Pro-Liberis und Lenitas: Suche nach Lösung für Karlsruher Kita-Träger läuft weiter

23. März 2026 , 17:03 Uhr

Karlsruhe (pm/dk) – Bei den insolventen Karlsruher Kita-Trägern Pro-Liberis und Lenitas steht die Neuaufstellung vor einem wichtigen Schritt. Zum 1. April 2026 sollen die Insolvenzverfahren eröffnet werden. Für Kinder, Eltern und Beschäftigte soll sich im Alltag aber zunächst nichts ändern: Die Betreuung läuft nach Angaben der Verantwortlichen weiter wie gewohnt.

Gespräche mit möglichen Partnern laufen

Nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Jürgen Erbe und Holger Blümle laufen Gespräche mit mehreren möglichen Partnern. Ziel sei weiter, eine Lösung für alle Einrichtungen und möglichst alle Arbeitsplätze zu finden.

Bislang gebe es zwar Angebote für eine Übernahme aller Einrichtungen. Diese seien aber noch nicht final mit allen Beteiligten abgestimmt. Deshalb sei auch noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

Die beiden vorläufigen Insolvenzverwalter erklären: „Unser Ziel war und ist der Erhalt der Einrichtungen und Arbeitsplätze von Pro-Liberis und Lenitas. Dafür tun wir alles und werden auch jetzt nicht damit aufhören.“

Mit möglichen Partnern sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Deshalb werden derzeit keine Namen genannt. Die Verantwortlichen betonen, dass dies in Insolvenzverfahren üblich sei und laufende Gespräche nicht gefährdet werden sollen.

Auch Teillösungen sind möglich

Weiterhin wird an einer Gesamtlösung gearbeitet. Sollte diese nicht zustande kommen, sollen auch Teillösungen mit verschiedenen Partnern geprüft werden. Diese sollen dann in der Summe möglichst viele Einrichtungen und Arbeitsplätze umfassen.

Dazu stehen die vorläufigen Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben bereits in engem Austausch mit den Kommunen.

Betreuung läuft weiter, Gehälter wieder über die Unternehmen

Mit der geplanten Eröffnung der Insolvenzverfahren zum 1. April soll sich für Eltern, Kinder und Beschäftigte nichts ändern. Die Betreuung in allen Einrichtungen laufe weiter.

Auch bei den Löhnen und Gehältern gibt es eine wichtige Veränderung: Ab April werden sie laut Mitteilung wieder in voller Höhe direkt von Pro-Liberis und Lenitas getragen. Die Arbeitsverträge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blieben in vollem Umfang gültig.

Geschäftsführer spricht von sensibler Phase

Peer Giemsch, Geschäftsführer von Pro-Liberis und Lenitas, spricht von einer wichtigen Phase der Neuaufstellung. Er sagt: „Wir befinden uns in einer sensiblen Phase der Neuaufstellung, und wir wollen zu einem Ergebnis kommen, das den Bedürfnisse der Kinder, ihrer Eltern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Einrichtungen gleichermaßen entspricht“.

Er betont außerdem die Rolle der Beschäftigten in den Einrichtungen. Das starke Team aus Fachkräften bringe sich jeden Tag mit großem Einsatz ein.

Rund 1.350 Betreuungsplätze betroffen

Die Insolvenz der beiden gemeinnützigen Träger war Anfang Februar bekanntgeworden. Damals war von einem Schock für Eltern, Kinder und Beschäftigte die Rede. Schon im Januar hatten rund 600 Angestellte zunächst kein Gehalt bekommen. Die Löhne und Gehälter waren danach bis Ende März über das Insolvenzgeld gesichert worden.

Insgesamt betreibt Pro-Liberis nach aktuellen Angaben 20 Kindertagesstätten mit 907 genehmigten Betreuungsplätzen, darunter 440 Plätze für Kinder unter drei Jahren. Bei Pro-Liberis sind 447 Mitarbeitende beschäftigt.

