Karlsruhe (dk) – Ein Stück Karlsruher Innenstadtgeschichte verschwindet von der Kaiserstraße: Schirm Weinig schließt noch in diesem Monat. Inhaber Stefan Wallbaum spricht von schwierigen Jahren, vielen äußeren Umständen und einem Abschied, der emotional ist – aber für ihn und seine Frau inzwischen auch eine Erleichterung bedeutet.
Schirm Weinig ist vielen Karlsruherinnen und Karlsruhern ein Begriff. Seit Generationen gehört das Geschäft zur Kaiserstraße. Jetzt steht das Ende bevor.
Für ihn ist die Schließung das Ergebnis einer langen Entwicklung. Es seien vor allem äußere Umstände gewesen, sagt er. „Das ist eine Verkettung von vielen Dingen, letzten Endes.“
Angefangen habe vieles mit den Plänen für den U-Bahn-Bau in Karlsruhe. Als es losgegangen sei, habe auf der Kaiserstraße bereits „so ein kleines Sterben der Geschäfte“ stattgefunden, sagt Wallbaum. Nach zwei Jahren habe es dort schon zwischen 30 und 40 Prozent weniger Geschäfte gegeben.
Dann habe sich alles in die Länge gezogen. Danach kam Corona. Auch diese Zeit sei für Schirm Weinig schwierig gewesen. Als letzten Punkt nennt Wallbaum den geplanten Rückbau der Schienen vor dem Laden im Jahr 2027.
„Und da meine Frau und ich jetzt auch in einem Alter sind. Das mit der Rente nahe kommen, haben wir uns entschieden, Schluss zu machen mit der ganzen Geschichte.“
Die Geschichte von Schirm Weinig reicht 186 Jahre zurück. Stefan Wallbaum ist die fünfte Generation im Unternehmen. Firmengründer war Andreas Weinig. Danach wurde das Geschäft über mehrere Generationen weitergeführt. Über die Familie seiner Mutter kam Wallbaum schließlich selbst in die Firma.
„Ja, 186 Jahre ist eine lange Zeit. Da hängt natürlich auch viel Herzblut drin in der ganzen Geschichte“, sagt er.
Dass nun ausgerechnet seine Generation abschließen muss, sei im ersten Moment ein emotionaler Tiefgang gewesen. Gleichzeitig blickt Wallbaum auch auf die Zeit danach. Ein Nachfolger sei schwer zu finden gewesen, sagt er. Die eigenen Kinder wollten das Geschäft nicht übernehmen. Aus seiner Sicht sei das auch nachvollziehbar.
Wallbaum beschreibt die Arbeit im Einzelhandel als anstrengend. In seinem eigenen Laden stehe man sechs Tage die Woche acht bis neun Stunden täglich. Das passe für viele jüngere Menschen nicht mehr zum heutigen Bild von Arbeit und Freizeit.
„Da sind dann 50/60 Stunden Arbeit die Woche nicht unbedingt angesagt“, sagt er.
Nachdem die Nachricht von der Schließung bekannt wurde, habe es viele Reaktionen gegeben. Wallbaum berichtet von einer großen Resonanz und davon, dass sich viele Karlsruher Bürgerinnen und Bürger über die Situation auf der Kaiserstraße geäußert hätten.
Gleichzeitig hätten viele das Geschäft noch einmal unterstützt. Für den Räumungsverkauf sei das wichtig. Er und seine Frau seien für die Unterstützung dankbar.
Dass Menschen grundsätzlich keinen Wert mehr auf gute Schirme legen, sieht Wallbaum nicht als Hauptproblem. Hochwertige Ware sei immer verkauft worden. Entscheidend seien eher die Umstände, unter denen verkauft werde.
Besonders während der Corona-Zeit habe man die „Flucht ins Internet“ deutlich gespürt. Fünf Monate lang musste das Geschäft schließen. Danach hätten sich viele Menschen online mit Waren eingedeckt.
„Und das ist eine Entwicklung, die ist nicht mehr aufzuhalten“, sagt Wallbaum. Viele Menschen würden immer häufiger einfach das Handy in die Hand nehmen und Dinge bestellen.
Neben den Veränderungen in der Innenstadt und im Kaufverhalten nennt Wallbaum auch die Klimaänderung als Faktor. Die Sommer würden länger und heißer. Für ein Geschäft, das Regenschirme verkauft, sei das nicht gerade hilfreich.
Wenn die Tür in wenigen Wochen endgültig schließt, erwartet Wallbaum vor allem Erleichterung. Der Druck sei über Jahrzehnte immer wieder da gewesen. Als kleines Unternehmen müsse man jeden Monat schauen, ob genug Geld hereinkommt.
Für die Zeit danach haben er und seine Frau bereits Pläne: „Wir werden in Ruhestand gehen. Meine Frau und ich. Und wir haben Enkelkinder, die auf uns warten. Und ich glaube, das werden wir genießen.“
Für die Karlsruher Kaiserstraße wünscht sich Wallbaum wieder mehr Einkaufskultur. Diese sei seiner Meinung nach verloren gegangen durch schnelle Vermietungen und häufige Wechsel.
Er beschreibt Geschäfte, die nur kurz bleiben: „Das tut ja alles für eine vernünftige Einkaufsstraße nicht gut.“
Mit Schirm Weinig verliert die Kaiserstraße nun ein Geschäft, das über viele Jahrzehnte fest zum Stadtbild gehört hat.kar