Stuttgart (svs/dpa) – Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liegen die Grünen ersten Hochrechnungen zufolge vor der CDU. Die AfD wird drittstärkste Kraft und kann ihr Wahlergebnis etwa verdoppeln. Die SPD schafft es demnach nur knapp ins Landesparlament. Die FDP und die Linke sind den ersten Hochrechnungen nicht im neuen Landtag vertreten. Die SPD stürzt auf ein historisches Tief bei Landtagswahlen bundesweit – Spitzenkandidat Andreas Stoch zog die Konsequenzen und kündigte seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an. FDP und Linke scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde.
Hochrechnung
Den Hochrechnungen zufolge kommen die Grünen auf 30,7 Prozent (2021: 32,6 Prozent), die CDU liegt mit 29,7 Prozent knapp dahinter (24,1). Die AfD erhält 18,4 Prozent (9,7). Mit großem Abstand folgt die SPD mit 5,4 bis 5,5 Prozent (11,0). Die FDP kommt auf 4,3 Prozent (10,5), die Linke auf 4,4 Prozent (3,6).
Die Grünen erhalten laut Hochrechnungen 44 bis 58 Sitze im Landtag (2021: 58), die CDU 43 bis 54 (42). Die AfD kommt auf 25 bis 32 Mandate (17), die SPD auf 8 bis 10 (19).
Özdemir bietet CDU Zusammenarbeit an
Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen trat nach 15 Jahren nicht mehr an. Der 77-Jährige, bundesweit der erste und einzige Regierungschef der Grünen, verabschiedet sich in den Ruhestand. Seit 2016 regierte er mit der CDU, davor mit der SPD. Es gilt als wahrscheinlich, dass CDU und Grüne erneut zusammen regieren.
Özdemir rief die Christdemokraten noch am Wahlabend zu einer erneuten Zusammenarbeit auf und bot ihnen eine «Partnerschaft auf Augenhöhe» an. «Der Maßstab sollten die letzten zehn Jahre sein und die Erfolge, die wir eingefahren haben.» Grünen-Bundeschef Felix Banaszak nannte das starke Grünen-Ergebnis auch eine Ansage an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und dessen politische «Orientierungslosigkeit». Co-Vorsitzende Franziska Brantner sprach von einem «sensationellen Ergebnis».
Erfolgreiche Aufholjagd der Grünen
Über Monate lag die CDU in Umfragen deutlich vor den Grünen, die aber eine Aufholjagd hinlegten. Als Partei präferierten viele zwar die CDU, aber als Ministerpräsidenten wollten die Menschen lieber Özdemir – und weniger den bis zuletzt kaum bekannten CDU-Mann Hagel.
Der 60-jährige Grünen-Kandidat Özdemir ist seit Jahrzehnten in der Politik – er saß im Bundestag und im Europaparlament, war Grünen-Chef und auch Bundesminister. Im Wahlkampf ging Özdemir, der sich einen «anatolischen Schwaben» nennt, auf Abstand zu den Bundes-Grünen und gab sich ein eher konservatives Profil.
Hagel: Trage Verantwortung für CDU-Wahlkampf
CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel hat die Verantwortung für das Wahlergebnis seiner Partei bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg übernommen. Bei der Wahlparty der Partei in Stuttgart sagte er, es sei ihm immer wichtig gewesen, dass mit Führung auch immer Verantwortung verbunden sei. «Gerade deshalb trage ich für den Wahlkampf, trage ich für unsere Kampagne, trage ich für alle Entscheidungen, die wir getroffen haben – und ja, für dieses Ergebnis die Verantwortung.» Zunächst müssten nun die weiteren Prognosen abgewartet werden. «Es kann ein langer Abend werden», sagte Hagel.
SPD-Stoch und FDP-Rülke treten zurück
Nach dem SPD-Verlust bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat Spitzenkandidat Andreas Stoch seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef angekündigt. Das sagte SPD Generalsekretär Sascha Binder der Deutschen Presse-Agentur.
Nach dem voraussichtlichen Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat Landeschef Hans-Ulrich Rülke seinen Rücktritt vom Landesvorsitz angekündigt. Das erklärte der 64-Jährige in Stuttgart.
Auftakt für das «Superwahljahr 2026»
Die Wahl ist die erste von fünf Landtagswahlen im «Superwahljahr 2026» und die erste unter der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). CDU und SPD debattieren über wichtige Reformen. Die Wahlergebnisse sind daher wichtig für die Stimmung.Die nächste Wahl steht am 22. März in Rheinland-Pfalz an. Dort droht der seit 34 Jahren regierenden SPD der Verlust des Ministerpräsidentenpostens. Im September wählen Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern – hier kommt die AfD in Umfragen an die 40 Prozent.