Baden-Württemberg (dpa/dk) – Im Ringen um den Abschuss eines zutraulichen Wolfs im Nordschwarzwald verschärft sich der Ton. Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) wirft Hundebesitzern verantwortungsloses Verhalten vor. Hintergrund ist die anhaltende Suche nach dem Tier im Bereich der Hornisgrinde.
Es sei bereits schwierig für das offiziell entsandte Team von Jägern, wenn sich viele Menschen im Nationalpark aufhielten, sagte Walker in Stuttgart. „Es wurden Fackelläufe durchgeführt, es gibt die Mahnwachen, es gibt viel Bewegung im Park.“ Das sei nicht hilfreich, sie habe jedoch aufgrund von Erfahrungen aus anderen Bundesländern damit gerechnet.
Deutlich wurde die Ministerin mit Blick auf Hundebesitzer: „Was ich aber nicht sehr lustig finde ist, wenn ich von Hundebesitzern höre, die es ganz toll finden, wenn ihre Hunde Kontakt mit dem Wolf haben. Das finde ich verantwortungslos.“
Wer nicht wolle, dass ein Wolf abgeschossen werden müsse, weil er Menschen zu nahe komme, dürfe sich nicht beschweren, sondern müsse selbst bestimmte Verhaltensregeln befolgen.
Seit einer Woche suchen professionelle Jäger im Nationalpark nach dem Tier. Zwei Gerichte hatten die Genehmigung des Umweltministeriums zum Abschuss zuvor für rechtmäßig erklärt.
Nach aktuellem Stand darf der Wolf bis zum 10. März – dem Ende der Ranzzeit – getötet werden. Ob darüber hinaus ein weiterer Abschussantrag gestellt wird, falls das Tier nicht erlegt wird, ist noch offen.
Wölfe sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Es ist grundsätzlich verboten, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Nur im Einzelfall sind Ausnahmen möglich.
Das Umweltministerium hatte den Abschuss im Januar genehmigt. Begründet wurde dies damit, dass sich der Wolf mit der Kennung „GW2672m“ mehrfach Hunden und damit auch Menschen genähert habe. Seit Anfang 2024 seien mehr als 180 Sichtungen des sogenannten Hornisgrinde-Wolfs gemeldet worden.
Das Thema sorgt landesweit für Diskussionen. Sowohl Wolfsfreunde als auch Gegner sammelten Unterschriften in Petitionen. Auch eine Mahnwache gegen den Abschuss wurde geplant.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zeigte sich überrascht von der großen Emotionalität in der Debatte.