„Rulantica“-Prozess: Familie des Mädchens kämpft bis heute mit den Folgen

11. Februar 2026 , 14:49 Uhr

Rust (dpa/dk) – Im Prozess um die mutmaßliche Entführung und den Missbrauch eines Mädchens im Erlebnisbad „Rulantica“ in Rust sind jetzt bewegende Details bekannt geworden. Vor dem Landgericht Freiburg schilderte der Vater des Kindes die verzweifelte Suche nach seiner Tochter – und erhob schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Bades und die Polizei.

Stundenlange Suche im Erlebnisbad

Der 41-Jährige berichtete vor Gericht von einer mehr als dreistündigen Suche nach seinem Kind. Immer wieder habe er die Aufsicht im Bad um Hilfe gebeten. „Die waren alle völlig uninteressiert, es wurde auch nichts weitergegeben“, sagte der Vater.

Videoaufnahmen seien trotz seiner Bitte nicht gesichtet worden. Auch die Security und die Kasse am Ausgang seien nicht informiert worden. Erst nach rund vier Stunden kam die erlösende Nachricht: Das Mädchen wurde gefunden – es lebt.

Der Europa-Park teilte auf Anfrage mit, man äußere sich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren.

Angeklagter sitzt nur wenige Meter entfernt

Während der Vater aussagte, saß der 31-jährige Angeklagte nur wenige Meter entfernt im Gerichtssaal. Er soll das Mädchen aus dem Erlebnisbad gelockt und in einem Maisfeld sexuell missbraucht haben. Zuvor hatte er die Tat gestanden.

Zu Details und offenen Fragen, etwa zu seinem Motiv, will er sich im weiteren Verlauf des Prozesses äußern.

Dem Mann werden unter anderem sexueller Missbrauch von Kindern, sexuelle Nötigung und versuchte gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

„Sie ist nicht mehr dieselbe“

Die Tat hat das Leben der Familie nachhaltig verändert. „Sie lebt, aber sie ist nicht mehr dieselbe“, sagte der Vater über seine Tochter.

Das Mädchen sei seitdem schüchtern geworden, schlafe nicht mehr alleine und habe sich am ersten Schultag „wie ein Baby benommen“. Erst wenn sie „so groß ist wie der Mann“, wolle sie wieder in das Erlebnisbad gehen. Dann könne er ihr nichts mehr tun, habe sie gesagt.

Auch der Vater selbst wird psychologisch betreut. Er könne seitdem nicht mehr arbeiten und habe seinen Job als Postbote nach zwölf Jahren verloren. Seine Frau erhält ebenfalls professionelle Hilfe.

Fall sorgte bundesweit für Entsetzen

Der Fall hatte im Sommer 2025 bundesweit für Entsetzen gesorgt. Das Mädchen war erst Stunden nach seinem Verschwinden mehrere Kilometer entfernt entdeckt worden – verletzt und nur mit Bikini und Badeschlappen bekleidet.

Der Prozess vor dem Landgericht Freiburg läuft weiter.

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