Rahmengeber Senft: KSC-Neustart ohne Angst vor Eichner-Erbe

29. Juli 2026 , 10:35 Uhr

Karlsruhe (dpa/tk) – Maximilian Senft startet beim KSC mit frischem Schwung und neuen Ritualen.

Senft blickt mit Vorfreude auf Saisonstart

Zwischen Umzugskartons und wachsender Anspannung gibt sich Maximilian Senft zum Start seines neuen Kapitels gelassen. Während er über Fußball spricht, wird aus der ruhigen Körpersprache schnell lebhafte Gestik. Der neue Trainer des Karlsruher SC blickt dem Zweitliga-Auftakt am 8. August gegen Arminia Bielefeld voller Vorfreude entgegen – trotz der großen Fußstapfen seines Vorgängers und Publikumsliebling Christian Eichner.

«Als Bürde empfinde ich es deshalb nicht, weil nun ein neuer Weg eingeschlagen wird und ich dafür geholt wurde», sagt Senft im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur selbstbewusst. «Diesen Weg möchte ich gemeinsam mit dem Trainerteam und den Spielern mit aller Energie und voller Überzeugung gehen. Ich habe extrem große Lust auf diese Herausforderung.»

Gleichwohl habe er «großen Respekt vor dem, was Christian Eichner in den vergangenen sechseinhalb Jahren beim KSC geschafft hat. Es ist im Fußball eine absolute Rarität, dass ein Trainer so lange beim selben Club tätig ist», betont der gebürtige Wiener.

Erste Cheftrainer-Station außerhalb Österreichs

Für den 36-Jährigen ist der badische Traditionsverein die erste Station als hauptamtlicher Trainer im Ausland. Zuvor war er unter anderem Assistent des früheren Köln-Trainers Gerhard Struber beim FC Barnsley in England sowie Chefcoach in der Burgenlandliga beim SC Pinkafeld und zuletzt beim SV Ried, den er in die österreichische Bundesliga zurückführte und dort etablierte.

Den nächsten Schritt, sagt Senft, wagt er nun, weil es sich «emotional richtig» anfühlt. Und ganz unbekannt war dem zweifachen Familienvater der KSC nicht. «Ich habe den Verein schon als Kind kennengelernt, weil ich Salzburg-Fan war», erzählt er. «Ich habe noch heute eine CD-ROM mit dem bekannten Halbfinale im UEFA-Pokal zwischen Salzburg und dem KSC zu Hause. Durch dieses Spiel hatte ich eine kindliche emotionale Verbindung zum KSC, ohne dass ich deshalb als Kind KSC-Fan gewesen wäre.»

Hinzu komme die Wucht des Stadions, meint Senft. Einen ersten Eindruck von der Atmosphäre bekam er am vergangenen Wochenende, als die Karlsruher zur Saisoneröffnung gegen den italienischen Double-Gewinner Inter Mailand kurz vor einer Überraschung standen. Vor nahezu ausverkauftem Haus verloren sie erst in der Nachspielzeit mit 1:2.

Freiraum für die Kreativen

Andersherum konnten auch die KSC-Anhänger bereits erkennen, was sie erwartet. Senft versteht sich vor allem als Rahmengeber. «Aber die Spieler müssen das Ganze beleben und gewissermaßen die Farbe auf die Leinwand bringen», sagt er. Vor allem Offensivkünstler Marvin Wanitzek dürfte dabei erneut eine wichtige Rolle zukommen. Hoffnungsträger Louey Ben Farhat zieht es dagegen zu Eintracht Frankfurt, wenngleich sich beide Vereine bisher nicht einigen konnten.

«Das ist eine Situation, in der sich die meisten Clubs befinden», sagt Senft und lässt sich von Fragezeichen im Kader für den Moment nicht aus der Ruhe bringen. «Spieler, die eine gute Saison gespielt haben, wecken Begehrlichkeiten. Es ist für mich nicht das erste Jahr als Trainer, in dem es noch potenzielle Abgänge, aber auch Zugänge geben kann. Diese Situation gehört für einen Trainer im Sommer einfach dazu.»

Weiter zählen kann er auf Abwehr-Routinier Marcel Franke, der auch nach dem Wechsel an der Seitenlinie zu den Führungsspielern zählen dürfte. Der 33-Jährige verlängerte erst kürzlich seinen Vertrag vorzeitig und sagt über die Unterschiede zwischen Eichner und dessen Nachfolger: «Es ist schwierig, über Altes und Neues zu sprechen. Aber ich glaube, dass man den Unterschied bereits an unserer Spielweise erkennen kann. Wir versuchen, den Gegner früh anzulaufen, aggressiv zu attackieren und die Bälle möglichst weit vorn zu erobern.»

Selbst Routinier Franke erlebt noch Neues

Die Intensität werde großgeschrieben. Das beginnt schon mit dem neuen zeitlichen Ablauf. «Wir treffen uns mittlerweile zwei Stunden vor dem Training. Das habe ich in dieser Form so noch nicht erlebt», sagt Franke.

Unter Senft soll nach dem Willen der Verantwortlichen eine neue Kultur im Verein entstehen. Dabei müsse es Be- und Entlastung geben, erklärt der Coach, der auf das Kollektiv und einen ganzheitlichen Ansatz setzt. «Es ist nicht alles locker und wir machen nicht die ganze Zeit Scherze. Wir sind hier, um Profifußball zu spielen.» Und er selbst sei «beruflich und nicht privat hier» in Karlsruhe.

Etwas heimeliger dürfte es für Senft ab dem Wochenende werden, wenn der Umzug vom Hotel in die eigene Wohnung ansteht. Viel Zeit zum Einleben bleibt allerdings nicht: Nach der Generalprobe bei der TSG Hoffenheim am Samstag beginnt eine Woche später die Zweitliga-Saison – und damit das neue Kapitel endgültig.

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