Lenitas betreibt neun Kindertageseinrichtungen für Kinder mit und ohne Behinderung mit insgesamt 452 Kita-Plätzen. Hinzu kommen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, darunter eine Jugendwohngemeinschaft, eine vollstationäre Wohngruppe und eine Familienwerkstatt. Dort arbeiten aktuell 170 Mitarbeitende.

Zusammen geht es damit um mehr als 1.300 Betreuungsplätze und mehrere hundert Arbeitsplätze in Karlsruhe und der Region.

Diese Einrichtungen sind betroffen

Zu Pro-Liberis zählen in Karlsruhe unter anderem die Kitas Flohkiste, Rabennest, Drachenhöhle, Räuberkiste, Naseweis, Wasserfrösche, Bienenkörbchen, Stadtvilla, Villa Siebenschläfer, Burgpiraten, Zwergenstübchen, Amalienschlössle, Weltenbummler, Turmspatzen, Dorfwies und Mäusenest. In der Region gehören außerdem die Kitas Glückspilze in Rheinstetten, Grashüpfer in Stutensee, Wichtelgarten in Weingarten und Kraichgaumäuse dazu.

Von Lenitas werden die Kitas Entdeckerraupen, Farbenspiel und Zauberwürfel in Karlsruhe betreut. Hinzu kommen der Bauernhofkindergarten und die Kita Kleine Strolche in Karlsbad, die Kitas Filzli und Kinderspinnerei in Ettlingen, die Kitas Goldstückchen und Edelsteinchen in Pforzheim sowie die Kita Wald- und Wiesenknirpse in Burbach.

Anzeige
insolvenz Insolvenzverfahren Karlsruhe Kinderbetreuung KITA Kitas Karlsruhe Lenitas Lenitas gGmbH Peer Giemsch Pro Liberis gGmbH Pro-Liberis Schultze und Braun

Das könnte Dich auch interessieren

13.02.2026 Insolvenz der Karlsruher KITA-Betreiber: ver.di fordert schnelle Sicherung der Löhne Karlsruhe (pm/dk) - Nach den Insolvenzanträgen der Karlsruher Kita- und Jugendhilfeträger Pro-Liberis und Lenitas schlägt die Gewerkschaft ver.di Alarm. Betroffen sind nach öffentlichen Angaben rund 600 Beschäftigte sowie mehr als 20 Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und Jugendhilfe in Karlsruhe und der Region. Die Insolvenzanträge wurden am 5. Februar 2026 beim Amtsgericht Karlsruhe gestellt. 27.02.2026 Nach Insolvenz: Arbeitsplätze und Kita-Plätze in Karlsruhe gesichert Karlsruhe (pm/dk) - Im vorläufigen Insolvenzverfahren der Karlsruher Kita-Betreiber Pro-Liberis gGmbH und Lenitas gGmbH gibt es erste positive Entwicklungen. Nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalter laufen bereits Gespräche mit potenziellen Partnern. 12.02.2026 Spatenstich für neue Kindertagesstätte in Karlsruhe-Oberreut Karlsruhe (pm/tk) - In Oberreut hat die Volkswohnung mit einem symbolischen Spatenstich den Bau einer neuen Kita begonnen. Auf dem Grundstück in der Johestraße entstehen Betreuungsplätze für fast 90 Kinder. 07.11.2025 Kita-Plätze werden immer teurer – Eltern in Baden-Württemberg am Limit Baden-Württemberg (pm/dk) – Für viele Familien in Baden-Württemberg wird der Kita-Platz zunehmend zum Luxus. In manchen Städten müssen Eltern inzwischen über 800 Euro im Monat zahlen – für einen Ganztagesplatz sogar über 1.000 Euro. Dabei hängt der Preis oft von der Postleitzahl ab: Jede Kommune legt die Gebühren selbst fest, was zu großen Unterschieden führt.