Karlsruhe (pm/dpa/dk) – Karlsruhe bekommt ein neues Kraftwerk: Die Stadtwerke Karlsruhe planen auf dem Gelände des Heizkraftwerks West eine Anlage, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen soll. Sie soll vor allem dann einspringen, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Energie liefern. Jetzt haben die Stadtwerke bei einer bundesweiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten. Der Bau soll bereits 2027 beginnen. Die Kosten für die neuen Kraftwerkskapazitäten werden künftig allerdings auch die Stromkunden tragen.
Die Stadtwerke Karlsruhe haben bei einer bundesweiten Ausschreibung für neue Kraftwerkskapazitäten einen Zuschlag erhalten. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für den Bau des geplanten Gasmotorenkraftwerks auf dem Gelände des Heizkraftwerks West geschaffen.
Die neue Anlage soll aus insgesamt zwölf Modulen bestehen. Jedes Modul kann 4,5 Megawatt Strom und 4,5 Megawatt Wärme erzeugen. Insgesamt kommt das Kraftwerk damit auf eine Leistung von 54 Megawatt elektrisch und 54 Megawatt thermisch.
Der Baubeginn ist für 2027 geplant. Im Spätjahr 2029 soll das Kraftwerk in Betrieb gehen.
Zunächst wird die Anlage mit Erdgas betrieben. Sie wird allerdings von Anfang an so geplant, dass sie später auf Wasserstoff umgestellt werden kann.
Eine Besonderheit des neuen Kraftwerks ist die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung. Dabei wird nicht nur Strom produziert, sondern gleichzeitig auch die entstehende Wärme genutzt.
Diese Wärme soll direkt in das Karlsruher Fernwärmenetz eingespeist werden und damit zur Versorgung der Stadt beitragen.
Das neue Kraftwerk soll die Wärmeversorgung ergänzen, die künftig zunehmend auf erneuerbare Energien und Großwärmepumpen setzt.
Besonders wichtig wird das neue Kraftwerk während sogenannter Dunkelflauten. Damit sind längere Phasen gemeint, in denen wenig Wind weht und gleichzeitig kaum Sonnenenergie zur Verfügung steht.
In solchen Situationen können Windkraft- und Solaranlagen nur wenig Strom produzieren. Das neue Gasmotorenkraftwerk soll dann einspringen und zuverlässig Strom und Wärme bereitstellen.
Michael Homann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Karlsruhe, erklärt:
„Der Umbau unserer Wärmeversorgung braucht unterschiedliche Erzeugungsanlagen, die sinnvoll zusammenspielen. Erneuerbare Wärmequellen und Großwärmepumpen sollen dabei einen immer größeren Anteil übernehmen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass die Menschen in Karlsruhe auch in längeren Phasen mit wenig Wind und Sonne zuverlässig mit Wärme versorgt werden. Das neue Kraftwerk übernimmt diese Absicherungsfunktion und erzeugt dabei gleichzeitig Strom und Wärme.“
Karlsruhe ist einer von elf Standorten beziehungsweise Projekten, die in der ersten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur einen Zuschlag erhalten haben.
Insgesamt waren 41 Gebote mit einer angebotenen Leistung von knapp zwölf Gigawatt eingegangen. Elf davon wurden ausgewählt. Zusammen sollen sie eine Stromerzeugungskapazität von 5.160 Megawatt bereitstellen.
Die meisten Zuschläge gingen an die Energiekonzerne RWE und Leag. Sie planen neue Gaskraftwerke überwiegend an bestehenden oder früheren Kohlekraftwerksstandorten.
Neue Anlagen sollen in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg entstehen. Der einzige Zuschlag in Baden-Württemberg ging an die Stadtwerke Karlsruhe.
Hintergrund ist der geplante schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038. Die neuen Gaskraftwerke sollen die Stromversorgung absichern, wenn erneuerbare Energien nicht genügend Strom liefern.
