Safer Internet Day: Digitale Teilhabe von Kindern braucht souveräne Begleitung

10. Februar 2026 , 05:20 Uhr

Region (tk) – Australien hat’s vorgemacht und auch in Deutschland wurde darüber diskutiert: Ein Social Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Doch pauschale Nutzungsverbote lösen die Probleme nicht, sagen die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke.

In Kommunikation bleiben

Der Safer Internet Day am heutigen Dienstag macht weltweit auf die Chancen und Risiken digitaler Medien aufmerksam. Damit rückt er auch in Deutschland eine Realität in den Fokus, die viele Familien betrifft. In einer bundesweiten Befragung von 1.312 Erwachsenen spricht sich eine große Mehrheit für klare Altersgrenzen aus. Ein eigenes Smartphone für die eigenen Kinder wird demnach ab etwa zwölf Jahren als angemessen angesehen, der Zugang zu sozialen Medien eher ab 14 Jahren.

Inka Peters, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke, ist überzeugt: „Bei einem Tablet, einem PC oder einem Smartphone geht es nicht um potenziell gefährliche Luxusartikel, sondern darum, soziale Teilhabe in der Schule, bei Hobbys und mit Freunden zu ermöglichen.“

Eine Untersuchung des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) bestätigt die Einschätzung, dass pauschale Verbote an der Lebensrealität junger Menschen vorbeigehen. Die befragten Jugendlichen benennen hier Risiken sozialer Medien sehr konkret: manipulative Algorithmen, Suchtmechanismen, sexualisierte Inhalte, Hass und Gewalt. Trotz dieser realen Gefahren lehnen sie generelle Verbote überwiegend ab.

Digitale Kanäle sichern Kindern soziale Teilhabe.

Diesen Aspekt sieht Peters in der Kinder- und Jugendhilfe in besonderem Maße: Voraussetzung für einen förderlichen, gesunden Umgang mit digitalen Medien ist Aufklärung über Chancen und Risiken – verstanden als kontinuierlicher Dialog mit den schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen, der auch gezielte Kontrolle einschließt. „Digitale Medien gehören heute zur Lebenswelt von Kindern. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei nicht allein zu lassen”, sagt Inka Peters.

In der pädagogischen Praxis der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer bedeutet das konkret, dass die Mediennutzung altersabhängig geregelt und zeitlich begrenzt wird – orientiert an fachlichen Empfehlungen und den individuellen Entwicklungsständen der Kinder. Feste Medienzeiten, klare Absprachen und regelmäßige Gespräche über Inhalte, Risiken und Grenzen gehören zum pädagogischen Alltag.

Zur Offenheit und Aufklärung gegenüber den Jugendlichen gehört aber auch eine gelebte Vorbildfunktion. „Unsere Erzieher*innen sind angehalten, das Smartphone in ihrem beruflichen Alltag nur bewusst für die Erfüllung bestimmter Aufgaben einzusetzen. Eine ‘Always-online-Mentalität‘ leben wir bewusst nicht vor“, ergänzt Heiner Koch, Geschäftsführender Vorstand des Albert-Schweitzer-Familienwerk Bayern e.V. und Vorsitzender des Bundesvorstandes.

Cybergrooming, Abhängigkeiten und soziale Überforderung

Wie real die Risiken sind, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: In einer Einrichtung entwickelte ein zwölfjähriges Mädchen über eine Messenger-App Kontakt zu einem deutlich älteren Mann, der sich als Jugendlicher ausgab. Durch das aufmerksame und verantwortungsvolle Handeln eines pädagogischen Mitarbeiters konnte die Situation rechtzeitig erkannt werden. Das Jugendamt wurde informiert und es wurde Anzeige erstattet. Der Vorfall wurde als Cybergrooming eingeordnet und strafrechtlich verfolgt

Medienerziehung ist ein fortlaufender Prozess

Der Safer Internet Day macht deutlich: Kinderrechte in der digitalen Welt bedeuten nicht nur Zugang zu Technik, sondern auch Schutz, Beteiligung und verlässliche Begleitung. Gerade für Kinder in schwierigen Lebenslagen braucht es Erwachsene, die hinschauen, begleiten und Verantwortung übernehmen – online wie offline.

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