Zusätzlich würden bei Handy-Anrufen sogenannte Notruf-Begleitdaten übertragen. Bei Gefahr für Leib oder Leben könne die Polizei diese abrufen, um den Standort genau zu bestimmen.
Im Polizeipräsidium Karlsruhe gehen laut Quernhorst rund 80.000 Notrufe pro Jahr ein.
„Das heißt so circa alle fünf Minuten kommt ein Notruf bei uns an“, erklärt er. Besonders viele Anrufe gebe es zwischen 15 und 22 Uhr, nachts deutlich weniger.
Wer absichtlich falsche Notrufe absetzt, muss allerdings mit Konsequenzen rechnen. Notrufmissbrauch sei strafbar. Bei vorsätzlichen Falschmeldungen könnten sogar die Kosten des Einsatzes in Rechnung gestellt werden.
Auch Fehlanrufe passieren. Dann gilt: kurz Bescheid sagen.
„Sagen Sie es einfach ganz kurz, dass es ein Versehen war, ist überhaupt nicht schlimm“, so Quernhorst. Einfach aufzulegen sei ungünstig, weil die Leitstelle dann zurückrufe.