Nordschwarzwald (dpa/dk) – Im Nordschwarzwald hat sich ein weiterer Wolf niedergelassen. Im Territorium Enztal wurde eine Wölfin per DNA nachgewiesen. Nach Angaben des Umweltministeriums ist dort nun auch eine Paarbildung bestätigt.
Das weibliche Tier, eine sogenannte Fähe, wurde laut Umweltministerium Anfang Januar erstmals per DNA im Territorium Enztal im Nordschwarzwald nachgewiesen. Mehr als drei Monate später gab es einen weiteren Nachweis nach dem Fund einer Losung in Gernsbach im Kreis Rastatt.
Die Wölfin trägt die Kennung GW4816f. Nach Angaben der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt wurde sie zuvor bereits in ihrem ursprünglichen Heimatterritorium Wildflecken in Bayern im Grenzgebiet zu Hessen genetisch erfasst. Auf dem Weg in den Nordschwarzwald legte sie damit mindestens 300 Kilometer zurück.
Im Enztal lebt bereits der Wolfsrüde GW852m. Nach Angaben des Umweltministeriums ist damit „gemäß nationaler Monitoringstandards“ eine Paarbildung bestätigt.
Nach Einschätzung von Experten macht das eine Rudelbildung wahrscheinlicher. Der Wolfsexperte des BUND, Hartmut Weinrebe, sagte, schon in diesem Jahr könnte es ein Rudel geben. Als Rudel gilt demnach bereits eine Kleinfamilie aus Vater, Mutter und Wolfswelpen.
Die beiden Tiere waren nach Angaben von Weinrebe bereits im Dezember mithilfe einer Fotofalle gesichtet worden. Schon damals habe es Hinweise auf eine mögliche Paarbildung gegeben, die nun bestätigt sei.
Ob es tatsächlich Nachwuchs geben wird, ist allerdings noch offen. Laut Weinrebe könnte eine Paarung im Frühjahr erfolgt sein. Sollte die Fähe trächtig sein, könnte schon bald Nachwuchs gesichtet werden. Die übliche Tragezeit liegt demnach bei 61 bis 63 Tagen. In der Regel bringen Wölfinnen vier bis sechs Welpen zur Welt.
Noch ist unklar, ob es tatsächlich zu einem Rudel kommt. Weinrebe verweist darauf, dass die Sterblichkeit der Jungtiere hoch sei. Auch sei nicht bekannt, ob der etwa zehn Jahre alte Rüde Nachwuchs zeugen könne. Ebenso könne die Wölfin unfruchtbar sein.
Die Experten der FVA rechnen dennoch damit, dass es in diesem Jahr zu einer Rudelbildung in dem Territorium kommen könnte.
Mit dem Nachweis der Wölfin gelten nun fünf Wölfe in Baden-Württemberg als sesshaft. Dazu zählen die Fähe GW4816f und der Rüde GW852m im Enztal, der männliche Wolf GW2672m im Territorium Hornisgrinde, GW4389m im Grenzgebiet der Landkreise Schwarzwald-Baar und Tuttlingen sowie GW1129m im Südschwarzwald.
Ein Wolfsrudel gab es in Baden-Württemberg zuletzt nicht mehr, seit Ende 2023 der einzig lebende Welpe in der Nähe des Schluchsees überfahren wurde. Im April danach starb auch das Muttertier bei einem Autounfall nahe Lenzkirch. Es war trächtig mit mehreren Welpen.
Danach gab es längere Zeit kein Weibchen mehr im Südwesten, das für möglichen Nachwuchs infrage kam.