Billigheim-Ingelheim (/dk) – Der deutsche Weinbau steht am Abgrund. Winzer Thomas Schaurer aus Billigheim-Ingelheim bringt es auf den Punkt: „Es steht im Moment so schlimm um den deutschen Weinbau wie wahrscheinlich noch nie in seiner Geschichte. Der deutsche Weinbau steht tatsächlich in seiner jetzigen Form vor dem Aus.“ Die Gründe sind vielschichtig – das Hauptproblem: dramatisch gesunkene Erzeugerpreise bei gleichzeitig gestiegenen Produktionskosten.
Seit 25 Jahren seien die Preise für Fasswein nahezu gleich geblieben, erklärt Schaurer. Das betrifft insbesondere die Weine, die von großen Kellereien aufgekauft und für Discounter abgefüllt werden. Die letzten beiden Jahrgänge hätten die Situation verschärft: „Da haben wir noch einmal nur 75 % des Erlöses bekommen, der Preise, die wir vor 25 Jahren hatten.“
Mit Preisen von 60 Cent pro Liter bei Produktionskosten von 1,20 Euro sei kein wirtschaftliches Arbeiten mehr möglich. „Wir reden ja gar nicht von unserer eigenen Versorgung, von unseren eigenen Lebenshaltungskosten. Da geht es rein um die Kosten, die wir für unsere Mitarbeiter und die Betriebsmittel […] aufbringen müssen.“
Schaurer selbst müsste seinen Betrieb radikal verkleinern: „Ich müsste mit meiner Frau ganz klein mit nur ein paar wenigen Hektar den Betrieb aufrechterhalten. Das ginge. Aber es täte mir natürlich furchtbar leid um unsere Mitarbeiter.“ Auch ein Wechsel innerhalb der Branche sei für viele undenkbar, wenn „voraussichtlich 50 % aller Betriebe reduzieren müssen oder sogar aufgeben müssen.“
Dabei ließe sich das Problem laut Schaurer mit einer einfachen Maßnahme lindern: „Mit einer Flasche mehr auf den Pro-Kopf-Konsum bezogen […] ist die Zukunft vieler, vieler 1000 Winzerfamilien gerettet.“ Er appelliert an die Verbraucher, keine Billigangebote unter 2,99 Euro zu kaufen: „Lieber seltener und besser. Höhere Qualität und auch mit gerechten Preisen, fairen Preisen als Dumpingangebote auf dem Rücken von einer ganzen Branche.“
Die Initiative „Wein von hier“ will mit Aufklärung gegensteuern: „Die Bevölkerung hat ein Recht darauf zu erfahren, wie schlimm es um den deutschen Weinbau steht, damit sie dann frei entscheiden können.“
Die Krise betrifft nicht nur einzelne Regionen, sondern das ganze Land. „Jetzt ist es aber flächendeckend in ganz Deutschland.“ Die Zeit drängt: „Wenn die Weinlese jetzt in sechs Wochen, acht Wochen beginnt […] bedeutet das, dass von mindestens 50 bis 60 % aller Winzerfamilien in Deutschland“ drastische Einschnitte bevorstehen.