Stuttgart (dpa/dk) – Neue Berichte über weitere Verzögerungen bei Stuttgart 21 sorgen für Druck auf die Bahn. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir verlangt jetzt belastbare Zahlen und einen klaren Zeitplan. Für Bahnfahrende im Land geht es dabei um die Frage, wann der neue Stuttgarter Bahnknoten endlich zuverlässig in Betrieb gehen kann.
Nach Medienberichten über eine mögliche weitere Verschiebung beim Großprojekt Stuttgart 21 fordert Ministerpräsident Cem Özdemir von der Bahn klare Aussagen.
„Ich will nicht, dass wir da jetzt jedes Jahr neue Zahlen bekommen“, sagte der Grünen-Politiker in Stuttgart. „Aber es muss ja auch mal ein Ende haben.“
Özdemir verlangt von der Bahn belastbare Zahlen und Antworten darauf, wann die einzelnen Etappen und wann das gesamte Projekt Stuttgart 21 fertig werden.
Medienberichten zufolge könnte das Bahnprojekt später starten als zuletzt angenommen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete unter Berufung auf das Umfeld von mit dem Projekt vertrauten Personen, dass die Eröffnung des Durchgangsbahnhofs auf Ende 2031 verschoben werden müsse.
Der SWR berichtete unter Berufung auf Kreise der Projektpartner, dass Stuttgart 21 im Dezember 2031 vollständig in Betrieb genommen werden soll.
Ein Bahnsprecher teilte mit, man äußere sich nicht zu derartigen Spekulationen.
Sollten sich die Berichte bewahrheiten, wären das aus Sicht von Özdemir „desaströse Nachrichten“ für Baden-Württemberg und vor allem für die Bahnfahrenden.
„Daher erwarte ich von der Bahn ein klares Bekenntnis, dass sie stets zu dem Projekt steht, und zwar ohne Abstriche“, sagte Özdemir. Dazu gehöre vor allem auch die Digitalisierung des Bahnknotens Stuttgart.
Mit Blick auf die immer neuen Probleme sagte Özdemir, das Projekt werde langsam „zur Lachplatte“. Dabei verwies er auch auf die als „Fernwanderweg“ bekanntgewordene Umleitung für Fußgänger von den Gleisen in die Stadt.
Stuttgart 21 steht für die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Dazu gehören neue Bahnhöfe, darunter ein neuer Fernbahnhof am Flughafen, sowie Dutzende Kilometer Schienenwege, Tunnelröhren, Durchlässe und Brücken.
Herzstück ist der neue unterirdische Hauptbahnhof. Anders als der bisherige Kopfbahnhof soll er als Durchgangsbahnhof funktionieren.
Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm umfasst neben Stuttgart 21 auch die Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm. Diese wurde bereits 2022 eröffnet.
Gebaut wird an Stuttgart 21 seit dem Jahr 2010. Bei Abschluss der Finanzierungsvereinbarung im Jahr 2009 war noch eine Eröffnung im Jahr 2019 geplant.
Zuletzt sollte der Tiefbahnhof Ende 2026 teilweise eröffnet werden. Dieser Termin wurde aber bereits im November abgesagt. Als Grund nannte Bahnchefin Evelyn Palla Probleme bei der Digitalisierung des Bahnknotens.
Ein neues Startdatum wurde damals zunächst nicht genannt. Stattdessen kündigte Palla eine umfassende Überprüfung des Projekts an.
Der Stuttgarter Bahnknoten soll im Rahmen von Stuttgart 21 als erster in Deutschland komplett digitalisiert werden. Züge des Fern- und Regionalverkehrs sowie S-Bahnen sollen dort künftig mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren.
Klassische Lichtsignale sollen im Stuttgarter Bahnknoten nicht mehr verbaut werden. Die Arbeiten daran gestalten sich allerdings komplizierter als gedacht. Die Digitalisierung war auch ein Grund für die erneute Absage des jüngsten Starttermins.
Auch die Kosten für Stuttgart 21 sind über die Jahre deutlich gestiegen. Im Finanzierungsvertrag aus dem Jahr 2009 war die Verteilung von Kosten bis zu gut 4,5 Milliarden Euro geregelt.
Zuletzt bezifferte die Bahn die Kosten auf rund 11,3 Milliarden Euro. Einem Gerichtsurteil zufolge muss die Bahn die Mehrkosten alleine tragen.