Karlsruhe (pm/dk) – In Karlsruhe läuft die nächste wichtige Phase für die neuen VDV-TramTrain-Fahrzeuge. Nach der Anlieferung des ersten Fahrzeugs Ende vergangenen Jahres stehen jetzt umfangreiche Tests, Zulassungsprüfungen und Systemchecks an. Die neuen Bahnen sollen künftig sowohl im Straßenbahnnetz als auch auf Eisenbahnstrecken unterwegs sein.
Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe und die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft haben im Rahmen der VDV-Jahrestagung in Karlsruhe über den aktuellen Stand informiert.
Seit Mitte Mai ist auch ein erstes VBK-Fahrzeug angeliefert worden. Zwei weitere Fahrzeuge sollen am 12. Juni dazukommen. Damit wächst die Flotte für die laufende Erprobungsphase weiter an.
Aktuell werden unter anderem Bremsversuche, Fahrten unter verschiedenen Infrastrukturbedingungen und Tests des Systemwechsels durchgeführt. Dabei geht es um den Wechsel zwischen 750 Volt Gleichspannung und 15 Kilovolt Wechselspannung.
Mit den zwei weiteren Fahrzeugen sollen außerdem Test- und Versuchsfahrten im Zugverband beginnen. Parallel dazu laufen Schulungen für Fahrpersonal und Werkstatt-Teams.
Die neuen TramTrain-Fahrzeuge werden künftig ältere Fahrzeuggenerationen schrittweise ersetzen. Sie sind dafür ausgelegt, sowohl im städtischen Straßenbahnnetz als auch auf Eisenbahnstrecken eingesetzt zu werden.
Damit knüpfen sie direkt an das Karlsruher Modell an, bei dem Stadt und Region über ein gemeinsames Schienensystem verbunden werden.
„Mit den neuen Fahrzeugen beginnt für uns weit mehr als die Einführung einer neuen Baureihe. In den vergangenen Monaten haben wir die Voraussetzung geschaffen, um das Zusammenspiel von Fahrzeug, Infrastruktur und Betrieb unter realen Bedingungen zu erproben. Damit entwickeln wir das Karlsruher Modell konsequent weiter und schaffen die Grundlage für einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr in Stadt und Region“, sagt Christian Höglmeier, technischer Geschäftsführer von AVG und VBK.
Das VDV-TramTrain-Projekt ist mehr als eine normale Fahrzeugbeschaffung. Sechs Verkehrsunternehmen aus Deutschland und Österreich haben gemeinsam eine einheitliche Fahrzeugplattform für moderne TramTrain-Systeme entwickelt.
Die Fahrzeuge basieren auf einer gemeinsamen technischen Grundstruktur. Gleichzeitig können sie an die jeweiligen Anforderungen der einzelnen Netze angepasst werden.
Neben AVG und VBK sind auch die Saarbahn, die Schiene Oberösterreich, die Schiene Salzburg und die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb an dem Projekt beteiligt. Hersteller der Fahrzeuge ist Stadler.
Für das Gesamtprojekt ist auch die laufende Inbetriebnahme der Referenzfahrzeuge bei der Saarbahn wichtig. Die dort gesammelten Erfahrungen fließen direkt in die weiteren Zulassungs- und Erprobungsprozesse der Projektpartner ein.
Auch in Saarbrücken und Eferdingen bei Linz laufen derzeit Inbetriebnahmen.
„Das Besondere an diesem Projekt ist die enge Zusammenarbeit der beteiligten Betreiber, der Firma Stadler und den Zulassungsbehörden. Da aktuell nicht nur in Karlsruhe, sondern auch in Saarbrücken und Eferdingen bei Linz die Inbetriebnahmen laufen, spürt man deutlich, dass sich durch die Kooperation nicht nur ein Preisvorteil ergab, sondern sich auch die Erfahrungen und das Wissen optimal ergänzen. Wir arbeiten nicht dafür, wer der Erste ist – das wird aufgrund der Variantenzulassung immer die Saarbahn sein, sondern immer gemeinsam an den Problemen“, erklärt Thorsten Erlenkötter, Gesamtprojektleiter VDV-TramTrain bei den VBK.
Über die bestehenden Rahmenverträge können insgesamt bis zu 504 Fahrzeuge beschafft werden.
Nach Abschluss der laufenden Prüf- und Zulassungsverfahren sollen die neuen TramTrain-Fahrzeuge schrittweise in den Fahrgastbetrieb integriert werden. Weitere Anlieferungen an AVG und VBK sind in den kommenden Monaten und Jahren geplant.
Mit der neuen Fahrzeuggeneration soll das Karlsruher Modell nicht nur fortgeführt, sondern gezielt für künftige Stadt-Umland-Verkehre weiterentwickelt werden.