Region (dpa/tk) – In genau einer Woche ist Sonnenfinsternis überm Südwesten. Wer sie erleben möchte, braucht nicht nur eine Schutzbrille. Zehn Tipps für Beobachter:
Wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt, erlebt Baden-Württemberg ein Naturschauspiel der besonderen Art. Während die Sonnenfinsternis in den meisten Teilen Deutschlands am Abend des 12. August nur teilweise zu sehen ist, fällt sie im Südwesten stärker aus als irgendwo sonst im Land. Nach Angaben von Astronomen werden am Mittwochabend kommender Woche rund 90 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt.
Der wichtigste Tipp lautet: einfach hier bleiben! Während der Mond in Berlin etwa 85 Prozent der Sonne verdeckt, sind es im Raum Freiburg rund 90 Prozent und in Stuttgart 89 Prozent. Damit bietet Baden-Württemberg die stärkste Verfinsterung bundesweit. Die Sonne erscheint zeitweise nur noch als schmale Sichel.
Die Sonne steht am Abend sehr tief. Deshalb dürften sich nicht alle Standorte lohnen. «Eigentlich ist nur wichtig, dass man erhöht ist und einen klaren Blick nach Westen hat», sagt der Direktor der Stuttgarter Sternwarte, Ubbo Grassmann. «Dann hat man gewonnen.»
Gut geeignet sind Aussichtspunkte auf den Höhen des Schwarzwalds oder der Schwäbischen Alb. In Städten können Hügel, Aussichtstürme oder Brücken helfen, der Schlossberg oder Schauinsland in Freiburg, der Merkur in Baden-Baden oder natürlich die Hornisgrinde. Was sich lohnen könnte: Den Blick am Vorabend einfach mal ausprobieren.
In Baden-Württemberg beginnt die Sonnenfinsternis gegen 19.20 Uhr, dann schiebt sich die dunkle Mondscheibe allmählich von rechts unten vor die Sonnenscheibe. Die genauen Zeiten hängen vom Standort ab. Ihren Höhepunkt erreicht die Sonnenfinsternis in Stuttgart um 20.15 Uhr, in Karlsruhe eine Minute und in Freiburg zwei Minuten später. Am oberen Sonnenrand bleibt dann nur noch eine schmale Sichel aus Sonnenlicht übrig. Schon gegen 20.45 Uhr verschwindet die Sonne vielerorts hinter dem Horizont, um 21.08 Uhr endet auch die partielle Finsternis.
Wer also erst zum Sonnenuntergang aufbricht, könnte den eindrucksvollsten Teil verpassen. «Nichts ist frustrierender, als wenn man in den spannendsten Momenten einen Parkplatz sucht», sagt Grassmann.
So spektakulär das Ereignis ist: Der Blick in die Sonne bleibt gefährlich. Normale Sonnenbrillen reichen da nicht aus. Benötigt wird eine geprüfte Sonnenfinsternis-Brille. Einige Planetarien und Sternwarten, aber auch Optiker im Land geben solche Brillen rund um den Beobachtungsabend aus oder haben sie bereits jetzt im Angebot. Das Planetarium in Freiburg bietet auch einen Last Minute Verkauf am 12. August von 15.00 bis 18.00 Uhr an. Wer an diesem Tag eine Vorstellung im Stuttgarter Planetarium besucht, bekommt die Brille gratis – solange der Vorrat reicht.
Als sicherste Methode gilt die indirekte Betrachtung über eine Lochkamera, die das Bild der Sonne auf einen Schirm projiziert. Hochgefährlich sind hingegen Ferngläser, Teleskope oder Kameras, wie das Bundesamt für Strahlenschutz warnt. Diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich. Im Fachhandel werden spezielle Filteraufsätze oder Folien angeboten. Die Filter müssen vor der Optik des entsprechenden Geräts angebracht werden.
Astronomen erwarten keine Dunkelheit wie bei einer totalen Sonnenfinsternis. Dennoch dürfte sich das Licht bemerkbar verändern. Gerade im Südwesten, wo die Verdeckung besonders groß ist, könnte die Landschaft kurzzeitig kühler und kontrastärmer wirken.
Selten fallen Sonnenfinsternis und Sonnenuntergang so günstig zusammen. Für Fotografen eröffnen sich dadurch natürlich ungewöhnliche Motive. Vor allem an Schwarzwaldgipfeln, auf Albhochflächen oder an Aussichtspunkten über den Städten könnte die schmale Sonnensichel kurz vor dem Verschwinden hinter dem Horizont zu sehen sein. Planetarier Grassmann rät aber vom Handy ab: «Am besten fotografiert man gar nicht, legt das Handy weg und genießt die wenigen Momente», sagt er.
Der 12. August bietet im Südwesten gleich zwei Himmelsspektakel. In derselben Nacht erreicht auch der Perseiden-Meteorstrom seinen Höhepunkt. Wer nach der Sonnenfinsternis auf einem dunklen Platz im Schwarzwald oder auf der Alb bleibt, hat gute Chancen, später Sternschnuppen zu sehen.
…der hat nach fast genau einem Jahr wieder die Chance, die teils verdeckte Sonne zu sehen. Allerdings wird es dann weniger spektakulär. Denn am 2. August 2027 wird die Sonne am Vormittag bis zu 50 Prozent hinter dem Mond verschwinden.