Stutensee (dk) – Ein Igel im Garten wirkt für viele erst einmal niedlich und harmlos. Doch immer häufiger sind die Tiere krank, verletzt oder viel zu dünn. Die Igelhilfe Nadelkissen Karlsruhe und Umgebung mit Sitz in Stutensee kümmert sich um solche Notfälle – ehrenamtlich, neben Beruf und Familie.
Die Igelhilfe Nadelkissen nimmt kranke und hilfsbedürftige Igel auf, die von Finderinnen und Findern gemeldet und gebracht werden. Simone Späth, zweite Vorsitzende des Vereins, beschreibt die Situation deutlich: Viele Igel seien inzwischen immer kränker, hätten Parasiten oder seien stark unterernährt, weil ihre Nahrungsquellen in der Natur nach und nach verschwinden.
Eigentlich beginnt im Sommer die Zeit, in der auch viele junge Igelwelpen Hilfe brauchen. Doch laut dem Verein ist die klassische „Igelsaison“ inzwischen fast das ganze Jahr über.
Der Grund: Viele Tiere seien zu krank oder zu dünn, um in den Winterschlaf zu gehen, und bräuchten deshalb auch im Winter Unterstützung.
Besonders schlimm werde es laut Igelhilfe in den Sommermonaten. Dann häufen sich Verletzungen durch Gartengeräte. Dazu gehören Mähroboter, Kantenschneider oder andere Geräte, die in Gärten eingesetzt werden.
Judith von Haugwitz-Malczyk, erste Vorsitzende und Gründerin des Vereins, sagt dazu: „Jetzt beginnt die wirklich schlimme Zeit für uns, wo die Tiere auch massiv verletzt sind durch sehr unachtsamen Umgang mit Gartengeräten, wo dann schlimmste Verletzungen da sind.“
Typische Verletzungen entstehen nach Einschätzung des Vereins unter anderem durch Mähroboter. Wenn Stacheln abgeschnitten oder gekürzt sind, könne das ein Hinweis darauf sein, dass ein Igel unter ein solches Gerät geraten ist. Auch Autounfälle, Fahrradunfälle oder Stürze von Mauern kommen vor.
Igel leben nicht, wie viele vielleicht denken, hauptsächlich im Wald. Judith von Haugwitz-Malczyk erklärt, dass Igel sogenannte Kulturfolger sind. Sie halten sich also häufig in der Nähe von Menschen auf.
In Gärten finden sie im besten Fall Insekten, Komposthaufen, Laub, Gebüsch und andere Verstecke. Gleichzeitig sind viele Gärten heute für Igel schwer erreichbar, etwa durch geschlossene Zäune. Dabei brauchen die Tiere große Reviere und müssen weite Strecken zurücklegen, um Nahrung zu finden.
„Wir haben ja die Natur entsprechend so verändert, dass die Tiere sich eben nicht mehr versorgen können“, sagt Judith von Haugwitz Malczyk. Deshalb sei es aus Sicht des Vereins wichtig, Igel zu unterstützen und gleichzeitig die Ursachen anzugehen.
Wer Igeln helfen möchte, kann im eigenen Garten viel tun. Simone Späth empfiehlt, Igel zuzufüttern. Geeignet seien zum Beispiel Katzentrockenfutter, Katzennassfutter oder getrocknete Würmer. Wichtig sei außerdem immer ein Schälchen Wasser – nicht nur für Igel, sondern auch für andere Wildtiere.
„Durch das Insektensterben haben Igel ganzjährig eigentlich Nahrungsnot und sind immer auf der Suche“, sagt Simone Späth.
Auch ein naturnaher Garten hilft: nicht zu oft mähen, heimische Pflanzen setzen, wilde Ecken stehen lassen, Laub oder Geäst unter Gebüschen liegen lassen. Der Garten müsse nicht komplett verwildern, aber ein paar unaufgeräumte Bereiche könnten für Igel sehr wertvoll sein.
Wichtig sind außerdem kleine Durchgänge in Zäunen. Simone Späth nennt sogenannte Igeltore, damit die Tiere von Garten zu Garten wandern können. Bei Teichen oder anderen Wasserstellen sollten Barrieren oder Ausstiegshilfen angebracht werden, damit Igel nicht hineinfallen und ertrinken.
Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, sollte ernst genommen werden. Igel sind eigentlich nachtaktiv. Zwar könne es Ausnahmen geben, etwa bei extremer Hitze oder in der Paarungszeit. Trotzdem rät die Igelhilfe: lieber einmal nachfragen.
„Also eigentlich kann man sagen, ein tagaktiver Igel kann per se schon nicht gesund sein“, sagt Judith von Haugwitz-Malczyk.
Alarmzeichen sind Husten, Schnupfen, Taumeln, ein sehr dünner Körper, viele Fliegen, Zecken oder Flöhe auf dem Tier. Auch wenn ein Igel tagsüber in der Sonne liegt und kaum noch laufen kann, ist das laut Verein ein klarer Notfall.
Wer einen hilfsbedürftigen Igel findet, sollte ihn sichern. Das geht zum Beispiel mit einem Schal oder Tuch. Danach sollte der Igel in einen ausreichend hohen Karton gesetzt werden. Anschließend kann die Igelhilfe kontaktiert werden.
Die Igelhilfe Nadelkissen wurde im Mai vergangenen Jahres gegründet. Vorsitzende Judith von Haugwitz Malczyk hatte sich zuvor bereits sieben Jahre lang privat um Igel gekümmert. Irgendwann wurde die Zahl der Anfragen zu groß – daraus entstand die Idee, sich mit anderen zusammenzutun.
Die Tiere werden untersucht, teilweise bekommen sie Infusionen oder Medikamente. Der Verein macht auch Kotuntersuchungen unter dem Mikroskop, um Parasiten gezielt zu erkennen. Judith von Haugwitz-Malczyk betont, dass nicht einfach auf Verdacht entwurmt werde, sondern nach Befund.
Wenn die Igel gesund sind, werden sie wieder ausgewildert.
Wer die Igelhilfe unterstützen möchte, kann Mitglied werden, Pflegestelle werden oder spenden. Informationen gibt es auf der Website des Vereins.
Besonders gesucht werden Pflegestellen. Außerdem hilft der Verein Finderinnen und Findern teilweise dabei, weniger schwer kranke Igel unter Anleitung selbst zu pflegen.
Neben Geldspenden gibt es auch eine Amazon-Wunschliste für medizinisches Verbrauchsmaterial und Dinge, die in der täglichen Pflege gebraucht werden.