Rekordhitze prägt die diesjährige Getreideernte

04. August 2026 , 12:15 Uhr

Karlsruhe (pm/tk) – Die ZG Raiffeisen zieht Bilanz der Erntesaison 2026 und betont die Bedeutung regionaler Landwirtschaft für die Versorgungssicherheit.

Ernteeinbußen wegen Extremtemperaturen

Temperaturen von mehr als 40 Grad Ende Juni haben die Getreideernte 2026 in Baden-Württemberg entscheidend geprägt. Während frühe Erntegebiete noch überwiegend zufriedenstellende Erträge erzielten, führten extreme Hitze und ausbleibende Niederschläge in vielen später abreifenden Regionen zu deutlichen Einbußen.

Die diesjährige Ernte macht deutlich, wie eng Wetterextreme, leistungsfähige Vermarktungsstrukturen und Versorgungssicherheit miteinander verbunden sind.

Weizen überzeugt – Erträge regional unterscheiden

Beim Weizen fallen Erträge und Qualitäten regional unterschiedlich aus. Während entlang der Rheinschiene überwiegend 7,5 bis 8,5 Tonnen je Hektar erzielt wurden, erreichen spätere Lagen häufig nur 6 bis 7 Tonnen.

Qualitativ präsentiert sich der Weizen insgesamt überzeugend. Die Hektolitergewichte liegen auf einem guten bis sehr guten Niveau, während die Proteingehalte regional häufig hinter den Erwartungen zurückbleiben. Qualitätsprobleme wie Fallzahlen oder Fusarien wurden bislang kaum festgestellt. Winterbraugerste überzeugt überwiegend mit guten Qualitäten. Sommer braugerste, Dinkel und Hafer entwickelten sich regional unterschiedlich. Die Rapserträge liegen mit 3,0 bis 3,5 Tonnen je Hektar vielerorts unter dem langjährigen Durchschnitt.

Mais leidet unter Trockenheit

Die Rekordhitze Ende Juni und die anhaltende Trockenheit trafen den Mais während der Blüte in einer besonders sensiblen Entwicklungsphase. Entsprechend unterschiedlich präsentieren sich die Bestände. Tiefgründige Standorte zeigen vielerorts noch stabile Pflanzenbestände, während auf leichteren Böden deutliche Trockenschäden sichtbar sind.

Regionale Niederschläge brachten nur punktuell Entlastung; örtlich kamen Hagelschäden hinzu. Nach derzeitigem Stand rechnet die ZG Raiffeisen mit einer rund 30 Prozent unterdurch schnittlichen Maisernte. Wie deutlich die Ertragseinbußen letztlich ausfallen, hängt jedoch von der weiteren Witterung in den kommenden Wochen ab.

Internationale Märkte: Knappes Angebot ohne Preisschub

Auch auf den internationalen Agrarmärkten hat sich die Versorgungslage im Vergleich zum Vorjahr weiter verschärft. Nach aktuellen Schätzungen des USDA übersteigt der weltweite Getreideverbrauch im Wirtschaftsjahr 2026/27 die Produktion. Die globalen Endbestände reichen rechnerisch nur noch für rund 89 Tage und erreichen damit den niedrigsten Stand seit zehn Jahren.

Dennoch blieb ein deutlicher Preisanstieg bislang aus. Viele landwirtschaftliche Betriebe hielten ihre Ware zunächst zurück und warteten auf günstigere Vermarktungszeitpunkte. Als genossenschaftlich organisiertes Unternehmen unterstützt die ZG Raiffeisen ihre Mitgliedsbetriebe mit Marktinformationen und gezielten Vermarktungsangeboten. Besonders stark nachgefragt bleibt dabei der Preisabsicherungs-Prämienkontrakt (PAP), der Schutz vor fallenden Preisen bietet und zugleich Chancen auf steigende Märkte eröffnet.

Niedrigwasser belastet Logistik zusätzlich

Die Ernte 2026 stellte die ZG Raiffeisen nicht nur auf dem Feld, sondern auch in der Logistik vor erhebliche Herausforderungen. Parallel zur laufenden Ernte verschärfte das außergewöhnlich frühe Niedrigwasser auf dem Rhein die Situation zusätzlich. Bereits Mitte Juli fiel der Pegel Kaub auf rund 41 Zentimeter und damit deutlich unter den mittleren Niedrigwasserstand von 65 Zentimetern, ungewöhnlich früh im Jahresverlauf.

Die Folgen waren deutlich spürbar: Schiffe konnten ihre Ladekapazitäten nur noch eingeschränkt nutzen, Frachtraum wurde knapper und die Transportkosten stiegen durch Niedrigwasserzuschläge deutlich an. Gleichzeitig mussten Lagerkapazitäten frühzeitig disponiert werden, um ausreichend Platz für die bevor stehende Maisernte zu schaffen.

Gerade in solchen Situationen wird deutlich, dass eine erfolgreiche Ernte allein nicht ausreicht. Sie muss ebenso zuverlässig transportiert, gelagert und vermarktet werden können.

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