Sonnenfinsternis 2026: Zehn Tipps für Beobachter in Baden-Württemberg

12. August 2026 , 07:30 Uhr

Region (dpa/tk) – Wenn sich heute Abend der Mond vor die Sonne schiebt, erlebt Baden-Württemberg ein Naturschauspiel der besonderen Art. Während die Sonnenfinsternis in den meisten Teilen Deutschlands nur teilweise zu sehen ist, fällt sie im Südwesten stärker aus als irgendwo sonst im Land.

Dass die Finsternis ausgerechnet in die Zeit des Sonnenuntergangs fällt, macht sie zusätzlich reizvoll – aber auch komplizierter für Betrachter. Wer das seltene Ereignis beobachten möchte, sollte ein paar Dinge beachten.

1. Baden-Württemberg der beste Platz in Deutschland

Der wichtigste Tipp lautet: einfach hier bleiben! Während der Mond in Berlin etwa 85 Prozent der Sonne verdeckt, sind es im Raum Freiburg rund 90 Prozent und in Stuttgart 89 Prozent. Damit bietet Baden-Württemberg die stärkste Verfinsterung bundesweit. Die Sonne erscheint zeitweise nur noch als schmale Sichel.

2. Ort mit freier Sicht über Schwarzwald oder der Alb suchen

Die Sonne steht am Abend sehr tief. Deshalb dürften sich nicht alle Standorte lohnen. «Eigentlich ist nur wichtig, dass man erhöht ist und einen klaren Blick nach Westen hat», sagt der Direktor der Stuttgarter Sternwarte, Ubbo Grassmann. «Dann hat man gewonnen.»

Gut geeignet sind Aussichtspunkte auf den Höhen des Schwarzwalds oder der Schwäbischen Alb. In Städten können Hügel, Aussichtstürme oder Brücken helfen, der Schlossberg oder Schauinsland in Freiburg, der Merkur in Baden-Baden oder natürlich die Hornisgrinde bei Freudenstadt.

3. Aktionen von Astronomen

Auf dem Merkur in Baden-Baden sind am Mittwochabend die Sternfreunde Durmersheim. Sie bringen spezielle Teleskope und natürlich ihr Fachwissen mit. Ebenfalls mit Wissen und Ausrüstung glänzt das Team von Planet KA – dem Karlsruher Planetarium. Gleich neben ihrem Standort im Alten Schlachthof gehen die Astro-Expertem mit euch raus in den Otto-Dullenkopf-Park, um dort die partielle Sonnenfinsternis zu beobachten.

4. Früh genug da sein

In Baden-Württemberg beginnt die Sonnenfinsternis gegen 19.20 Uhr, dann schiebt sich die dunkle Mondscheibe allmählich von rechts unten vor die Sonnenscheibe. Die genauen Zeiten hängen vom Standort ab. Ihren Höhepunkt erreicht die Sonnenfinsternis in Stuttgart um 20.15 Uhr, in Karlsruhe eine Minute und in Freiburg zwei Minuten später. Am oberen Sonnenrand bleibt dann nur noch eine schmale Sichel aus Sonnenlicht übrig. Schon gegen 20.45 Uhr verschwindet die Sonne vielerorts hinter dem Horizont, um 21.08 Uhr endet auch die partielle Finsternis.

Wer also erst zum Sonnenuntergang aufbricht, könnte den eindrucksvollsten Teil verpassen. «Nichts ist frustrierender, als wenn man in den spannendsten Momenten einen Parkplatz sucht», sagt Grassmann.

5. Sofi-Brille nicht vergessen

So spektakulär das Ereignis ist: Der Blick in die Sonne bleibt gefährlich. Normale Sonnenbrillen reichen da nicht aus. Benötigt wird eine geprüfte Sonnenfinsternis-Brille. Einige Planetarien und Sternwarten, aber auch Optiker im Land geben solche Brillen rund um den Beobachtungsabend aus oder haben sie bereits jetzt im Angebot. Das Planetarium in Freiburg bietet auch einen Last Minute Verkauf am 12. August von 15.00 bis 18.00 Uhr an. Wer an diesem Tag eine Vorstellung im Stuttgarter Planetarium besucht, bekommt die Brille gratis – solange der Vorrat reicht.

6. Was bietet sich sonst zum Gucken an?

Als sicherste Methode gilt die indirekte Betrachtung über eine Lochkamera, die das Bild der Sonne auf einen Schirm projiziert. Hochgefährlich sind hingegen Ferngläser, Teleskope oder Kameras, wie das Bundesamt für Strahlenschutz warnt. Diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich. Im Fachhandel werden spezielle Filteraufsätze oder Folien angeboten. Die Filter müssen vor der Optik des entsprechenden Geräts angebracht werden.

7. Auf die besondere Lichtstimmung achten

Astronomen erwarten keine Dunkelheit wie bei einer totalen Sonnenfinsternis. Dennoch dürfte sich das Licht bemerkbar verändern. Gerade im Südwesten, wo die Verdeckung besonders groß ist, könnte die Landschaft kurzzeitig kühler und kontrastärmer wirken.

8. Den besonderen Sonnenuntergang genießen

Selten fallen Sonnenfinsternis und Sonnenuntergang so günstig zusammen. Für Fotografen eröffnen sich dadurch natürlich ungewöhnliche Motive. Vor allem an Schwarzwaldgipfeln, auf Albhochflächen oder an Aussichtspunkten über den Städten könnte die schmale Sonnensichel kurz vor dem Verschwinden hinter dem Horizont zu sehen sein. Planetarier Grassmann rät aber vom Handy ab: «Am besten fotografiert man gar nicht, legt das Handy weg und genießt die wenigen Momente», sagt er.

9. Nach der Finsternis auf Sternschnuppen warten

Der 12. August bietet im Südwesten gleich zwei Himmelsspektakel. In derselben Nacht erreicht auch der Perseiden-Meteorstrom seinen Höhepunkt. Wer nach der Sonnenfinsternis auf einem dunklen Platz im Schwarzwald oder auf der Alb bleibt, hat gute Chancen, später Sternschnuppen zu sehen.

10. Und wer’s verpasst…

…der hat nach fast genau einem Jahr wieder die Chance, die teils verdeckte Sonne zu sehen. Allerdings wird es dann weniger spektakulär. Denn am 2. August 2027 wird die Sonne am Vormittag bis zu 50 Prozent hinter dem Mond verschwinden.

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