Stuttgart (dpa/tk) – Baden-Württembergs Ministerpräsident fordert muslimische Verbände auf, klar Stellung zu beziehen gegen Schwulenfeindlichkeit und Islamismus.
Ministerpräsident Cem Özdemir hat die Reaktion von Islamverbänden auf den Anschlag am Rande des CSD in Berlin scharf kritisiert. «Es muss schon klar sein, dass es sich um einen schwulenfeindlichen, queerfeindlichen Anschlag handelt», sagte der Grünen-Politiker in Stuttgart und bezog sich dabei nach eigenen Worten auf eine Stellungnahme der muslimischen Dachverbände. «Wenn man das Wort vermeidet, hat man ein Problem offensichtlich.» Wenn man die Erklärung der islamischen Dachverbände lese, werde einem das Motiv des Täters nicht klar.
Die Dachverbände erwähnten außerdem nicht, dass sich der Täter auf seine Religion bezogen habe, kritisierte Özdemir. Auch das gehe nicht. «Das Thema des Islamismus muss einfach erwähnt werden», sagte der Regierungschef. «So kann man sich nicht äußern dazu.» Man mache es sich zu einfach, wenn man sage, man habe damit nichts zu tun.
Özdemir forderte die muslimischen Dachverbände energisch auf, sich mit dem Thema Homophobie auseinanderzusetzen. «Wenn Schwulenfeindlichkeit dort nicht angegangen wird, wenn das Thema nicht thematisiert wird, dann macht man es diesen Verbrechern leichter, dass sie daraus Leute rekrutieren.» Das Thema gehöre bei den Verbänden auf die Tagesordnung. «Es kann da keinen Kulturrabatt geben.»