Rastatt (dpa/dk) – Pestizide, Medikamentenreste und sogenannte Ewigkeitschemikalien: Eine neue Studie zeigt, dass das Grundwasser am Oberrhein deutlich belastet ist. Auch unsere Region ist betroffen: Der Raum Rastatt/Baden-Baden gehört bei PFAS zu den besonders auffälligen Bereichen.
Für das Oberrhein-Projekt „ERMES-ii Rhein“ wurde das Grundwasser an 1.497 Messstellen untersucht. Das Gebiet reicht von Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg über das Elsass bis zur Schweizer Grenze.
Das Ergebnis: Praktisch überall wurden belastende Stoffe im Grundwasser gefunden. An 59 Prozent der Messstellen wurde mindestens ein Trinkwassergrenzwert überschritten.
Wichtig dabei: Die Studie bezieht sich auf Grundwasser, nicht direkt auf das Trinkwasser aus dem Hahn. Trinkwasser wird vorher aufbereitet und nach strengen Vorgaben kontrolliert.
Besonders relevant für unsere Region ist die Belastung mit PFAS. Das sind Chemikalien, die in der Umwelt nur sehr schwer abgebaut werden. Deshalb werden sie auch Ewigkeitschemikalien genannt.
Laut Studie wurden PFAS an 69 Prozent der Messstellen nachgewiesen. An neun Prozent der Messstellen wurden Schwellenwerte überschritten.
Als besonders betroffene Räume werden unter anderem Rastatt/Baden-Baden genannt. Außerdem auffällig sind die Bereiche Basel/Saint-Louis, Thann/Cernay sowie Mainz und Frankfurt.
Als mögliche Hintergründe nennt die Untersuchung unter anderem Industriegebiete, Orte, an denen Feuerlöschschäume eingesetzt wurden, oder Flächen, auf denen Klärschlämme ausgebracht wurden.
Die Studie zeigt außerdem: Auch Pflanzenschutzmittel belasten das Grundwasser am Oberrhein weiterhin. Seit 2016 gibt es zwar eine leichte Verbesserung. Trotzdem treten weiter Belastungen auf.
Die Unterschiede zwischen den Regionen hängen laut Studie auch damit zusammen, dass bestimmte Pestizide in deutschen Bundesländern früher verboten wurden als im Elsass und in den Basler Kantonen. In Deutschland seien bestimmte Pestizide inzwischen fast nicht mehr nachweisbar.
Ein weiteres Problem sind Rückstände von Medikamenten. Sie gelangen über Kläranlagen in Gewässer und können später auch im Grundwasser wieder auftauchen. Viele Kläranlagen können solche Stoffe bisher nicht vollständig herausfiltern.
Der Oberrheingraben ist einer der wichtigsten Grundwasserspeicher Westeuropas. Er reicht von Basel bis Mainz, ist rund 300 Kilometer lang und versorgt etwa fünf Millionen Menschen mit Trinkwasser.
Gleichzeitig ist die Region stark genutzt: durch Industrie, Landwirtschaft, Städte und Ballungsräume. Genau deshalb ist der Schutz des Grundwassers dort besonders wichtig.
Die Studie empfiehlt, belastende Stoffe möglichst schon an der Quelle zu verringern. Das betrifft Landwirtschaft, Industrie, Haushalte und das Gesundheitswesen.
Außerdem sollen Kläranlagen besser ausgerüstet werden. Genannt wird dabei eine zusätzliche Reinigungsstufe, die bestimmte Schadstoffe besser aus dem Wasser entfernen kann. In der Schweiz wird diese vierte Reinigungsstufe laut Studie bereits seit 2016 eingesetzt. Für Deutschland und Frankreich soll sie durch eine europäische Richtlinie bis 2045 schrittweise kommen.
Zusätzlich empfehlen die Fachleute, Fließgewässer und Grundwasser noch besser zu überwachen.
Weil Grundwasser nicht an Landesgrenzen haltmacht, betonen die beteiligten Fachleute die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Auch Baden-Württemberg sei dabei gefordert.
Für die Region heißt das: Die Ergebnisse betreffen den gesamten Oberrhein. Besonders genau dürfte aber weiter auf den Raum Rastatt/Baden-Baden geschaut werden, weil er bei der PFAS-Belastung ausdrücklich als auffälliger Bereich genannt wird.