Südwesten (svs/dpa) – Nach gut sechs Wochen Sommerferien beginnt am Montag für rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg wieder der Unterricht. Auch etwa 140.000 Lehrkräfte kehren in die Klassenzimmer zurück. Zum neuen Schuljahr gibt es einige Änderungen – gleichzeitig bleiben bekannte Probleme bestehen.
Eine der größten Neuerungen betrifft die rund 110.000 Erstklässlerinnen und Erstklässler im Land. Sie haben ab diesem Schuljahr einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung.
Vorgesehen sind mindestens acht Stunden Betreuung am Tag. Der Anspruch gilt grundsätzlich auch während der Ferien. Allerdings darf die Betreuung an bis zu 20 Werktagen im Jahr geschlossen bleiben.
Besucht ein Kind keine Ganztagsschule, sind die Kommunen für die Betreuung am Nachmittag zuständig.
Wie gut Angebot und Nachfrage zusammenpassen, ist bislang nicht klar. Nach Angaben des Gemeindetags reichen die vorhandenen Angebote in einigen Kommunen aus, während sich andernorts Engpässe abzeichnen.
Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert außerdem verbindliche Qualitätsstandards für die Betreuung.
Neu sind auch die sogenannten Juniorklassen. Sie sind Teil des Ausbaus der Sprachförderung im Land.
Nach Angaben des Kultusministeriums handelt es sich dabei um ein verpflichtendes Schuljahr vor der Grundschule für Kinder, die nicht ausreichend Deutsch sprechen oder andere Entwicklungsdefizite haben.
Zum neuen Schuljahr werden die bisherigen Grundschulförderklassen in Juniorklassen umgewandelt. Bis zum Schuljahr 2028/2029 soll ihre Zahl auf landesweit 832 steigen.
Dann soll der Besuch einer Juniorklasse verpflichtend werden. Bis dahin entscheiden die Eltern, ob sie einer entsprechenden Empfehlung für ihr Kind folgen.
Nach den hohen Temperaturen im vergangenen Sommer sollen auch die Hitzefrei-Regeln an Baden-Württembergs Schulen überarbeitet werden.
Kultusminister Andreas Jung (CDU) hatte Ende Juni angekündigt, die Vorgaben verbindlicher machen zu wollen. Schulen sollen demnach ab einer bestimmten Temperatur nicht nur Hitzefrei geben können, sondern dazu verpflichtet sein.
Außerdem soll künftig nicht mehr die Temperatur auf dem Schulhof entscheidend sein, sondern die Temperatur im Klassenzimmer.
Bis zum kommenden Sommer sollen landesweit klarere Regeln gelten. Im Herbst sollen Schüler, Eltern, Ausbildungsbetriebe und Kommunen in die Überlegungen einbezogen werden.
Auch zum neuen Schuljahr dürfte die Lehrerversorgung viele Schulen beschäftigen. Wie viele Stellen aktuell unbesetzt sind, will Kultusminister Jung am Donnerstag bekanntgeben.
Die GEW geht bereits jetzt davon aus, dass es an einigen Schulen und Schularten erneut zu Unterrichtsausfällen kommen wird. Besonders schwierig sei die Situation an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, kurz SBBZ.
Nach Einschätzung der Gewerkschaft könnten viele dieser Schulen erneut mit weniger als 80 Prozent der benötigten Lehrkräfte besetzt sein.
Zum Schuljahresbeginn 2025 hatten landesweit 1.159 Lehrerinnen und Lehrer gefehlt. Ein Grund dafür war, dass kurz vor den Sommerferien bekannt geworden war, dass 1.440 Lehrerstellen wegen eines Softwarefehlers offenbar über Jahre unbemerkt unbesetzt geblieben waren. Zum Vergleich: 2024 waren zum Schulstart 250 Stellen offen, 2023 waren es 565.