Karlsruhe (pm/dk) – Nach der Insolvenz von Pro-Liberis und Lenitas gibt es eine Perspektive für viele Familien in Karlsruhe und der Region: Die Zukunftsschmiede gGmbH soll beide Kita-Betreiber übernehmen. Damit sei ein Großteil der Betreuungsplätze auch künftig gesichert.
Die insolventen Kita-Betreiber Pro-Liberis und Lenitas sollen von der Zukunftsschmiede gGmbH übernommen werden. Das haben die Insolvenzverwalter Dr. Jürgen Erbe und Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun mitgeteilt.
Die Zukunftsschmiede ist bereits Trägerin der Kita „Die Kleinen Giganten“ in Karlsruhe. Mit der geplanten Übernahme sei die Sanierung der beiden Gesellschaften auf der Zielgeraden, heißt es in der Mitteilung.
Dr. Jürgen Erbe, Insolvenzverwalter von Pro-Liberis, sagt: „Es freut uns sehr, dass dieser wichtige Schritt nun gelungen ist und wir damit die Betreuung der Kinder in Karlsruhe und Umgebung weiterhin sicherstellen können“.
Holger Blümle, Insolvenzverwalter von Lenitas, ergänzt: „Die Zukunftsschmiede ist ein Partner für Pro-Liberis und Lenitas, der die Geschäftstätigkeiten zukunftsfähig machen wird. Das kann uns alle positiv in die Zukunft schauen lassen, auch wenn noch ein Stück Weg vor uns liegt.“
Die Mitarbeitenden und die Eltern der betreuten Kinder wurden nach Angaben der Insolvenzverwalter bereits informiert.
Die Geschäftsführung von Pro-Liberis und Lenitas sollen künftig Tamara Schwarz und Florian Löffel übernehmen. Beide werden als kaufmännisches und operatives Führungsteam eingesetzt.
Tamara Schwarz ist Geschäftsführerin der Zukunftsschmiede. Sie sagt: „Wir freuen uns sehr über das Vertrauen, das uns mit der Übernahme von Pro-Liberis und Lenitas ausgesprochen wird“.
Wichtig sei, dass man sich so bald wie möglich wieder ganz auf die Betreuung der Kinder konzentrieren könne. Schwarz sagt weiter: „Wichtig ist für uns, dass wir uns so bald wie möglich wieder voll und ganz darauf konzentrieren können, den Kindern in Karlsruhe und der Region die bestmögliche liebevolle Betreuung zugänglich zu machen.“
Die Zukunftsschmiede plant eine schlanke, zentrale Verwaltung mit klaren Verantwortlichkeiten. Außerdem sollen die Kita-Leitungen gestärkt werden und mehr Eigenverantwortung bekommen.
Das Konzept unterscheidet zwischen sogenannten Kernstandorten und Standorten mit Handlungsbedarf.
Stabilisiert werden sollen die Kernstandorte in:
Karlsruhe, Weingarten, Stutensee, Rheinstetten und Karlsbad.
Für die Standorte in Ettlingen, Pforzheim, Burbach bei Marxzell und Bad Schönborn soll in enger Abstimmung mit den Gemeinden über das weitere Vorgehen entschieden werden.
Dr. Jürgen Erbe sagt dazu: „Das Konzept der Zukunftsschmiede blickt konsequent nach vorne und hat mit seinem Lösungskompetenz uns sowie den Gläubigerausschuss überzeugt“.
Holger Blümle ergänzt: „Es ist nun die Aufgabe, die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit sicherzustellen. Dazu werden sich die neuen Partner mit den Gegebenheiten an den Standorten auseinandersetzen.“
Pro-Liberis und Lenitas haben zusammen knapp 620 Arbeitsplätze. Ziel der Übernahme ist es, den weit überwiegenden Teil davon zu erhalten.
Zu Personalanpassungen könnte es nach Angaben der Insolvenzverwalter vor allem in der Verwaltung oder bei Doppelbesetzungen kommen. Die genaue Ausarbeitung soll in den kommenden Wochen erfolgen. Insgesamt sollen sich mögliche Anpassungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegen.
Rechtlich soll die Übernahme über zwei Insolvenzpläne umgesetzt werden. Darüber sollen die Gläubiger noch im Sommer abstimmen.
Wenn die Gläubiger zustimmen und das Gericht die Pläne bestätigt, könnten die Sanierungen von Pro-Liberis und Lenitas im Herbst 2026 formal abgeschlossen werden.
„Es ist wichtig, die Verfahren mit effektiven Sanierungsplänen sicher zu einem guten Ende zu bringen“, sagen Dr. Jürgen Erbe und Holger Blümle. Die vergangenen Monate seien für Mitarbeitende und Eltern nicht leicht gewesen. Nun könne man aber wieder nach vorne schauen.
Das Amtsgericht Karlsruhe hatte die Insolvenzverfahren von Pro-Liberis und Lenitas zum 1. April 2026 eröffnet.
Die Neuaufstellung war nach Angaben der Insolvenzverwalter unter anderem wegen der Wachstumsstrategie der Unternehmen, der Übernahme mehrerer Kindergärten von öffentlichen Trägern und gestiegener Preise notwendig geworden. Genannt werden dabei unter anderem Energie und Materialien.
Bereits Anfang Februar hatten Pro-Liberis und Lenitas Insolvenzantrag gestellt. Betroffen waren rund 1.350 Betreuungsplätze, davon etwa 900 in Karlsruhe. Auch rund 610 Mitarbeitende waren von der Situation betroffen.
Die Zukunftsschmiede gGmbH wurde 2017 gegründet und betreibt aktuell die Kita „Die Kleinen Giganten“ in Karlsruhe. Pädagogische Schwerpunkte liegen nach eigenen Angaben auf Persönlichkeits-, Gesundheits- und Spracherziehung sowie rhythmisch-musischer Erziehung.
Pro-Liberis ist seit 2006 als Träger in der Kindertagesbetreuung in der Region aktiv. Das Unternehmen betreibt zwanzig Kindertagesstätten mit insgesamt 907 genehmigten Betreuungsplätzen. Davon sind 440 Plätze für Kinder unter drei Jahren vorgesehen.
Lenitas betreibt neun Kindertageseinrichtungen für Kinder mit und ohne Behinderung. Dort gibt es insgesamt 452 Kita-Plätze. Außerdem bietet Lenitas Angebote der Kinder- und Jugendhilfe an, darunter eine Jugendwohngemeinschaft, eine vollstationäre Wohngruppe und eine Familienwerkstatt.
Von der Insolvenz betroffen sind Kitas von Pro-Liberis und Lenitas in Karlsruhe und der Region.