Baden-Württemberg (dpa/dk) – Deutschlands Schülerinnen und Schüler schneiden bei Pisa so schlecht ab wie nie zuvor. Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Jung will deshalb darüber sprechen, Kinder möglicherweise noch früher auf Sprach- und Entwicklungsdefizite zu untersuchen.
Besonders die wachsende Verbindung zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg bereitet dem CDU-Politiker Sorgen. Der Rückschlag bei der Bildungsgerechtigkeit treffe bis ins Mark, erklärte Jung.
«Es stellt sich die Frage, ob wir bei der Erfassung von Sprach- und Entwicklungsständen noch früher ansetzen und noch stärker kindgerecht fördern können als bislang im Schnitt mit 4,3 Jahren», sagte Jung.
Gerade in den ersten Lebensjahren würden entscheidende Weichen gestellt. Nach Angaben des Kultusministers sind 30 Prozent der Kinder in Baden-Württemberg nicht ausreichend auf den Schulstart vorbereitet. Gründe seien mangelnde Deutschkenntnisse oder Defizite in der Entwicklung.
«Wir müssen noch mehr tun, um ihnen einen guten Start ihres Bildungswegs zu ermöglichen.»
Der Vorsitzenden der Bildungsgewerkschaft GEW, Monika Stein, reicht die Reaktion des Kultusministers nicht aus. Eine frühere Erfassung des Sprachstands allein löse das Problem aus ihrer Sicht nicht.
«Wenn ich Bedarfe feststelle durch irgendwelche Erfassungen, dann muss ich die richtigen Maßnahmen zur Verfügung stellen, dass das, was an Mangel oder Förderbedarf aufgefallen ist, auch aufgefangen werden kann.»
Schon in der vergangenen Legislaturperiode hatte sich die grün-schwarze Landesregierung auf eine stärkere Sprachförderung verständigt.
Kinder mit Förderbedarf sollen noch vor der Einschulung ein intensives Sprachtraining bekommen. Reichen die Deutschkenntnisse danach weiterhin nicht für den Besuch einer Grundschule aus, sollen sie ab dem in der kommenden Woche beginnenden neuen Schuljahr in sogenannten Juniorklassen gefördert werden.
Ab dem Schuljahr 2028/2029 soll die Sprachförderung verbindlich werden.
Im neuen Pisa-Vergleich haben die getesteten 15-Jährigen in Deutschland in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften so schlecht abgeschnitten wie noch nie seit Beginn der Erhebungen.
Die Ergebnisse liegen damit sogar unter denen der ersten Pisa-Studie aus dem Jahr 2000. Der damalige sogenannte Pisa-Schock hatte eine intensive Debatte über das deutsche Bildungssystem und mehrere Reformen ausgelöst.