Karlsruhe (pm/dk) – Bei den insolventen Karlsruher Kita-Trägern Pro-Liberis und Lenitas steht die Neuaufstellung vor einem wichtigen Schritt. Zum 1. April 2026 sollen die Insolvenzverfahren eröffnet werden. Für Kinder, Eltern und Beschäftigte soll sich im Alltag aber zunächst nichts ändern: Die Betreuung läuft nach Angaben der Verantwortlichen weiter wie gewohnt.
Nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Jürgen Erbe und Holger Blümle laufen Gespräche mit mehreren möglichen Partnern. Ziel sei weiter, eine Lösung für alle Einrichtungen und möglichst alle Arbeitsplätze zu finden.
Bislang gebe es zwar Angebote für eine Übernahme aller Einrichtungen. Diese seien aber noch nicht final mit allen Beteiligten abgestimmt. Deshalb sei auch noch keine endgültige Entscheidung gefallen.
Die beiden vorläufigen Insolvenzverwalter erklären: „Unser Ziel war und ist der Erhalt der Einrichtungen und Arbeitsplätze von Pro-Liberis und Lenitas. Dafür tun wir alles und werden auch jetzt nicht damit aufhören.“
Mit möglichen Partnern sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Deshalb werden derzeit keine Namen genannt. Die Verantwortlichen betonen, dass dies in Insolvenzverfahren üblich sei und laufende Gespräche nicht gefährdet werden sollen.
Weiterhin wird an einer Gesamtlösung gearbeitet. Sollte diese nicht zustande kommen, sollen auch Teillösungen mit verschiedenen Partnern geprüft werden. Diese sollen dann in der Summe möglichst viele Einrichtungen und Arbeitsplätze umfassen.
Dazu stehen die vorläufigen Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben bereits in engem Austausch mit den Kommunen.
Mit der geplanten Eröffnung der Insolvenzverfahren zum 1. April soll sich für Eltern, Kinder und Beschäftigte nichts ändern. Die Betreuung in allen Einrichtungen laufe weiter.
Auch bei den Löhnen und Gehältern gibt es eine wichtige Veränderung: Ab April werden sie laut Mitteilung wieder in voller Höhe direkt von Pro-Liberis und Lenitas getragen. Die Arbeitsverträge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blieben in vollem Umfang gültig.
Peer Giemsch, Geschäftsführer von Pro-Liberis und Lenitas, spricht von einer wichtigen Phase der Neuaufstellung. Er sagt: „Wir befinden uns in einer sensiblen Phase der Neuaufstellung, und wir wollen zu einem Ergebnis kommen, das den Bedürfnisse der Kinder, ihrer Eltern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Einrichtungen gleichermaßen entspricht“.
Er betont außerdem die Rolle der Beschäftigten in den Einrichtungen. Das starke Team aus Fachkräften bringe sich jeden Tag mit großem Einsatz ein.
Die Insolvenz der beiden gemeinnützigen Träger war Anfang Februar bekanntgeworden. Damals war von einem Schock für Eltern, Kinder und Beschäftigte die Rede. Schon im Januar hatten rund 600 Angestellte zunächst kein Gehalt bekommen. Die Löhne und Gehälter waren danach bis Ende März über das Insolvenzgeld gesichert worden.
Insgesamt betreibt Pro-Liberis nach aktuellen Angaben 20 Kindertagesstätten mit 907 genehmigten Betreuungsplätzen, darunter 440 Plätze für Kinder unter drei Jahren. Bei Pro-Liberis sind 447 Mitarbeitende beschäftigt.
Lenitas betreibt neun Kindertageseinrichtungen für Kinder mit und ohne Behinderung mit insgesamt 452 Kita-Plätzen. Hinzu kommen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, darunter eine Jugendwohngemeinschaft, eine vollstationäre Wohngruppe und eine Familienwerkstatt. Dort arbeiten aktuell 170 Mitarbeitende.
Zusammen geht es damit um mehr als 1.300 Betreuungsplätze und mehrere hundert Arbeitsplätze in Karlsruhe und der Region.
Zu Pro-Liberis zählen in Karlsruhe unter anderem die Kitas Flohkiste, Rabennest, Drachenhöhle, Räuberkiste, Naseweis, Wasserfrösche, Bienenkörbchen, Stadtvilla, Villa Siebenschläfer, Burgpiraten, Zwergenstübchen, Amalienschlössle, Weltenbummler, Turmspatzen, Dorfwies und Mäusenest. In der Region gehören außerdem die Kitas Glückspilze in Rheinstetten, Grashüpfer in Stutensee, Wichtelgarten in Weingarten und Kraichgaumäuse dazu.
Von Lenitas werden die Kitas Entdeckerraupen, Farbenspiel und Zauberwürfel in Karlsruhe betreut. Hinzu kommen der Bauernhofkindergarten und die Kita Kleine Strolche in Karlsbad, die Kitas Filzli und Kinderspinnerei in Ettlingen, die Kitas Goldstückchen und Edelsteinchen in Pforzheim sowie die Kita Wald- und Wiesenknirpse in Burbach.