Das Ergebnis gleicht einer Abrechnung

Steuerzahlerbund wirft Landesregierung Hamsterpolitik vor

04. Oktober 2023 , 16:06 Uhr

Stuttgart (dpa/dk) – Hat die baden-württembergische Landesregierung ein Schlupfloch für die Schuldenbremse gefunden? Der Steuerzahlerbund behauptet genau das und wirft der Landesregierung ein Hamstern in der Finanzpolitik vor.

Experte beauftragt

Der Steuerzahlerbund hat einen Experten damit beauftragt, die Schuldenpolitik von Grün-Schwarz unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis gleicht einer Abrechnung. Die Regierung habe über die vergangenen Jahre knapp 24 Milliarden Euro an Verschuldungsrechten angehäuft, die sie gar nicht brauche, sagte Professor Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg am Mittwoch in Stuttgart bei der Vorstellung einer Studie zu dem Thema. Die Kontrolle durch das Parlament finde nicht mehr statt.

24-Milliarden-Euro-Hamstervorrat

Zu Beginn der Corona-Krise habe man sehr hohe Steuereinnahmen gehabt. «Wir hätten die Schuldenbremse halten können, aber wir haben zusätzliche Kredite bewilligt», kritisierte Raffelhüschen. Er sprach von einem «24-Milliarden-Euro-Hamstervorrat». Die Einhaltung der Schuldenbremse könne man die nächsten Jahre «aus den Pausbacken» heraus finanzieren. Der Professor sprach von einem Schlupfloch für die Schuldenbremse. Würde man aber die Verschuldungsrechte einlösen, würde das Land heute deutlich mehr Zinsen zahlen als in den vergangenen Jahren. «Das würden wir nicht durchstehen», sagte er mit Blick auf die Belastung im Haushalt.

Der Landtag sollte einen restriktiveren Haushaltskurs fahren,

sagte der Vorsitzende des Steuerzahlerbunds, Eike Möller. Zudem sollte geprüft werden, ob es die Ausgabereste in Höhe von 7,7 Milliarden Euro im Haushalt wirklich brauche oder ob man nicht Einsparungen vornehmen könne. Die Kreditaufnahme müsse reduziert werden, forderte Möller.

De facto ein Bruch der Schuldenbremse

Die Schuldenbremse gilt im Land seit Anfang 2020. In Ausnahmefällen wie unvorhergesehenen Notlagen und konjunkturellen Einbrüchen erlaubt sie trotzdem die Aufnahme von Krediten. Die Ausnahmetatbestände hat das Land genutzt, um in den vergangenen Jahren milliardenschwere Kreditbewilligungen anzuhäufen – diese Schulden wurden noch nicht aufgenommen am Kreditmarkt, das Land hat aber die Möglichkeit dazu. «De facto stellt diese Haushaltsführung einen Bruch der Schuldenbremse dar», teilte der Steuerzahlerbund mit.

Anzeige
Hamstern Landesregierung Schuldenbremse

Das könnte Dich auch interessieren

11.07.2026 Wir haben die Tipps: So grillt ihr nachhaltig und lecker Region (pm/dk) - Sommerzeit ist Grillzeit! Ob zuhause im Garten oder an öffentlichen Feuerstellen: Grillen gehört einfach dazu. Doch gerade beim beliebten Sommervergnügen lohnt sich ein Blick auf Umwelt- und Klimaschutz. Der NABU Baden-Württemberg zeigt, wie ihr beim Grillen ganz einfach nachhaltiger genießen könnt – ohne auf Geschmack und Spaß zu verzichten. 09.07.2026 Boris Palmer soll Bürokratie-Berater der Landesregierung werden Stuttgart/Tübingen (dpa/tk) - Wird Boris Palmer Minister unter dem neuen Landesvater Cem Özdemir, bekommt er eine andere Rolle oder bleibt er einfach nur Oberbürgermeister in Tübingen? Es wurde viel über die Zukunft des Grünen-Politikers spekuliert. Nun gibt es eine Entscheidung: Er soll die grün-schwarze Landesregierung beim Bürokratieabbau beraten. 25.06.2026 Erste Japankäfer des Jahres im Südwesten gefunden Südwesten (svs/dpa) - Sie sehen auffällig aus, sind aber alles andere als harmlos: In Baden-Württemberg sind die ersten Japankäfer des Jahres entdeckt worden. Vier Tiere sind in Freiburg in Lockstoff-Fallen gelandet. Die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung bleibt groß. 24.06.2026 Özdemir fordert mehr Geld für bessere Tierhaltung Südwesten (dpa/svs) - Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie bessere Tierhaltung in Deutschland bezahlt werden soll. Jetzt fordert Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir mehr Unterstützung vom Bund. Beim Deutschen Bauerntag in Freiburg verwies er dabei auf das Sondervermögen.