Mannheim/Heidelberg (dpa/dk) – Blockierte Feuerwehrzufahrten, zugeparkte Radwege oder Autos ohne gültigen Parkschein – sogenannte Scan-Autos sollen die Parkraumkontrolle deutlich effizienter machen. In Heidelberg und Mannheim lief ein Pilotprojekt mit moderner Kennzeichenerfassung. Die Bilanz fällt positiv aus.
In Heidelberg war ein Scan-Fahrzeug vom 17. Oktober bis 2. November im Einsatz. Innerhalb von knapp 33 Fahrstunden wurden laut Verkehrsministerium und Stadt 2.886 Parkverstöße festgestellt, darunter 383 Falschparker.
Das Fahrzeug war in der Altstadt und in der Bahnstadt unterwegs. Im Schnitt erkannte das System rund 1,5 Verstöße pro Minute. Damit sei das Scan-Auto mindestens zwölfmal so effektiv wie eine Fußstreife mit zwei Personen, heißt es.
Knöllchen wurden in Heidelberg allerdings noch nicht verteilt. Ziel war zunächst vor allem die Kontrolle von Fahrzeugen ohne gültige Parkerlaubnis, etwa ohne digitalen Parkschein oder Anwohnerausweis.
Verkehrsminister Winfried Hermann erklärte: „Bereits bei ihrem ersten Einsatz im Stadtgebiet konnten die Scan-Fahrzeuge voll überzeugen.“ Der Versuch zeige, dass digitale Parkraumkontrolle deutlich schneller und kostengünstiger sei als herkömmliche Kontrollen zu Fuß.
In Mannheim ging man einen Schritt weiter. Die Stadt setzte das Scan-Auto sechs Wochen lang ein – und verteilte dabei als erste Kommune in Baden-Württemberg tatsächlich Strafzettel.
Sicherheitsdezernent Volker Proffen zog eine positive Bilanz: „Der Test hat deutlich gezeigt, dass die Technik Potenzial hat, dieses Ziel zu erreichen.“ Ziel sei es gewesen, den ruhenden Verkehr effektiver zu überwachen und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
Künftig könnten laut Stadt bis zu 50 sicherheitsrelevante Verstöße pro Stunde erfasst werden – je nach Ort und Tageszeit. Schwerpunkt des Tests war der Stadtteil Neckarstadt. Kontrolliert wurden unter anderem Parken am rechten Fahrbahnrand, zu nah an Kreuzungen, auf Gehwegen oder Sperrflächen sowie im absoluten Halteverbot.
Mannheim plant, das Scan-Auto dauerhaft einzusetzen – zunächst vor allem in Quartieren mit wenig Parkraum. Vorerst sollen ausschließlich sicherheitsrelevante Verstöße verfolgt werden. Fahrzeuge ohne gültigen Parkschein („Schwarzparker“) sollen erst kontrolliert werden, wenn die Parkautomaten auf die Eingabe von Kennzeichen umgestellt sind.
In Heidelberg ist eine endgültige Entscheidung über den dauerhaften Einsatz noch offen. Laut Mobilitätsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain funktionierte die Technik zuverlässig. Zudem konnten Falschparker-Hotspots identifiziert werden, deren Daten künftig für das Verkehrsmanagement genutzt werden könnten.
Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland eine rechtliche Grundlage für den Einsatz von Scan-Autos geschaffen. Neben Mannheim und Heidelberg nutzen oder planen auch andere Städte die Technik. Waldshut-Tiengen setzt seit Kurzem ein Scan-Auto ein, Freiburg plant die Teilnahme am Pilotprojekt.
Die digitale Parkraumkontrolle könnte damit bald in mehreren Städten im Südwesten zum Alltag gehören.