Schwere IT-Panne: 1.440 unbesetzte Lehrerstellen im Südwesten entdeckt

17. Juli 2025 , 07:37 Uhr

Baden-Württemberg (dpa/dk) – Lehrerinnen und Lehrer sind ohnehin schon Mangelware im Südwesten – doch nun wird das Problem noch größer als gedacht: Durch eine gravierende IT-Panne hat das Kultusministerium in Stuttgart entdeckt, dass 1.440 Lehrerstellen über Jahre hinweg fälschlicherweise als besetzt gemeldet wurden, obwohl sie tatsächlich unbesetzt geblieben sind.

Fehler reicht bis 2005 zurück

Der Ursprung der Panne liegt bereits im Jahr 2005. Damals wechselte die Kultusverwaltung das Programm zur Personal- und Stellenverwaltung der Lehrkräfte. «Derzeit gehen wir davon aus, dass bereits bei der Datenübertragung ein Fehler passiert sein muss», teilte das Ministerium mit. Seither wurden die Stellenzahlen jährlich fortgeschrieben, aber nie komplett neu ermittelt.

Zusätzlich führten Programmierungsfehler beim Landesamt für Besoldung sowie manuelle Nachbearbeitungen in der Verwaltung dazu, dass die Zahl der scheinbar besetzten Stellen jedes Jahr weiter wuchs – um rund 80 bis 100 Stellen pro Jahr.

1.440 Stellen tatsächlich frei

Durch Einzelfälle von Unstimmigkeiten wurde der Fehler schließlich aufgedeckt. Eine komplette Neubewertung der Daten mit einem neuen Programm zeigte: Es gibt 1.440 unbesetzte Lehrerstellen, die bislang als belegt galten. Diese Stellen sollen nun schnellstmöglich besetzt werden, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern.

Das Kultusministerium betonte, dass keine Steuergelder verloren gegangen seien. Der Sprecher nannte eine Summe von 110 bis 120 Millionen Euro pro Jahr, die diese Stellen theoretisch kosten würden. Das Geld sei jedoch nie abgeflossen und deshalb nicht im Haushalt aufgefallen.

Kultusministerin reagiert schockiert

Kultusministerin Theresa Schopper hat eine rasche Aufklärung der schweren IT-Panne angekündigt. Man werde mit «Volldampf» aufarbeiten, warum so lange niemand gemerkt habe, sagte die Grünen-Politikerin dem SWR.

Die Aufarbeitung und die Suche nach einem Schuldigen sei aber nicht so einfach wie in der Krimiserie Tatort, so Schopper. Es gebe 4.500 Schulen im Land und 130.000 Köpfe, die sich auf 95.000 Stellen verteilten. Herr Maier und Frau Schulze würden nicht immer eins zu eins nachbesetzt, sondern es gebe Schwangerschaftsvertretungen, längere Krankheiten, Renteneintritte, die Reduzierung von Stunden.

Arbeitsgruppe zur Vermeidung künftiger Fehler

Um ähnliche Pannen künftig zu vermeiden, wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die gemeinsam mit dem Finanzministerium und unter Begleitung des Rechnungshofs die Ursachen analysieren und beheben soll. Ziel ist es, die Zuordnung von Stellen zu den Beschäftigten dauerhaft korrekt sicherzustellen.

Laut Ministerium sei ausgeschlossen, dass ähnliche Probleme auch in anderen Bereichen der Landesverwaltung auftreten. «Diese besondere Problemstellung gibt es nur im Bereich der automatisierten Poolstellenverwaltung bei der Kultusverwaltung», hieß es.

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