Pforzheim (dpa/tk) – Hans-Ulrich Rülkes Frau hat einen klaren Wunsch: Ihr Ehemann soll nicht den ganzen Tag zu Hause hocken. Was der Ex-FDP-Fraktionschef jetzt macht:
Sich in der heimischen Küche ausprobieren? Oder sich wie der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann handwerklich verausgaben? FDP-Chef Hans-Ulrich Rülke hat nach dem Ausscheiden aus dem Landtag auf gar keinen Fall vor, häuslich zu werden. Dagegen habe nicht zuletzt seine Ehefrau etwas. «Die größte Sorge meiner Frau war, dass ich nach der Wahl vorwiegend zu Hause bin. Das wäre ihr nicht recht», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Nur wohin fährt der ehemalige Berufspolitiker dann? Er will in der Kommunalpolitik seiner Heimatstadt Pforzheim aktiv bleiben. Daneben behält er einige Aufsichtsratsmandate. Für die Zukunft könne sich der 64-Jährige aber auch ein Ehrenamt als neue Aufgabe vorstellen, denn er erzählte: Auf die Bezahlung komme es ihm nicht an. «Ich werde das jetzt alles sammeln und dann zu gegebener Zeit entscheiden», erklärte Rülke.
Dabei genießt er künftig auch seine zurückgewonnene Entscheidungsfreiheit: «Ich kann selbstbestimmt agieren. Ich kann, wenn ich eine Einladung kriege, sagen: Nö, hab keine Lust. Das war ja in der Vergangenheit nicht der Fall.»
Denn was für ihn in Zukunft fehlen wird: Der Druck, eine Wahl gewinnen zu müssen. Dadurch wird es «vielleicht letztlich sogar ein angenehmerer Lebenszuschnitt, als das in den letzten Jahren gewesen ist», meinte Rülke.
Doch nicht nur Rülkes Entscheidungsfreiheit ist in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen. «Ich habe auch sicherlich das Aufwachsen meiner Kinder nicht so begleitet, wie man das eigentlich hätte tun sollen und wie ich mir das vielleicht auch vorgestellt hatte. Ich war da zu häufig nicht da», gesteht der FDP-Politiker. Rülke hat drei Söhne. Sein jüngster Sohn ist 17 Jahre alt – so lang war Rülke Fraktionsvorsitzender, 20 Jahre saß er im Landtag. Rülkes ältester Sohn starte bald ins Berufsleben – aber nicht in der Politik.
Den neuen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU konnte sich Rülke nicht verkneifen zu kommentieren: „Grün-Schwarz hat heute ein Wunschkonzert für stürmische Zeiten vorgelegt und die Rechnung gleich im Kleingedruckten versteckt. Wer auf 160 Seiten alles Mögliche verspricht, aber sämtliche finanzwirksamen Maßnahmen unter Haushaltsvorbehalt stellt, präsentiert keinen Regierungsplan, sondern einen Prospekt. Bezahlt wird offenbar erst dann, wenn irgendwo Geld auftaucht.“ Seriös sei das nicht, so der FDP-Landeschef.