Baden-Württemberg (dpa/dk) – Sonnenschirme unter Bäumen, ein millionenteurer Radweg-Umbau und eine besonders teure Fußgängerbrücke: Der Bund der Steuerzahler hat sein neues Schwarzbuch vorgestellt. Neun Fälle aus Baden-Württemberg stehen darin in der Kritik – darunter auch die geplanten World Games in Karlsruhe.
Auch die geplanten World Games 2029 in Karlsruhe stehen im Schwarzbuch des Steuerzahlerbunds. Der Verband kritisiert vor allem, dass sich die Stadt in einer finanziell angespannten Lage ein internationales Sportgroßereignis dieser Größenordnung leistet.
Karlsruhe muss seit Jahren sparen und steht unter erheblichem Haushaltsdruck. Gleichzeitig hat sich die Stadt die World Games gesichert, bei denen mehr als 4.000 Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt in rund 30 nicht-olympischen Sportarten antreten sollen.
Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler sollen für die Veranstaltung insgesamt knapp 111 Millionen Euro an Steuermitteln bereitgestellt werden. Die Gesamtkosten beziffert der Verband auf rund 120 Millionen Euro.
Aus Sicht des Steuerzahlerbunds passt ein solches Großereignis deshalb nur schwer zur aktuellen Finanzlage der Stadt.
Unter der Überschrift „Skurril“ beschäftigt sich der Steuerzahlerbund mit dem Hitzeaktionsplan der Stadt Stuttgart.
Für Sonnenschirme, Sonnensegel und Sitzblöcke gab die Stadt im Sommer 2025 laut Verband rund 350.000 Euro aus. Kritisiert wird unter anderem ein Sonnenschirm auf dem Marktplatz in Botnang, der direkt unter einer Platane aufgestellt worden sei.
Die Stadt Stuttgart erklärt dazu, die Position sei auf Wunsch der Marktbeschicker gewählt worden. Der Schirm habe am Nachmittag zusätzlich Schatten gespendet – wenn auch nur mit „reduziertem, aber vorhandenem Nutzen“.
Auch die lange Sanierung des bekannten Café Planie in Stuttgart steht im Schwarzbuch.
Das Gebäude wird laut Steuerzahlerbund seit 2020 nicht mehr bewirtschaftet. Der Verband kritisiert wiederholte Verzögerungen und die daraus entstandenen Pachtausfälle für das Land.
Das Finanzministerium hält dagegen: Die Sanierung sei notwendig gewesen, um das Gebäude wieder vermieten zu können. Verzögerungen habe es unter anderem wegen Lieferengpässen gegeben. Im Sommer 2026 seien die Arbeiten abgeschlossen worden.
Kritik gibt es auch an einem Radweg zwischen Aidlingen und Böblingen. Auf einer Strecke von 370 Metern wurde der Weg so umgebaut, dass die Steigung von 17 auf sieben Prozent reduziert wurde.
Die Kosten lagen laut Steuerzahlerbund bei einer Million Euro. Der Verband verweist dabei auf Stimmen von Radfahrern, die den Umbau für nicht notwendig gehalten hätten.
Eine Stellungnahme des zuständigen Landkreises Böblingen lag laut dpa zunächst nicht vor.
Auch der Franklin-Steg in Mannheim ist Teil des Schwarzbuchs. Die 50 Meter lange Rad- und Fußgängerbrücke kostete am Ende 9,2 Millionen Euro – ursprünglich waren 5,9 Millionen Euro geplant.
Rechnerisch seien das 184.000 Euro pro Brückenmeter. Der Steuerzahlerbund hält die Verbindung grundsätzlich für sinnvoll, kritisiert aber die aufwendige Ausführung.
Die Stadt Mannheim verteidigt das Projekt. Die Brücke sei als technologisch innovatives und klimaschonendes Pilotprojekt geplant worden und habe Erkenntnisse für weitere Brückenbauprojekte liefern sollen.
Einen Fall bewertet der Steuerzahlerbund ausdrücklich positiv: In Stuttgart wurde die Idee für einen großen Schriftzug auf dem Marktplatz aufgegeben.
Die CDU-Fraktion im Gemeinderat hatte einen Stuttgart-Schriftzug als Selfie-Hotspot vorgeschlagen. Die Kosten sollten bei rund 470.000 Euro liegen.
Nach Kritik wurde das Vorhaben fallengelassen. Der Steuerzahlerbund spricht von einer „guten und richtigen Entscheidung“.
Der Bund der Steuerzahler ist ein privater Verein, der sich unter anderem für einen aus seiner Sicht effizienten Umgang mit Steuergeld und solide Staatsfinanzen einsetzt.
Das jährlich veröffentlichte Schwarzbuch ist allerdings selbst umstritten. Kritiker werfen dem Verband vor, spektakuläre Einzelfälle hervorzuheben, dabei aber teilweise den Kontext zu verkürzen und kein repräsentatives Bild öffentlicher Ausgaben zu zeichnen.
Auch in diesem Jahr widersprechen mehrere der genannten Städte und Behörden der Einschätzung des Verbands und begründen ihre Entscheidungen mit praktischen, baulichen oder langfristigen Zielen.