So bekämpft die Stadt Karlsruhe die invasiven Ameisen

13. Mai 2026 , 15:57 Uhr

Karlsruhe (dk) – Sie sind klein, aber für viele Menschen in Karlsruhe längst ein großes Problem: invasive Ameisen. Vor allem in Neureut ist der Befall stark. Jetzt beginnt die Stadt intensiver mit der Bekämpfung – unter anderem mit einem Heißwasserdampfgerät, das die Ameisen direkt im Boden abtöten soll. Vorgeführt wurde das Gerät in Neureut, in der größten Ameisenkolonie, die es laut Stadt derzeit in Karlsruhe gibt.

Heißer Dampf gegen die Ameisen im Boden

Karen Eßrich ist städtische Koordinatorin zur Bekämpfung der Ameise. Sie erklärt, was bei der Vorführung in Neureut gemacht wurde:

„Dieses Heißwasser-Dampfgerät erzeugt sehr heißes Wasser bzw. Dampf. Ungefähr 130 Grad heiß. Und dieses Heißwasser wird dann in den Boden eingebracht zur Tötung der Ameise. Der Wasserdampf kann natürlich sehr weit auch in den Erdboden dringen und tatsächlich auch das gesamte Nest erfassen, sodass wir hoffen, dass dann die Ameise auch zumindest an dieser Stelle hier besiegt ist.“

Das Ziel ist also, die Nester möglichst tief und vollständig zu erreichen. Gerade bei großen Kolonien ist das wichtig, weil sich die Ameisen über größere Flächen ausbreiten können.

Erfahrungen aus Kehl haben überzeugt

Die Stadt Karlsruhe hat sich nach ersten Erfahrungen mit einem solchen Gerät für den Einsatz entschieden. Karen Eßrich berichtet, dass sie Eindrücke aus Kehl mitgenommen hat:

„Die ersten Erfahrungen mit diesem Gerät, was jetzt die Stadt Karlsruhe beschafft hat, konnten wir in Kehl sammeln. Da ist ein Heißwassergerät in Betrieb und bei einem Praxisworkshop wurden da verschiedene Geräte ausprobiert. Und da hat mich dieses Gerät sehr überzeugt.“

In Neureut wird die Bekämpfung mehrere Jahre dauern

Auch wenn das Gerät laut Eßrich bei der Tötung der Ameisen effizient ist, wird das Problem nicht sofort verschwinden. Besonders in Neureut ist der Befall groß.

„Also in der Tötung der Ameise ist dieses Gerät sehr effizient. Es dauert natürlich seine Zeit. Von daher sage ich auch hier in Neureut werden wir sicherlich mehrere Jahre brauchen, um einigermaßen Erfolg zu haben. Wir hoffen natürlich, dass nach einem Jahr die Bürgerinnen und Bürger schon erträglicher leben können mit den Ameisen. Aber von einer Auslöschung werden wir noch nicht sprechen können. Aber in den kleineren Gebieten schaffen wir es auf alle Fälle, an einem halben Tag dann auch die Fläche zu bekämpfen, die befallen ist. “

In Karlsruhe sind aktuell acht Stadtteile betroffen. Besonders stark ist die Lage in der Oststadt und in Neureut. Dort ist laut Eßrich von einer sogenannten Superkolonie die Rede.

Alltag für Anwohner stark belastet

Für die Menschen in den betroffenen Gebieten ist der Befall nicht nur lästig. Viele müssen im Alltag dauerhaft gegen die Ameisen vorgehen. Eßrich schildert die Situation so:

„Ja, die Anwohner, die jetzt hier wirklich schon seit Jahren unter der Ameise leiden, die berichten hier tatsächlich, dass sie mit den Nerven am Ende sind. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, einfach weil die Ameise in einer solchen Vielfalt auftritt, dass man auch während des Sommers und und Frühlings des Warmen wirklich tagtäglich bekämpfen muss, damit sie nicht ins Haus dringt. Und auch Gärten sind wenig nutzbar, weil sie da auch in einer Vielzahl auftritt, so dass man sich gar nicht in den Garten setzen mag, weil die Ameise einfach da präsent ist. Also das kann einem sehr auf die Nerven gehen, das kann ich sehr gut verstehen.“

Warum die invasiven Ameisen problematisch sind

In der Region breiten sich unter anderem die Arten Tapinoma magnum und Lasius neglectus aus. Sie vermehren sich schnell und bilden große zusammenhängende Kolonien. Anders als heimische Ameisen können in diesen Verbünden mehrere Königinnen leben. Dadurch wachsen die Kolonien weiter zusammen.

Die Tiere können außerdem Infrastruktur beschädigen. Sie nisten sich in Mauern ein, unterhöhlen Gehwege, Gleise und Bahnsteige. Auch Stromverteilerkästen können betroffen sein, weil die Ameisen warme Orte aufsuchen. Durch eingetragenes Material und Feuchtigkeit kann es dort zu Störungen kommen.

So könnt Ihr vorbeugen

Ein wichtiger Weg, die Ausbreitung zu bremsen, ist Aufmerksamkeit beim Pflanzenkauf. Karen Eßrich rät:

„Um sich die Ameise nicht ins Haus zu holen, reicht eigentlich ein ganz einfacher Tipp: Sie müssen einfach darauf achten, welche Pflanzen Sie sich in Ihren Garten einpflanzen. Sie sollten wirklich darauf achten, in Pflanzenverkaufsstellen, dass Pflanzen nicht befallen sind von Ameisen. Wenn das der Fall ist, kommt die Ameise auch nicht zu Ihnen ins Haus. Das ist die beste Prävention, die tatsächlich auch jeder machen kann.“

Auffällig sind bei den invasiven Ameisen vor allem große Mengen, lange Ameisenstraßen und eine hohe Aktivität über den Tag. Bei Tapinoma magnum kommt laut Eßrich noch ein besonderer Geruch dazu:

„Wenn man eine Ameise erwischt und in den Fingern zerreibt, dann hat sie einen sehr eigentümlichen Geruch. Sie riecht ein bisschen nach Eukalyptus, Pfefferminz, Gummibärchen. Also so ein Geruch kennt man nicht und dadurch weiß man relativ gut, dass es die Tapinoma Magnum ist“.

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