Ein Briefkasten mitten auf einem Grab: Eine Mutter und ihre vier Kinder haben sich in Bad Wildbad für einen ungewöhnlichen Grabstein für den gestorbenen Vater entschieden. Statt eines klassischen Granitsteins steht auf dem Grab ein Stein mit Briefschlitz – hergestellt von einer Firma aus Freudenstadt.
Ida (10), Ben (13) und die sechsjährigen Zwillinge hinterlassen dort Briefe, kleine Geschichten oder Botschaften für ihren Vater, der 2023 an Krebs starb.
Der Stein ist nach unten hin zur Erde offen. Die Botschaften können sich dann natürlich zersetzen, erklärt die Herstellerfirma Allivestone. Der Stein sei ein geschützter Raum, sagt Tim Busam, einer der Gründer der Firma. «In dem Moment, in dem man das Eingeworfene loslässt, hat man es tatsächlich auch losgelassen.»
Früher sei der Friedhof ein Begegnungsort gewesen. Statt über Handy oder Telefon zu sprechen, saß man dort gemeinsam auf der Parkbank, so der 28-Jährige. Da setze der Briefkasten im Grabstein an. Der Friedhof dürfe ein «lebendiger Ort» sein, ein Austauschraum. «Trauer und Tod ist alles andere als leblos», sagt er.
Trauernde Personen und Familien hätten schon immer nach Wegen gesucht, etwas individuell zu machen, sagt die langjährige Trauerbegleiterin und Autorin Chris Paul. Mittlerweile sei von Jahr zu Jahr mehr möglich, auch bei Bestattungen und Trauerfeiern. «Wir haben eine unglaublich kreative Szene und auch Industrie», so Paul. Und auch die Gräber seien insgesamt kreativer geworden.
Briefe zu schreiben, sei ein Klassiker in der Trauerbegleitung – aber auch von trauernden Menschen selbst, sagt Paul. Mal würden sie Briefe ins Tagebuch schreiben oder die Botschaften verbrennen und die Asche auf die Gräber streuen. «Und ich glaube, diese Briefkastenidee ist da einzuordnen, dass Menschen einen Ort haben, wo sie hingehen können, um mit dem Brief ihre Gedanken mit Verstorbenen zu teilen.» Solche Regelmäßigkeiten könnten in der Trauer helfen, den Alltag zu strukturieren.