Langfristig sollen die Anlagen auf klimafreundlich erzeugten Wasserstoff umgestellt werden. Spätestens 2045 sollen die Gaskraftwerke damit betrieben werden.
Die Kraftwerksbetreiber erhalten für die Bereitstellung ihrer Leistung über einen Zeitraum von 15 Jahren eine jährliche Vergütung. Dieses Geld bekommen sie auch dann, wenn ihre Anlagen möglicherweise nur wenige Stunden im Jahr tatsächlich Strom produzieren.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur liegt die durchschnittliche Vergütung der ersten Ausschreibungsrunde bei rund 155.300 Euro je Megawatt und Jahr. Für die elf ausgewählten Projekte ergeben sich daraus jährliche Kosten von gut 800 Millionen Euro.
Diese Kosten sollen ab 2031 über eine neue Umlage von den Stromverbrauchern getragen werden.
Wie stark sich das auf die Stromrechnung auswirken wird, ist derzeit noch unklar. Denn es sind noch zwei weitere Ausschreibungsrunden geplant, deren Ergebnisse die Gesamtkosten beeinflussen werden.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatten sich auch Batteriespeicher an der Ausschreibung beteiligt. Ihre Angebote konnten sich preislich allerdings nicht durchsetzen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bewertet die erste Ausschreibungsrunde positiv.
„41 Gebote über knapp zwölf Gigawatt zeigen, wie viel Investitionsbereitschaft wir mit den richtigen Rahmenbedingungen mobilisieren“, erklärte Reiche.
Der durchschnittliche Zuschlagspreis habe deutlich unter dem festgelegten Höchstpreis von 244.000 Euro gelegen. Das sei nach Einschätzung der Ministerin auch für Stromkunden wichtig, weil dadurch die Kosten für die Versorgungssicherheit sinken würden.
Kritik kommt dagegen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH).
„Die Bundesregierung lässt Stromkundinnen und Stromkunden für neue fossile Kraftwerke zahlen und verkauft das als Versorgungssicherheit“, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner.
Die Umwelthilfe kritisiert insbesondere, dass Batteriespeicher keine Zuschläge erhalten haben, während große Energiekonzerne beim Bau neuer Gaskraftwerke unterstützt werden.
Die Bundesnetzagentur plant insgesamt drei Ausschreibungsrunden für neue Kraftwerkskapazitäten.
Die zweite Runde soll in Kürze starten. Nach Informationen der dpa können Unternehmen ihre Angebote bis zum 29. Dezember einreichen.
Bundesnetzagenturpräsident Klaus Müller sieht in der Verteilung der ersten Zuschläge einen Beitrag zu einem sicheren Stromnetz.
Während einige Energiekonzerne bereits konkrete Bauvorbereitungen getroffen haben, planen die Stadtwerke Karlsruhe den Baubeginn ihres Kraftwerks für das kommende Jahr.
Für die Stadtwerke ist das neue Kraftwerk ein wichtiger Bestandteil des zukünftigen Energiesystems in Karlsruhe.
Gabriele Luczak-Schwarz, Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Karlsruhe, betont:
„Der erhaltene Zuschlag ist ein wichtiger Schritt für die sichere und zukunftsfähige Energieversorgung unserer Stadt. Gerade beim Umbau der Wärmeversorgung müssen Klimaschutz und Versorgungssicherheit verlässlich zusammengedacht werden. Das neue Kraftwerk ergänzt künftig die erneuerbaren Wärmequellen und sichert die Versorgung der Karlsruherinnen und Karlsruher auch in Zeiten ab, in denen Wind und Sonne nicht die benötigte Energiemenge liefern.“
Mit dem geplanten Kraftwerk wollen die Stadtwerke sicherstellen, dass Karlsruhe auch während des Umbaus hin zu einer zunehmend erneuerbaren Wärmeversorgung zuverlässig mit Strom und Wärme versorgt werden kann.